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Neu-Ulm

10.07.2020

Autozulieferer Paragon: IG Metall will um Standort Neu-Ulm kämpfen

Mitarbeiter von Paragon Electroacoustic protestierten am Freitag gegen die geplante Schließung des Standorts Neu-Ulm.
Bild: Michael Ruddigkeit

Plus Dem Hersteller von Lautsprechern für die Automobilindustrie droht in Neu-Ulm das Aus. Jetzt will die IG Metall die Wahl eines Betriebsrats am Arbeitsgericht durchsetzen.

Die Nachricht hat die Mitarbeiter geschockt: Der Mutterkonzern Paragon schließt das Neu-Ulmer Werk am Pfaffenweg zum 30. Juni nächsten Jahres. Die 50 Beschäftigten des Automobilzulieferers, die dem Unternehmen teilweise schon mehr als 20 Jahre angehören, haben diese Woche die Kündigung zum 31. Mai 2021 erhalten – nur wenige Tage, nachdem bekannt geworden war, dass bei Paragon Electroacoustic in Neu-Ulm ein Betriebsrat gewählt werden soll. Der Gewerkschaft IG Metall fällt es schwer, an einen Zufall zu glauben.

Die IG Metall fragt: Gibt es einen Zusammenhang zwischen der geplanten Betriebsratswahl und der Schließung des Standorts?

„Das kam aus heiterem Himmel“, sagte am Freitag Gewerkschaftssekretärin Sabrina Balkheimer über die geplante Schließung des Standorts Neu-Ulm. „Man macht sich Gedanken, ob es einen Zusammenhang geben könnte mit der geplanten Bildung eines Betriebsrats.“

Den Gewerkschaftern wird der Zutritt zum Werksgelände von Paragon Electroacoustic verweigert

Als Balkheimer und der ehemalige Bevollmächtigte Elmar Heim am Freitagvormittag die Betriebsratswahl bei Paragon Electroacoustic einleiten wollten, wurde ihnen der Zutritt zum Werksgelände verweigert. Die Firmenleitung machte von ihrem Hausrecht Gebrauch. Das sei ihr in den zwölf Jahren, seit sie bei der IG Metall sei, auch noch nicht passiert, sagte Sabrina Balkheimer über diese Abfuhr. „Das ist schon ein Extremfall.“

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Laut Betriebsverfassungsgesetz habe die Gewerkschaft ein Anrecht auf Zutritt zur Einleitung einer Betriebsratswahl, betonte Elmar Heim. Die Gewerkschafter wollten aber keine Eskalation, sondern verließen das Firmengelände und sprachen durch den Werkszaun mit den Mitarbeitern. „Noch vor einem Jahr haben sie uns in einer Besprechung versichert: Keine Sorge, der Standort bleibt erhalten“, sagte eine betroffene Mitarbeiterin. Umso heftiger traf die Beschäftigten die Nachricht von der Schließung des Standorts Neu-Ulm und den damit verbundenen Kündigungen.

Die Lautsprecher-Produktions-Gesellschaft (LPG) wurde 2018 von Paragon übernommen

Das Unternehmen im Neu-Ulmer Gewerbegebiet wurde 1983 unter dem Namen Lautsprecher-Produktions-Gesellschaft (LPG) gegründet. Im Oktober 2018 wurde die Firma von Paragon übernommen. Jetzt droht das Aus.

Das sagt der Geschäftsführer von Paragon zur Schließung des Standorts

„Der ursprüngliche Plan war, nur einige Produktionslinien in das Paragon-Werk Limbach zu verlagern“, erklärte Klaus Dieter Frers, der Vorsitzende der Geschäftsführung, auf Anfrage unserer Redaktion. Wegen des Auslaufens des Mietvertrags in Neu-Ulm Ende Juni 2021 sei ein neuer Standort in der Nähe gesucht worden. „Und nun kamen gleich mehrere Punkte zusammen“, so Frers. „Die Corona-Pandemie verschlechterte die Ergebnis-Situation weiter, und geplante Investitionen in Neu-Ulm können durch die Verweigerungshaltung zweier Ulmer Banken nicht durchgeführt werden. Dies ist ein echtes Ärgernis.“ Dadurch seien die Pläne erneut auf Wirtschaftlichkeit hin geprüft worden. Die Geschäftsführung habe dann die Entscheidung gefällt, kein neues Werk in Neu-Ulm zu errichten und die Aktivitäten an größere Standorte des Konzerns zu verlagern. Diese Entscheidung sei endgültig.

Dass er von einem Betriebsrat wenig hält, räumte Frers ein. „Paragon besteht nun seit über 32 Jahren ohne Betriebsrat, weil stets auf die Belange der Mitarbeiter gehört wurde“, so der Geschäftsführer. „Natürlich ist es Gesetz, dass sich Betriebsräte bilden dürfen. Aber es ist auch keine Pflicht und wir haben bewiesen, dass der direkte Kontakt aller Mitarbeiter zum Management funktioniert und wir fair miteinander umgehen.“ Wenn jemand ein Anliegen habe, brauche es keinen Vermittler. Einen Zusammenhang zwischen Standortschließung und geplanter Betriebsratswahl bestritt Frers. Die Entscheidung der Geschäftsleitung sei final am 2. Juli erfolgt, der Aushang zur Wahlversammlung einen Tag später. Die Information sei bei der Geschäftsführung erst am 6. Juli eingetroffen.

Die IG Metall stellt einen Antrag beim Arbeitsgericht Neu-Ulm

Die IG Metall wird nun einen Antrag beim Arbeitsgericht Neu-Ulm auf Bestellung eines Wahlvorstands stellen, um die Betriebsratswahl zu ermöglichen. Nächste Woche wollen die Gewerkschafter mit allen Mitarbeitern sprechen. Sabrina Balkheimer: „Wir werden auf jeden Fall um den Standort kämpfen.“

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