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Blaustein

18.01.2017

Bankraub für Anfänger

Uhrenvergleich im Schuhladen: Richard Aigner (Clyde) und Celia Endlicher (Bonnie) im Schuhlager.
Bild: Florian L. Arnold

„Zwei wie Bonnie und Clyde“ reizt in der Theaterei Herrlingen die Lachmuskeln. Das liegt vor allem an der überzeugenden Leistung eines komödiantischen Traumpaares.

Bonnie und Clyde, das waren zwei Kriminelle, die in den 1930er-Jahren halb Amerika um den Schlaf brachten mit ihren gewagten und brutalen Überfällen. Erst ein Großaufgebot von Sicherheitskräften konnte das Verbrecherpaar stoppen. Den Gangsterlegenden nacheifern wollen auch die Hauptfiguren Manni und Chantal in der Screwballkomödie „Zwei wie Bonnie und Clyde: Denn sie wissen nicht, wo sie sind“ von Sabine Misiorny und Tom Müller, die seit 2008 auf zahlreichen Bühnen in der Republik mit großem Erfolg gespielt wird. Auch in der Fassung der Theaterei wird das Stück inflationäre Lachattacken auslösen. Das zeigte sich bei der Premiere in Herrlingen.

Auf der Flucht nach einem missglückten Banküberfall landen die beiden in einem verlassenen Schuhlager. Statt des Geldes haben sie nur eine Tüte mit Kaffee und Dosensuppen erbeutet. Doch Manni – grandios zwischen Naivität und Bauernschläue dargestellt von Richard Aigner – lässt sich nicht unterkriegen und spinnt sogleich einen neuen Plan. Doch die Missgeschicke, Pleiten und Pannen nehmen kein Ende. Auch der zweite Überfall geht schief und der dritte Anlauf verringert die Chancen auf das große Geld weiter. Nur langsam beginnt Manni zu verstehen, wo das Problem liegt: Seine Liebste, gespielt von Celia Endlicher, ist nicht besonders intelligent, sie kann weder Rechts von Links unterscheiden – geschweige denn den Ablauf eines Überfalls im Kopf behalten …

„Zwei wie Bonnie und Clyde“ ist eine klassische Komödie: Zwei ebenso sympathische wie chaotische Figuren jagen einer unerfüllbaren Idee hinterher. Endlicher und Aigner erweisen sich unter der Regie von Marion Weidenfeld als Glücksgriff mit erfrischendem komödiantischen Verve. Hinreißend, wie Aigners „Manni“ nach jedem missglückten Coup versucht, nicht aus der Haut zu fahren.

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Endlicher, die man sonst aus ernsten Rollen kennt, genießt das Pointenfeuerwerk und spielt mit viel Gespür für die Pointen die Situationskomik aus. Sie spielt die schusselige Chantal mit herzerfrischender Naivität, entwaffnend großäugig, immerfort staunend über das Dauerpech. Man kann ihr nichts übel nehmen.

Erfreulicherweise überzeichnen Aigner und Endlicher diese vom Dialogwitz lebende Komödie nicht. Manni mit seinen hochtrabenden Plänen und seiner Kirk-Douglas-Coolness bleibt ebenso liebenswert sympathisch wie Chantal mit all ihren Macken. Am Ende sind es ganz nachvollziehbare menschliche Träume, die aus zwei Chaoten Bankräuber macht. Für die Komödie spricht auch, dass sie nur ein „halbes Happy End“ anstrebt. In den Stapeln von Schuhkartons (Bühnenbild Jörg Stroh) entfaltet sich eine schwungvolle Inszenierung, die viel Humor, Tempo, Witz und Action hat, dabei ihre Hauptfiguren aber nicht zu bloßen Lachnummern macht.

Gerade darum sollte man diese witzige Parforce-Tour um verwechselte Einkaufstüten und Bankfilialen nicht verpassen.

Nächste Aufführungen am 21. und 27. Januar um 20 Uhr sowie am 22. Januar um 17 Uhr in der Theaterei Herrlingen, Oberherrlinger Straße 22. Weitere Vorstellungen bis 11. März. Karten unter Telefon 0731/268177.

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