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Scherer-Ensemble

06.07.2012

Barocke Klänge aus und für Ulm

in der Wengenkirche

Ulm Eigentlich begann das Konzert schon am Nachmittag – die Gesellschaft für Musikgeschichte in Baden-Württemberg tagte in Ulm und bekam in einer vom Verein für Ulm und Oberschwaben veranstalteten Führung markante Orte der Ulmer Musikgeschichte samt ausgewählten hochrangigen Musikalien und Akten der Reichsstadt Ulm vorgestellt. Der musikkundige Stadtführer Thomas Müller, Leiter des Scherer-Ensembles, setzte das Erklärte dann am Abend in der Wengenkirche mit 15 Werken aus drei Jahrhunderten anschaulich in Klang um.

Im Mittelpunkt standen dabei drei Jubilare: der große Hans Leo Hassler, 1612 immerhin als Ulmer Bürger gestorben, nachdem er 1605 die Ulmerin Cordula Claus geheiratet hatte. Ein achtstimmiges Kyrie und zwei seiner Motetten zeigten die Spannweite seines Komponie-rens, wobei insbesondere die chromatischen Gänge des Psalms 119 (120) „In meiner Not rief ich zum Herrn“ eindrucksvoll die differenzierte Ausdruckskunst des gebürtigen Nürnbergers entfalteten.

Benannt nach dem Münsterorganisten Sebastian Anton Scherer (1712, vor 300 Jahren, gestorben) machten die neun Sängerinnen und Sänger, begleitet von einem Streichquartett mit historischen Instrumenten sowie Orgel (Andreas Weil, Luitgard Niebuer), auch mit ihrem Namensgeber bekannt. Scherers Orgelwerk wurde mit einem Vorspiel ebenso präsentiert wie mit drei seiner instrumental-begleiteten Kantaten. In ihnen wechseln eindrucksvolle Klangflächen aller Sänger mit Zwischenspielen der Streicher und mit solistischen Partien ab und schaffen eine frühbarocke, abwechslungsreiche Gesamtwirkung.

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Mit einem Kurzsatz von Christian Friedrich Daniel Schubart

In das Hochbarock führte dann der Marchtaler Prämonstratenser Isfrid Kayser, der im Wengenkloster und beim protestantischen Münsterorganisten Conrad Michael Schneider seine musikalische Ausbildung erhielt. Seine wuchtige Märtyrer-Arie „Tormenta parate“ zeigt unüberhörbar Züge der Opernwelt (Bass-Solo Thomas Müller), während die Kantate „Sunt vana profana“ des Wengen-Chorherrn Joseph Lederer erkennen ließ, auf welch hohem Anspruchsniveau in den Klöstern in und um Ulm musiziert wurde.

Das vielfältige und klangvolle Programm mit vielen interessanten musikalischen Entdeckungen schloss mit einem Chorsatz des Kurz-Ulmers Christian Friedrich Daniel Schubart („Danket dem Herrn“) – die Verhaftung des Komponisten in Blaubeuren und seine jahrelange Haft auf dem Hohenasperg beendeten seine zwei Ulmer Jahre.

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