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Ulm

15.06.2013

Begegnungen mit der Moderne

Ein modernes Haus, zur Kulisse verzerrt: ein „Modern House“ von Jens Hausmann, der auch Kurator der Ausstellung „Mixed Signals Part II“ ist.
Bild: Andreas Brücken (Repro)

Gruppenausstellung „Mixed Signals“ mit Arbeiten von neun Künstlern

Ulm Die klassische Moderne stand für klare Formen und für klare Kante. Kunsthistorisch ist die Zeit der Avantgarden – zumeist zwischen den 1920er und 1960er Jahren verortet – vorbei. Dass die Beschäftigung mit dem Erbe der Moderne dennoch lohnt, zeigt die von dem Künstler Jens Hausmann kuratierte Ausstellung „Mixed Signals Part II“ im Kunstverein Ulm, die am heutigen Samstag eröffnet.

Ikonische Architektur zur Kulisse verzerrt

Der erste Teil der Ausstellung war zu Jahresbeginn im Berliner „Haus am Kleistpark“ zu sehen, der zweite schließt aber direkt an das dort Gezeigte an. Neben Hausmann, der großformatige Malerei zeigt, sind acht weitere Künstler mit teils fast konträren Positionen zu sehen; Hausmann hat diese speziell für „Mixed Signals“ ausgewählt. Seine eigenen Arbeiten treten mit der Moderne besonders augenscheinlich in Dialog: Seinen Bilder der „Modern House“-Serie zeigen Wohnhäuser in klassischer Bauhaus-Architektur, allerdings verzerrt ins Breitwandformat. Aus gebauten Utopien werden so Kulissen für das Luxusleben der Oberschicht – oder auch für Verbrechen. Nicht umsonst spielt „Derrick“ ständig in Architektenhäusern.

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Vanessa Henn zeigt eine Konstruktion aus Handläufen, die abgewinkelt und neu kombiniert völlig funktionslos werden. Auch Alexej Meschtschanow arbeitet mit industriell gefertigten Bauteilen, befreit sie aber noch radikaler aus ihrem Kontext: Die Stative von Bürostühlen werden in einer Arbeit zu spinnenähnlichen Wesen, die eine Tür entführen. Moderne bedeutet bei Henn und Meschtschanow vor allem industrielle Moderne, aber auch Bezug auf die Readymades Marcel Duchamps.

Christian Henkels auf Stelzen stehende Objekte aus Alublech und Plexiglas verweisen wiederum direkt auf Formen der Architektur, betonen aber das Moment des Provisorischen. Frederik Foert, von dem eine kinetische Arbeit im Treppenhaus zum Schuhhaussaal zu sehen ist, und Amélie Grözinger besetzen mit ihren Arbeiten die Grenze zum Design. Grözingers Objekte sind zunächst einmal Lampen – auf den zweiten Blick offenbaren sie funktionale „Defizite“ und die Empfindlichkeit ihrer Konstruktion. Isabelle Borges knüpft an die formale Strenge der konkrete Malerei an, überführt deren Flächigkeit aber in den dreidimensionalen Raum – und konterkariert sie mit Collage-Elementen.

Ganz andere, weniger formale Blickwinkel steuern die beiden übrigen Künstler bei: Die Fotografin Juliane Eirich, die in Korea unter anderem abgestellte Boote am Rand einer Stadtautobahn fand, oder Sven Reile, der mit seinen Ölbildern ins Weltall blickt: zur Zeit der Moderne noch ein Sehnsuchtsort, heute Müllhalde und Ausflugsort für betuchte Touristen. Nicht nur die Utopien der Moderne sind heute Vergangenheit, auch ihre Träume.

Eröffnung der Ausstellung heute, Samstag, um 19 Uhr. „Mixed Signals“ läuft bis 11. August.

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