1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Bei Wieland geht es ein bisschen zu wie bei der „Höhle der Löwen“

Ulm/Vöhringen

13.12.2018

Bei Wieland geht es ein bisschen zu wie bei der „Höhle der Löwen“

In großem Stil verarbeitet die Firma Wieland Kupfer.
Bild: Wieland

Plus Die Firma Wieland beteiligt sich an jungem Unternehmen für Recycling-Technologien aus Österreich und fördert eine Art Gründershow der Industrie- und Handelskammer.

Wertvoller Abfall: Elektroaltgeräte enthalten einen hohen Anteil an Gold, Silber und Platin. Trotzdem landen Tonnen davon jährlich im Müll. Das Start-up Urban-Gold hat ein innovatives Verfahren entwickelt, welches die Metallrückgewinnung aus elektronischem Schrott ermöglicht. Das machte die Firma für den Ulmer Kupfer-Riesen Wieland derart interessant, dass das Unternehmen eine Beteiligung an Urban Gold erwarb.

Mit einem speziellen Schmelzofen wird der Elektroschrott so aufgearbeitet, dass daraus Wert- und Edelmetalle gewonnen werden. Die gelangen dann als Recyclingmaterial wieder zurück in den Produktzyklus. So wird nicht nur ein Beitrag für den Umweltschutz geleistet, sondern auch die Rohstoffabhängigkeit von anderen Ländern reduziert. Ein Effekt, der sich positiv auf die heimische Wirtschaft auswirke, schließlich bleibt ein längeres Teil der Wertschöpfungskette somit in der Region. Gemeinsam mit Urban Gold will der Konzern jetzt nach eigenen Angaben Konzepte weiterentwickeln und ausbauen.

Am eigentlichen Produktionsprozess ändert sich für Wieland (noch) nichts. Angesichts eines jährlichen Absatzes von 500000 Tonnen an Metall, stecken derartige Wiederverwertungsmethoden noch in den Kinderschuhen. Vielmehr geht es um den Blick in die Zukunft. Für den Hersteller von Halbfabrikaten aus Kupfer steckt hinter des Aufkaufs des Fünf-Mann-Betriebs nämlich eine grundsätzliche Strategie, die Michael Demmer, Vizepräsident der „Wieland Ventures“ so auf den Punkt bringt: „Nicht alles selbst machen, verstehen, woran Start-ups heute arbeiten und einen Beitrag zu deren Förderung leisten.“ Wieland Ventures ist ein sehr junges Unternehmen der Wieland Gruppe, das ausdrücklich gegründet wurde, um mit Startups zusammenzuarbeiten, die wegweisende Produkte und Lösungen entwickeln, die an die Geschäftsfelder der Wieland Gruppe anknüpfen.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Ein Mosaiksteinchen dabei sei etwa die Unterstützung der Kooperationsveranstaltung „Start-up-Region Ulm“ der Industrie- und Handelskammer, die jüngst in der Wieland-Zentrale stattfand. Der Ablauf: Start-ups aus der Region bekommen die Chance, ihre Ideen vorzustellen und Kontakte mit ansässigen Unternehmen zu knüpfen.

ES ist fast wie bei der "Höhle der Löwen" auf Vox

Es ist fast wie bei der „Höhle der Löwen“, der Gründer-Show bei Vox: Drei Minuten Zeit hat jeder Gründer für die Vorstellung seiner Idee, dann wird er knallhart „von der Bühne geklatscht“. Eine bunte Mischung Start-ups aus den verschiedensten Branchen ist vertreten. Von Softwarelösungen für die Suche nach der passenden Produktionsstätte über Laufschuhe mit austauschbaren Sohlen ist alles dabei.

Aber auch die etablierten Unternehmen, die das geschafft haben, wovon die Jungunternehmer noch träumen, sind mit von der Partie. Markus Beck vom Daimler-Konzern stellt das Start-up „Autobahn“ vor. Mit der Universität Stuttgart und anderen Gründungspartnern wurde das Jungunternehmen ins Leben gerufen, um Start-ups unter anderem den Zugang zum berühmten Silicon Valley zu ermöglichen, dem Geburtsort von Firmen wie Google oder Apple.

Was für die anwesenden Gründer wohl interessant sein dürfte, ist die neue Frühphasenförderung „Pre-Seed“ des baden-württembergischen Wirtschaftsministeriums. In diesem Rahmen werden den Projektpartnern insgesamt 14 Millionen Euro für die Vorgründungsphase von Start-ups zur Verfügung gestellt. Das Innovationszentrum Ulm und Neu-Ulm ist einer dieser Partner.

„Wir haben Geld, ihr müsst euch unbedingt alle bewerben“, sagt Ulrike Hudelmaier, die Geschäftsführerin der TFU, dem Gründer- und Technologiezentrum der Region Ulm / Neu-Ulm. Sie habe den Vertrag erst diese Woche unterschrieben. Die Freude darüber ist ihr deutlich anzumerken. Land und Gründer teilen sich demnach die Finanzierung im Verhältnis 80 zu 20. Benötigt ein Start-up beispielsweise ein Kapital von 100000 Euro, zahlt das Land 80000 Euro und der Gründer 20000 Euro. Sollte das Unternehmen scheitern, müssen die 80 Prozent des Landes nicht zurückgezahlt werden. Damit gibt es kaum ein finanzielles Risiko.

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren