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Ulm

08.07.2014

Baden mit Blutegeln und Seerosen

Die Kemptener Künstlerin Barbara Wolfart hat die Schaufensterpuppen ins Wasser gesetzt. Von Weitem ist diese Szene im Botanischen Garten in Ulm sehr irritierend.
Bild: Dagmar Hub

Im Ulmer Botanischen Garten gibt es 27 Skulpturen zu entdecken. Ein Rettungsversuch

Der Botanische Garten in Ulm ist zu einem Ort geworden, an dem es sich gut träumen lassen müsste. Ein Doppelbett aus Messing, das zum Verweilen einlädt, steht unter einem Tulpenbaum – der Stammumfang des Liriodendrons ist aus der Liegefläche ausgesägt, sodass das Bett genau unter die Baumkrone passt: Die fantasievolle Arbeit ist eine Idee des Musischen Zentrums (MUZ) der Uni Ulm. Der zweite Skulpturensommer im Botanischen Garten, kuratiert von Frank Raendchen, dem Leiter des Campusateliers an der Uni Ulm, ist gleichzeitig ein Plädoyer für den Erhalt des MUZ: Es ist von der Schließung bedroht, weil die Studierendenschaft in Baden-Württemberg seit 2013 alle Personal- und Sachkosten für Angebote übernehmen muss, die nicht der Ausbildung dienen.

Eine weitere Idee des Musischen Zentrums der Uni ist ein blaues Netzwerk-Projekt mit Symbolgehalt, das sich unterhalb der Gewächshäuser über eine Fläche von sechs auf sechs Metern spannt. Insgesamt sind 27 größere und kleinere Skulpturen über die 28 Hektar des Botanischen Gartens verteilt. Entdeckungsreisende können eine Tour durch den jetzt in voller Blüte stehenden Garten machen, um sie zu suchen, was bis zum 5. Oktober möglich ist.

Zwischen den Bäumen des Gartens hängen kleine Katzen und Meisenknödel aus gefilzter bunter Wolle, die von geistig Behinderten und Demenzkranken aus Dornstadt gefertigt wurden. An ihnen dürfen sich die zahlreichen Vogelarten, deren Gesang den Botanischen Garten zurzeit erfüllt, bedienen. Eine Nisthilfe sollen die Wollstückchen sein, für diesen Sommer allerdings wohl zu spät, denn die meisten Jungvögel sind bereits ausgeflogen.

Beim Feuchtbiotop im Botanischen Garten reibt man sich die Augen: Stehen da vier hübsche junge Damen um ein Tablett mit Sektgläsern im Teich und spielen im kühlen Wasser ein Brettspiel? So sieht es aus der Ferne aus. Erst beim Näherkommen entdeckt der Besucher den Gag: Die Badenden sind von der Kemptener Künstlerin Barbara Wolfart geschaffen – Schaufensterpuppen im Bikini und mit Badekappen im Landschaftsidyll. Nicht ´zur Nachahmung empfohlen, denn nur die Puppen müssen keine Angst vor Blutegeln haben. Die Rettungsringe der Münchnerin Lenka Richterova am Rand der Szene passen punktgenau und ironisieren das künstliche Badevergnügen. Aus dem Gestrüpp leuchtet eine Installation der Berlinerin Teresa Mazuela Sequeira. Ihr „Leuchtkasten“ täuscht einen Sonnenuntergang hinter einem Haselnussstrauch vor und integriert das tatsächlich vorhandene Gebüsch in die künstlerische Szene. Ähnlich geht Constanze Schüttoff mit ihrer zwei Meter langen blauen Glaswand vor, die auf der Wiese im mittleren Teil des Geländes in die Erde gepflanzt ist: Die Glasskulptur lässt die reale Landschaft durchscheinen und nimmt sie ins Bild auf, das sich mit jedem Windstoß verändert.

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