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Ulm

12.01.2021

Autorin Kiara Lameika über die Schatten des Zorns

Gruselfaktor Mittelalter: Kiara Lameika beschreibt in „Schatten des Zorns“, wie hier nachgestellt, Inquisition und Hexenverbrennung.
Foto: Bernhard Weizenegger

Die gebürtige Günzburgerin Kiara Lameika schreibt über die düstersten Seiten des Mittelalters.

Wer den ersten Mittelalter-Kriminalroman von Kiara Lameika – dies ist nicht ein echter, sondern ein Künstlername, hinter dem sich Lars Stursberg verbirgt – mit dem Titel „Das Mahnmal“ gelesen hat, kennt bei der Lektüre von „Schatten des Zorns“, dem neuen Band aus der Reihe „Düstere Lande“, schon die Hauptpersonen des Buches: den 14-jährigen Mathes Pelker und seine 13-jährige Freundin Ennlin Bruckner. Trotz dieser jungen Protagonisten ist „Schatten des Zorns“ kein Jugendbuch. Man könnte fast sagen: Im Gegenteil, denn es kommen in dem Roman sehr viele Untaten vor, es werden Grausamkeiten geschildert, es kommen zig Fragen über Hexentum, Gott und Gerechtigkeit auf und es werden schlechte Sitten der damaligen Zeit erläutert, sodass Minderjährigen das Lesen des 430 Seiten umfassenden Buches eher nicht geraten werden sollte.

Lameika (oder besser gesagt: Stursberg), die 1979 in Günzburg geboren wurde, später sechs Jahre in Augsburg lebte, weshalb wohl die Schauplätze ihrer Geschichte auch dort sind, eine Zeit lang in Nordrhein-Westfalen verbrachte, nun aber wieder im bayerischen Schwaben lebt, schrieb im ersten Band „Das Mahnmal“ über Mathes, der sich als Detektiv betätigt und in eine Mordgeschichte verwickelt wird. Mathes überführt den Übeltäter und dessen Handlanger. Der Mörder stirb im Kerker, aber sein hünenhafter Adlatus will seinen Herrn an Mathes rächen.

Wirren des Mittelalters in Augsburg

Hier nun setzt der Krimi „Schatten des Zorns“ ein, ist also eine Fortsetzungsgeschichte. Und die Autorin schafft es, dem Leser eine höchst spannende Geschichte zu liefern. Die vielen Wirren des Mittelalters in Augsburg, die Verbrennung einer angeblichen Hexe auf dem Scheiterhaufen, der mutige Mathes, der in ständiger Gefahr lebt, vom Hünen, der in die Stadt gekommen ist, geschnappt und wahrscheinlich getötet zu werden, die Härte des völlig verblendeten Inquisitors, der die Schrift „Hexenhammer“ als eine Art Bibel betrachtet, die Jagd auf einen Buchdrucker, der ein Gegenpamphlet plant, der Werwolf, der vor allem hinter Mathes her und in Wirklichkeit der Hüne ist, der sich nach der Einnahme eines bestimmten Tranks auf Zeit zur Bestie entwickelt, Morde, des Scharfrichters Versuch, Ennlin unsittlich anzugehen, falsche Anklagen und die Gefahr, in die sich Mathes und Ennlin, die ihren Freund bei der Detektivarbeit kräftig unterstützt, ständig begeben – all das fesselt den Leser so, dass er das Buch am liebsten in einem Zug durchlesen würde.

Am Ende stirbt Ennlins Mutter trotz aller Rettungsversuche der beiden Jugendlichen zu Unrecht als Hexe auf dem Scheiterhaufen, auf der anderen Seite siegt aber auch so etwas wie Gerechtigkeit. Der Hüne, gerade wieder als Werwolf beim Angriff auf Mathes, wird von den Stadtwächtern und diesem im Kampf getötet, womit auch die Gefahr durch den Hünen vorüber ist. Und der Inquisitor, der mit seinen Intrigen, falschen Anschuldigungen und eigenen Untaten bis hin zum Mord ordentlich zu den Gräueln und der Angst in der Stadt beigetragen hatte, kommt ebenso ums Leben wie der Scharfrichter. Mathes muss nun Richtung Bodensee in den Krieg gegen die Schweiz ziehen. Ohne Ennlin.

Kiara Lameikas Krimi spielt im Jahr 1499

Kiara Lameika schafft es, stets die Spannung zu halten. Es ereignet sich sehr viel in ihrem Krimi, der im Jahr 1499 spielt, aber sie stellt die Zusammenhänge in der Geschichte gut dar und sorgt dafür, dass der Leser bei der Fülle von handelnden Personen und Ereignissen den Überblick behält. Mal schreibt sie aus der Sicht von Mathes, mal aus der von Ennlin. Hier wird es manchmal etwas schwierig, da sie nicht gleich die Namen nennt. Ihre Sprache ist recht einfach, aber sehr flüssig, verständlich und gut lesbar. Sie hat Augsburgs Stadtgebiet anhand einer uralten Karte offenbar richtig erfasst und in historischen Schriften viel recherchiert. Sie fügt zahlreiche Fußnoten mit Erläuterungen auf den jeweiligen Seiten an, um es dem Leser schnell leicht zu machen, die historischen Hintergründe zu verstehen. Der Leser muss sich darauf verlassen, dass die Historie gut dargestellt ist, will er sie nicht ständig überprüfen. Bürgen tut Kiara Lameika dafür nicht. Was dem Krimi keinen Abbruch tut. Nun hat sie nach eigenen Angaben schon die Fortsetzung von „Schatten des Zorns“ in Arbeit.

Wer mehr erfahren will, kann die Homepage www.kiara-lameika.de aufrufen oder unter mail@kiara-lameika.de eine Nachricht schicken.

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