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Handwerk II

13.05.2015

Bei Wasserschaden den Notarzt rufen?

Geballte Handwerkskompetenz: (von links) Michael Stoll, Bernhard Graf, Erwin Kastenmayer und Klaus Nitsche sowie die Berufsschul-Fachlehrer aus Krumbach Robert Häußler und Helmut Stetter.
Bild: mde

Lehrlingsmangel und Ausbildung beschäftigen die Sanitärinnung

Wenn es so weitergehe, dann müsse man künftig bei einem Wasserschaden den Notarzt rufen. So sarkastisch umschrieb Kreishandwerksmeister Michael Stoll die Lehrlings- und Ausbildungssituation auf der gemeinsamen Mitgliederversammlung der Innungen für Sanitär- und Heizungstechnik Günzburg-Krumbach und Neu-Ulm im Wirtschafts- und Bildungszentrum Weißenhorn.

Stoll, der auch Obermeister der Sanitärinnung Neu-Ulm ist, ging damit auf die Angaben des Statistischen Bundesamtes ein, dass sich heute nur noch jeder dritte Schulabgänger für eine Lehre im Handwerk entscheide. Das führe zwangsläufig zu zahlreichen offenen Ausbildungsstellen und letztlich zu einem drastischen Fachkräftemangel. Die Folgen seien bei den überlasteten Sanitär- und Heizungsbetrieben schon heute zu spüren. Diese könnten wegen der technischen Veränderungen und der neuen Vorschriften durch die Energieeinsparverordnung keine Neukunden mehr annehmen und müssten selbst ihren Stammkunden längere Wartezeiten zumuten. Ein Teil des Problems seien allerdings auch die Betriebe selbst, von denen einige jährlich ausbildeten, während andere nur fertige Gesellen einstellen wollten.

Die Ausbildung von Flüchtlingen, die in Pilotprojekten schon vielversprechende Ansätze zeige, war für Günzburgs Obermeister Bernhard Graf ein schwacher Lichtblick am Ende des Tunnels. Er benannte dabei das „Anschub-Pilotprojekt“ (wir berichteten), bei dem alle elf angefragten Pilotbetriebe ihr Interesse bekundeten, einen Praktikumsplatz zur Verfügung zu stellen. Ein Problem, das die Politik hier noch lösen müsse, sei die Vorschrift, dass nur ausländische Jugendliche und Asylbewerber bis zum Alter von 18 Jahren an einer solchen schulischen und betrieblichen Ausbildung teilnehmen dürften.

Ein weiteres Problem sei das Bleiberecht nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung. Die sei ohnehin mit genügend Hürden verbunden. Und wenn trotz Sprachbarriere alles gutgeht, droht den dann ausgebildeten Gesellen die Abschiebung, da bis heute kein gesetzliches geregeltes Bleiberecht bestehe. Die Ausbildung sei mit hohen Investitionen verbunden, eine spätere Abschiebung mache diese Investitionen unsinnig, unterstrich auch Ulrike Ufken, die Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Günzburg/Neu-Ulm.

Zur Diskussion um den Mindestlohn bemerkte Michael Stoll, dass nicht der Lohn, sondern die damit zusammenhängende Dokumentationspflicht das Problem darstelle. Die Kontrolle bei laufendem Betrieb stemple Handwerker zu Gesetzesübertretern ab, stelle sie unter Generalverdacht, mache sie unglaubwürdig und verlange von ihnen die Beweislast, selbst bei externen Arbeitsleistungen. Als Beispiel nannte Stoll die Lieferung von Waren durch Speditionen an einen Betrieb, bei welcher der belieferte Betrieb den Nachweis erbringen müsse, ob der Fahrer bei der Spedition den Mindestlohn erhalte. (mde)

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