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Porträt

14.02.2018

Bei Silke Knäpper drehen die Gedanken Schleifen

Eine Autorin mit ihrem jüngsten Buch: Silke Knäpper liest am Samstag in Roggenburg aus ihrem Roman „Hofkind“.
Bild: Horst Hörger

Die Neu-Ulmerin ist eine der erfolgreichsten Autorinnen der Region. Dabei kam sie erst relativ spät zum Schreiben

Ein Bild kann bei Silke Knäpper der Zündfunke für einen Roman sein, oder eine Geschichte, die ihr erzählt wurde. So wie die von dem Kind, dessen Großmutter bei der ersten Begegnung ruft: „Mein Gott, die hat ja rote Haare, was für ein hässliches Mädchen.“ Die Szene ist einer der eindrücklichsten Momente in Knäppers Roman „Hofkind“, aus dem die Neu-Ulmer Autorin am Samstag, 17. Februar, beim ersten „Roggenburger Literaturtag“ im Kloster liest.

Die 50-Jährige gehört zu den wenigen Autoren aus dem Raum Ulm, die sich über die Region hinaus einen Namen gemacht haben. Zunächst mit dem ersten Roman „Im November blüht kein Raps“ (2012), der Geschichte eines Musikers zwischen zwei Frauen und der Vergangenheit seiner Familie. Und dann mit dem psychologisch dichten „Hofkind“ (2016), das in der Ich-Perspektive von Carla erzählt, einer jungen Frau in einem unseligen Familiengeflecht, mit einer Mutter, die vor allem selbst geliebt werden will, und einem dominanten Stiefvater. Einem Geflecht, aus dem sie sich aus eigener Kraft befreit.

Doch eigentlich geht es in Knäppers Romanen primär um die Sprache, denn Schreiben bedeutet für sie vor allem: Lust am Fabulieren. Bei der Arbeit an einem Buch habe sie zwar immer „einen Bauplan im Hinterkopf“, doch der Schreibprozess ist bei ihr intuitiv. Eine Szene ergibt die nächste, manchmal ändert ein einzelnes Wort den Fortgang der Geschichte. Überhaupt komme sie nicht schnell auf den Punkt, bei ihr drehten die Gedanken immer noch ein paar Extra-Schleifen, immer wieder gibt es Exkurse und Rückblenden. „Das Assoziative steckt in mir drin, ich könnte gar nicht linear schreiben.“

Knäpper, die in Ulm geboren wurde und in Senden-Ay und Bellenberg aufwuchs, studierte in Wien, Freiburg, Paris und Köln, arbeitete danach in London. Eine Zeit, in der sie nicht schrieb, sondern „das Leben aufgesaugt“ hat. Zurück an die Donau, in die Nähe der Familie, kehrte sie erst 2001, als sie schwanger war. Von London nach Ulm – eine schwierige, aber rückblickend die beste Entscheidung, wie sie sagt. Auch, weil sie hier zum Schreiben fand, zunächst zur Lyrik.

Anfangs eine kreative Abwechslung im Alltag der Lehrerin und alleinerziehenden Mutter, wurde es immer mehr zur Leidenschaft. Wobei Knäpper, die an der Ferdinand-von-Steinbeis-Schule Ulm unterrichtet, beim Schreiben keinen Wert auf Abgeschiedenheit legt. „Ich bin ein geselliger Mensch“, sagt sie. Deswegen nimmt sie auch regelmäßig an Schreibwerkstätten teil, wo sie den Austausch mit anderen Autoren sucht. Der Dozent Peter Renz ist ihr dabei ein Mentor und Freund geworden, beide veröffentlichen beim renommierten Tübinger Verlag Klöpfer & Meyer. Wie übrigens auch Sibylle Schleicher, die zweite Autorin beim Literaturtag in Roggenburg. „Der Austausch mit ihr ist ganz arg wertvoll für mich“, sagt Knäpper über die frühere Ulmer Schauspielerin. Auch, weil sie sich von Schleicher in Sachen Bühnenpräsenz einiges abschauen könne.

Angst vor dem Rampenlicht hat Knäpper jedoch nicht. Sie gehört seit mehr als zehn Jahren zur Gruppe Flugfische, in der Region bekannt für ihre literarisch-musikalischen Performances, unter anderem über „Dichte Dichter“. Wohl gemerkt: Es geht um die Texte anderer Schriftsteller. „Da will ich von mir nichts dabeihaben“, sagt Knäpper und lacht. Bei den Flugfischen geht es ihr besonders um den Spaß, um die Gemeinschaft. „Wir sind wie eine Familie.“

Ihre eigenen Texte verfasst die 50-Jährige fast nur in den Ferien. Wenig Zeit – und doch ist ihr nächstes Buch schon fertig. Es wird voraussichtlich im Herbst erscheinen. Wieder eine psychologische Geschichte, aber diesmal mit Thriller-Elementen. „Ich habe mir lange nicht zugetraut, so zu schreiben“, sagt Knäpper. Dabei trägt sie den Funken für die Geschichte schon in sich, seitdem ein Roman-Polanski-Film sie nachhaltig beeindruckt hat. Sie war damals Anfang 20.

Beginn in Roggenburg ist am Samstag um 14 Uhr. Zunächst stellt Sibylle Schleicher ihren Roman „Der Mann mit dem Saxofon“ vor, um 16 Uhr folgt ein Vortrag von „Gottesgedichten“, um 17.30 Uhr die Lesung von Silke Knäpper. Alle Veranstaltungen werden musikalisch begleitet. Kombi- und Einzelkarten gibt es an der Tageskasse.

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