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Ulm

13.11.2019

Bei der Jungen Ulmer Bühne blüht die Liebe in der Stille

Paul (Ferdinand Reitenspiel, rechts) ist in Marie (Leonie Hassfeld) verliebt – doch im fehlen die Worte.
Foto: Markus Hummel

Mit „Die große Wörterfabrik“ spielt die JUB zum Jahresende ein wunderbar leises Stück mit einer wichtigen Botschaft. Die wollen bei der Premiere aber nicht alle hören.

Geld regiert die Welt. In „Die große Wörterfabrik“, dem neuen Stück der Jungen Ulmer Bühne (JUB), sind es Dollars, die eine sehr reiche Frau aus den Manteltaschen holt und durch die Luft wirft, sodass einige Scheine vor die Füße der jungen Theaterbesucher fallen. Sogar den Kragen des Mantels der Frau sowie die Schulteraufschläge machte Kostümbildnerin Sybille Gänßlen-Zeit aus Geldscheinen. Geld regiert die Welt. Aber alles kann man sich dafür eben doch nicht kaufen. Glück nicht, Liebe nicht.

Marek S. Bednarsky bringt für die JUB das Kinderbuch „Die große Wörterfabrik“ der belgischen Autorin Agnès de Lestrade auf die Bühne. Er verändert den Inhalt bühnengerecht – und zauberhaft poetisch: Da gibt es den jungen Gitarristen Paul (Ferdinand Reitenspies), der sich unsterblich in ein hübsches Mädchen verliebt hat, das Mundharmonika spielen kann (Leonie Hassfeld). Doch Paul und Marie leben in einem Land, in dem man Wörter erst kaufen und trinken muss, ehe man sie aussprechen kann.

Für den armen Paul bleiben statt Liebesschwüren nur Wörter wie "Kohlrabi"

Die (von Günther Brendel konstruierte) Maschine mit ihren Zahnrädern, Rohren und farbigen Flüssigkeiten produziert rund um die Uhr von dem Gebräu, das Wunderdinge versprechen lässt. Wer so viel Geld hat wie ein Oskar (Wolfgang Fuhr), kann sich tolle Liebeserklärungen kaufen. Wer leere Hosentaschen hat wie Paul, bleibt stumm; die aus dem Abfall gefischten Fläschchen enthalten zwar noch etwas vom Zaubersaft, der Wörter macht – doch mit „Hasenpipi“ oder „Kohlrabi“ kann man der Liebsten kaum eine gemeinsame Zukunft versprechen. Marie muss sich entscheiden: Geld oder Gefühle?

Leonie Hassfeld und Ferdinand Reitenspies schlüpfen für in dem mit viel Musik arbeitendem Stück „Die große Wörterfabrik“ blitzschnell in verschiedene Rollen – die der Mitarbeiter der gewinnbringenden Wörterfabrik, die einer Flaschensammlerin, die dem Musiker helfen will und doch auch nur Saft für Wörter wie „Kirsche“ liefern kann, und in die des verliebten Paares, in der sie am stärksten sind.

Die Kinder bei der Premiere stürzen sich auf die Dollarscheine

Etwas erschreckend sind bei der Premiere dagegen Reaktionen des jungen Theaterpublikums (das Stück ist für Kinder ab sechs Jahren konzipiert) auf das leise Werk, das fast märchenhaft erklärt, dass Geld im Leben nicht alles ist, wie verführerisch es aber eingesetzt werden kann: Die Dollarscheine einzusammeln scheint das Wichtigste für einige; aus den ersten Reihen, wo die Kinder ohne die Erwachsenen sitzen, werden den Schauspielern böse Worte an den Kopf geworden – solange bis JUB-Geschäftsführerin Angela Wingert sich zwischen die Störer setzt. Bei den kommenden Aufführungen soll sich das nicht wiederholen: Die Kinder sollen dann wieder bei ihren Eltern sitzen – und von der Bühne keine Geldscheine mehr fliegen.

Weitere Aufführungen am 13., 17., 21., 22. und 24. November. Genaue Daten, weitere Informationen und Vorverkauf unter jub-ulm.de.

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