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Neu-Ulm

20.02.2021

Bald gibt es Teile von Neu-Ulm nur noch als Plastik-Bausatz

Das Modell zeigt den Bahnhofsvorplatz in Neu-Ulm.
Bild: Dagmar Hub

Plus Mit dem LEW-Gebäude verschwindet ein Stück Nachkriegs-Architektur in Neu-Ulm. Das gab es einst zum Nachbauen. Heute sind die Bausätze wertvoll.

Mit dem Abriss des LEW-Gebäudes am Neu-Ulmer Heiner-Metzger-Platz geht auch eine architektonische Besonderheit der Baugeschichte der Nachkriegsmoderne zugrunde. Hans Layer vom jungen Verein Regionale Technikgeschichte bedauert das. Ein Zeuge der Neu-Ulmer Vergangenheit ist schon verloren gegangen. Es gibt ihn nur noch in Plastik.

Hans Layer findet, das Treppenhaus des LEW-Gebäudes sei von außergewöhnlicher Ästhetik: "So etwas gibt es meiner Kenntnis nach in Ulm nicht." Erhalten bleiben wird das LEW-Gebäude aber in manchen Modelleisenbahn-Anlagen und in manchen Kisten auf Dachböden und in Kellern: Die Firma Kibri, die sich in den 60er-Jahren auch der Architektur der damaligen Moderne für die Modellbahn zuwandte, schuf damals ein komplettes Stück Neu-Ulm als Bausatz in HO-Größe: Der Neu-Ulm-Bahnhof samt LEW-Gebäude und das parallel zum damaligen Bahnhof stehende Querriegel-Gebäude konnten als Ensemble zu-Hause nachgebaut werden.

Die Neu-Ulmer Bahnhofsumgebung zum Selberbauen

Beim Durchstöbern ihrer Akten entdeckten Mitglieder des Vereins Technikgeschichte einen alten Kibri-Katalog aus dem Jahr 1964 mit den Modellen des Neu-Ulmer Bahnhofsensembles. Dem Neu-Ulmer Stadtarchiv gelang es sogar, die Modelle zusammenzutragen. Sie wären derzeit in der - allerdings wegen der Pandemie geschlossenen - Stadtbibliothek ausgestellt. Die ist bekanntlich selbst noch im LEW-Gebäude untergebracht. So steht das Modell im lebensgroßen Original, das bald wird weichen müssen. 17,90 DM kostete der Miniatur-Bahnhof damals, heute bezahlt man für ein ungebautes Modell der Rarität "Bahnhof Neu-Ulm" mit Seriennummer 9496 ein Vielfaches, wenn es denn einmal angeboten wird.

Das Modell des ehemaligen Neu-Ulmer Bahnhofs zierte einst manche Miniatur-Eisenbahn-Anlage.
Bild: Dagmar Hub

Das LEW-Gebäude hatte die Seriennummer 8200, der Wohn- und Geschäftsblock am heutigen Heiner-Metzger-Platz die 8113. In Fachzeitungen der 60er-Jahre wurde gar gemunkelt, Kibri werde mit seinen Neu-Ulmer Bausätzen erst aufhören, wenn ganz Neu-Ulm als Modell miniaturisiert sei. 2018 kamen Modelle des Neu-Ulmer Bahnhofsplatzes sogar zur Ausstellung "Märklin Moderne" ins Deutsche Architekturmuseum nach Frankfurt.

Neu-Ulm: Dem Modell des LEW-Gebäudes sieht man die Jahre an


Dem aus Plastikteilen aufgebauten LEW-Modell, wie es in der Stadtbibliothek steht, sieht man seine fast 57 Jahre deutlich an - mehr als dem Bahnhofsmodell. Abgestoßene Ecken zeugen davon, dass es Jahrzehnte auf einer Eisenbahnanlage irgendwo gestanden sein muss. Und dennoch: Da dem Gebäude der Abriss droht, der den Bahnhof längst ereilt hat, werden die Bausatz-Modelle eines Tages wohl die einzigen im Wortsinne "greifbaren" Zeugen für die Architektur der Nachkriegsmoderne an diesem Ort sein. Dass die Treppe selbst dann nirgendwo mehr zu sehen sein wird, auch nicht im Modell, bedauert Layer sehr. "Dieses Treppenhaus ist einfach super. Aber wenn das Gebäude weg ist, ist auch die Wendeltreppe weg."

Das Modell des alten LEW-Gebäudes am Heiner-Metzger-Platz steht derzeit in der Stadtbücherei.
Bild: Dagmar Hub


Der Verein Regionale Technikgeschichte, der seit kurzer Zeit auch eine eigene Homepage hat, beschäftigt sich natürlich nicht nur mit dem Neu-Ulmer Modell. Er will beispielsweise ein Register der regionalen Technik- und Wirtschaftsgeschichte erstellen. Die gesammelten Dokumente sollen - nach Branchen gegliedert - digital erfasst werden. Hans Layer vermutet, dass gerade in Familien im relativ jungen Neu-Ulm wichtige und interessante Zeugnisse der regionalen Technikhistorie liegen, und bittet darum, dass sich Besitzer solcher Dokumente beim Verein melden.

Gesucht wird aktuell zum Beispiel jemand, der oder die etwas wissen könnte über den "Fuchsloch-Beiwagen". Das war der Motorradbeiwagen eines Konstrukteurs, der "Auf der Insel" arbeitete und über den relativ wenig bekannt ist.
Info: Die neue RTG-Homepage ist zu finden unter https://rtg-ulm.de

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