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Ulm

26.04.2016

Bereit für Wahnsinn namens Literatur

„Bücher, die inhaltlich und optisch ein Fest sind“, wollen Rasmus Schöll und Florian L. Arnold (von links) in ihrem neu gegründeten Verlag Topalian & Milani herausbringen.
Bild: Alexander Kaya

Florian L. Arnold und Rasmus Schöll wollen in ihrem Verlag gute und schöne Bücher veröffentlichen. Die Autoren sind regionale Talente – und auch echte Klassiker.

Ulm Ein wenig zweifeln Florian L. Arnold und Rasmus Schöll an der eigenen Zurechnungsfähigkeit. „Eigentlich ist es wahnsinnig, wenn du einen Verlag aufmachst, ohne ein Vermögen im Hintergrund zu haben“, gibt Arnold zu. Doch die zwei fordern das Schicksal heraus: In diesen Tagen erscheint mit Tommi Brems „Appendix Dick, Vol. 1“ die erste Publikation bei Topalian & Milani, wie das Duo seinen Verlag getauft hat. Und etliche weitere Projekte sind schon in Vorbereitung.

Der Grund, warum sich der 39-jährige Elchinger Arnold, Schriftsteller, Grafikkünstler und Journalist, und der zehn Jahre jüngere Schöll, Buchhändler bei Jastram in Ulm, auf den Wahnsinn Verlagsgründung einlassen, ist einfach: die Liebe zum Buch. Diese beweisen sie derzeit auch mit der gemeinsam organisierten „Literaturwoche Donau“, bei der sich Autoren abseits des Mainstreams und Kleinverlage mit besonderem Anspruch präsentieren. So einer soll auch Topalian & Milani werden, wie Schöll erklärt. „Wir wollen einfach die schönstmöglichen Bücher machen.“ Sprich: schöne Einbände, schöne Illustrationen, schönes Papier und – natürlich – gute Texte.

Die Nummer eins aus dem Verlag ist gleich ein Kuriosum: Tommi Brems „Appendix Dick, Vol. 1“ ist ein 570 Seiten starkes Namensregister zum Gesamtwerk des Science-Fiction-Autors Philip K. Dick (1928-1982), ergänzt um begleitende Texte und Grafiken. Ein Buch eines Liebhabers für Gleichgesinnte – und Freunde des Besonderen. Es soll nicht das letzte Werk des Neu-Ulmer Multitalents Brem bei Topalian & Milani sein.

Anfang 2017 soll auch eine Sammlung von Kurzgeschichten erscheinen. Genau für Autoren wie Brem sei der Verlag gegründet worden, sagt Schöll, der schwärmt: „Bei seinen Geschichten mussten wir einfach zugreifen. Sie sind ein Schatz, den wir allen zugänglich machen wollen.“

Solche Schätze findet man nicht nur auf den Festplatten noch unbekannter Autoren, sondern auch in der Vergangenheit. Ein wichtiger Teil des Verlagsprogramms sollen Wiederveröffentlichungen sein – zunächst unter anderem ein Band mit zwei Novellen Stefan Zweigs: „Die unsichtbare Sammlung“ und „Buchmendel“. Dieser soll als Wendebuch erscheinen, die eine Geschichte illustriert von Arnold, die andere von Joachim Brandenberg, dessen Comic „Tobisch“ 2015 viel Aufmerksamkeit bekam. Der Zweig-Doppelband dürfte der vorläufig wichtigste Titel des jungen Verlags werden, das wissen die Gründer. Doch was die Geschäftsprognosen angeht, sind sie vorsichtig.

Die Auflagen werden sich bei allen Titeln zunächst im dreistelligen Bereich bewegen, eine „schwarze Null“ wäre finanziell schon ein Erfolg, sagen Arnold und Schöll. Doch sie wollen Geduld haben und neue Ideen ausprobieren. „Die Idee ist, für die Autoren zu kämpfen“, betont Schöll. Für einen wie Tommi Brem oder auch Arno Tauriinen.

Bei Letzterem handelt es sich um einen Wiener Arzt, der immer nur nachts arbeitet, um am Tag Zeit zum Schreiben zu haben und der sich wenig um Konventionen und Kontakte schert. Auf dem Veröffentlichungsplan stehen aber auch noch ein Bändchen mit Musiker-Cartoons von Florian Arnold und seinem Vater Siegfried oder ein Text des französischen Aufklärers Voltaire – mehr Kontrast geht kaum.

Arnold sieht darin kein Problem: „Der Antje Kunstmann Verlag hat bewiesen, dass du alles machen kannst – wenn du es gut machst.“ Dort erscheinen Satire-Bände ebenso wie große Romane, Krimis und sogar Lyrik.

Über ihr Verlagskonzept waren sich die beiden Gründer schnell einig. Mehr Kopfzerbrechen bereitete ihnen jedoch der Name. „Wir hatten zeitweise fünf Seiten mit Vorschlägen“, erinnert sich Schöll an die Findungsphase.

Doch warum der rätselhafte Name Topalian & Milani? Bei der Frage grinsen Schöll und Arnold. Denn tatsächlich ist auch das eine gute und schöne Geschichte. Es sind zwei mittlerweile ausgestorbene Nachnamen aus ihren jeweiligen Familien: Topalian hieß der aus Armenien stammende Großvater von Arnold, Milani die aus Italien nach Deutschland eingewanderte Großmutter von Schöll. Der Verlag bewahrt zwei Namen vor dem Vergessen – genau so, wie er es auch mit Schriftstellern machen will.

Verlegerfest: Topalian & Milani präsentiert sich heute Dienstag, 19.30 Uhr, zusammen mit den beiden anderen Ulmer Verlagen Danubebooks und Edition Dreiklein auch bei der „Literaturwoche Donau“. Bei dem Abend im Café d’Art sind auch die Autoren Tommi Brem, Martin Gehring, Marion Hartlieb und Marco Kerler zu Gast. Moderatorin ist Wiebke Richter, Live-Musik kommt von der Band Roadstring Army.

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