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Ulm

11.02.2020

Beglückt und beseelt vom Rausch der Klänge – ein Chorkonzert in St. Elisabeth

Dirigent Markus Romes hat mit den Auftritten des Konzertchors „Klangreich“ ein kleines Gesamtkunstwerk geschaffen: Musik trifft auf Poesie und auch Show – wie hier in der Kirche St. Elisabeth.
Bild: Stefan Kümmritz

Der Ulmer Chor „Klangreich“ gestaltet unter der Leitung von Markus Romes einen bezaubernden Abend mit Poesie und Musik von Mendelssohn bis Queen.

Manchen Musikfan macht Heavy Metal glücklich, manch einen Pop und Schlager, andere ergötzen sich an klassischen Klängen, aber viele Menschen begeistern sich auch für gute Chormusik. Dies umso mehr, wenn der Chor nicht nur starr auf einer Bühne steht, sondern, wenn er jede Menge Leben spüren lässt. So wie der Ulmer Konzertchor „Klangreich“, der am Sonntag mit seinem Leiter Markus Romes das Publikum in der knackevollen Kirche St. Elisabeth mitriss. Anhaltende Ovationen und Füßetrampeln für „Seelenrauschen“ zeigten, dass den Zuhörern das Gebotene zu einer besonderen Art von Glück verhalf.

Markus Romes hat mit "Klangreich" ein Gesamtkunstwerk geschaffen

Das Glück kam natürlich von den wundervollen Liedern und den von Pianist Janis Pfeifer („Präludium“ von Felix Mendelssohn Bartoldy) sowie Gitarrist Wolfgang Franz („Nautilus“ von Willy Astor) vorgetragenen Soli, vor allem aber vom Gesamtauftritt des vielköpfigen Ensembles. Markus Romes, der dem einen oder anderen beim Dirigieren immer etwas zu emotional und wild erscheint, zeigt dabei aber eben große Gefühle und teilt sie auch über seinen Chor mit. Er hat ein Gesamtkunstwerk geschaffen, das quasi alle Sinne in Beschlag nahm – mit den Songs, den Soloauftritten der Musiker und einzelner Sänger, den zwischendurch von Schauspielerin Margarete Lamprecht in Gestalt der romantischen Dichterin Bettina von Arnim gesprochenen Texten, schauspielerischen Einlagen und auch den betörenden Farbspielen. Das bereitete offensichtlich nicht nur den Besuchern, sondern auch den Mitwirkenden höchstes Vergnügen. Es machte sich spürbare Seligkeit breit.

Das Konzert beginnt noch einigermaßen verhalten mit Robert Schumanns Lied „Wer machte dich so krank?“, um dann die Zuhörer mit „The Lake Isle“ des 32-jährigen Norwegers Ola Gjeilo richtig in Stimmung zu bringen. Von diesem Komponisten und Pianisten hat „Klangreich“ inklusive Zugabe gleich drei Lieder im Programm. Das von Gjeilo komponierte „Dark night of the soul“ bildete zum Abschluss des regulären neoromantischen Chorabends einen Höhepunkt, der nur durch das höchst eindringlich und spannend inszenierte „Bohemian Rhapsody“ der Rockband Queen, zu dem deren verstorbener Sänger Freddy Mercury den Text lieferte, getoppt wurde. Bei diesem Song verteilt sich der Chor in den Gängen des Kirchenschiffs, sodass ein hervorragender Raumklang entstand. Das Publikum war aus dem Häuschen ...

"Seelenrauschen" führt ins Klangreich der romantischen Werke

In seiner Einladung zu „Seelenrauschen“ beschreibt Markus Romes romantische Werke unter anderem als träumerisch, empfindsam, fantastisch oder hochfliegend. Es gehe um die Seele im Menschen, die oft von außen „gegängelt“, vielleicht sogar „verdrängt“ werde. Beim Konzert am Sonntagabend kommt die Seele zur Ruhe, denn genau die eben genannten Adjektive – und einige mehr – passen exakt zur Aufführung. Die Mitwirkenden schwingen, stehen erst und sitzen dann Sonnenbrillen tragend auf dem Boden wie bei „Ruhetal“ von Felix Mendelssohn Bartoldy, während sie beim Klaviersolo auf und um die Bühne tänzeln und dabei über ihre Köpfe große, weiße, gefaltete Blätter heben, die sie wie Flügel schwingen lassen.

Aber zum Davonfliegen aus St. Elisabeth ist es noch zu früh. Nach „Betrachtungen eines Außenseiters“ (Text: Hans-Peter Kraus) und „Einziger Wunsch“ (Ricarda Huch) stehen mit dem Gedicht „Nocturno“ (Stefan Zweig), „Einsam bin ich“ (Albert Sergel) und „Ich sah mein Glück vorübergehen“ (Paul Heyse) noch Wortbeiträge auf dem Plan. Dazu kamen Lieder wie „Erlkönig“ (Musik: Franz Schubert, Text: Johann Wolfgang von Goethe), das mit Blitz und Donner und stark zu frieren scheinenden Chormitgliedern eingeleitet wird, der zweite Satz aus Antonín Dvoráks neunter Symphonie „Aus der Neuen Welt“ sowie das spannend, mit Wechselgesang arrangierte „Ave Maria“ von Felix Mendelssohn Bartoldy. Die Gesichter derer auf der Bühne strahlen mit denen der Zuhörer um die Wette.

Wer nach Konzertende nicht beglückt, beseelt, einfach glücklich von dannen ging, dem war zumindest an diesem Abend nicht zu helfen.

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