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Neu-Ulm

22.11.2016

Berühmter Kickboxer erschossen: Verbindung zu einem ähnlichen Fall?

Am Freitagabend wurde in Ludwigsfeld ein Mann erschossen.
Bild: Alexander Kaya

Nach der tödlichen Schießerei im Stadtteil Ludwigsfeld laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. Die Polizei prüft die Verbindung zu einem möglichen anderen Mord.

Einige Bewohner des Hochhauses in der Breslauer Straße 10 haben ein mulmiges Gefühl, wenn sie vor die Tür gehen. „Wenn es dunkel wird, gehe ich gar nicht mehr raus“, sagt eine Bewohnerin. Zu ungewiss sei ihr, wer da hinter der Ecke stehen könnte. Zwangsläufig passiert sie, wie auch alle anderen, die Stelle, an der am Freitagabend ein Mann erschossen worden ist. Bei diesem handelt es sich nach Informationen unserer Zeitung um eine Berühmtheit in der Kickbox-Szene: Der 37-jährige Musa Musalaev war mehrfacher Weltmeister.

Er nannte sich der „Prince of Tatarstan“ und schlug seine Gegner meist in der ersten Runde bewusstlos – manchmal nach fünf Sekunden, manchmal nach neun oder 30. Auf seiner Wikipedia-Seite werden seine Erfolge aufgelistet, bei Youtube sind seine brutalen Kämpfe zu sehen: Durch wenige Schläge und gezielte Griffe schaltete er im Ring oft seine Gegner aus. In Russland war Musalaev ein Promi. Auch politisch mischte er offenbar mit und war sportlicher Berater der Republik Tatarstan westlich des Uralgebirges.

Am Freitagabend hat ein bislang unbekannter Schütze dem Leben des Kickboxers ein Ende gesetzt. Noch sind die Hintergründe der Bluttat völlig unklar. Die Polizei ermittelt auf Hochtouren. Die Ermittler prüfen dabei auch Verbindungen zu einem ungeklärten Mordfall in Baden-Württemberg. In Bietigheim-Bissingen wurde vor sieben Monaten ein Mann getötet, der einst Kickbox-Weltmeister war.

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Viele Hinweise nach Schüssen in Neu-Ulm

Bei der Tat am Freitag in Neu-Ulm sind die Schüsse gegen 18 Uhr gefallen, wie Zeugen berichten. Musalaev sei am Hauseingang zu Boden gestürzt und ein maskierter Mann zunächst zu Fuß geflüchtet und dann auf der Beifahrerseite in ein dunkles Auto eingestiegen. Der mutmaßliche Schütze und der Fahrer des Wagens sind noch immer auf der Flucht.

Wie die Polizei auf Anfrage mitteilt, seien seit Freitag etliche Hinweise eingegangen, „die uns ein gutes Stück weitergebracht haben“, sagt Jürgen Schweizer, Chef der Neu-Ulmer Kriminalpolizei. Weil er und seine Kollegen weiter unter Hochdruck ermitteln, nennt er keine Details. Über Gerüchte, wonach das Todesopfer Kontakte zur russischen Mafia hatte, gibt die Polizei keine Auskunft.

Was die sportliche Karriere des 37-Jährigen angeht, halten sich die Ermittler bedeckt. Im Haus in der Breslauer Straße kannten einige Musalaev. „Er war nett“, sagt eine 70-jährige Bewohnerin aus dem 14. Stockwerk, die den Mann gelegentlich im Aufzug getroffen hat. Sie sei am Freitagabend nach Hause gekommen und habe Rettungswagen und Blaulicht vor dem Haus gesehen. „Nicht auszudenken, was gewesen wäre, wenn meine Enkelin und ich früher vom Einkaufen zurückgekommen wären“, sagt die Frau.

Der Schock sitzt tief

Eine andere Bewohnerin aus dem neunten Stockwerk hat die Schüsse gehört: „Mein Hund war ganz nervös und ich dachte nur: Wer böllert denn da im November?“, sagt die 50-Jährige, die um 17.45 Uhr das Haus betreten hat. Durch die lauten Knalle habe sogar ihre Schrankwand im Wohnzimmer vibriert. Auch bei ihr sitzt der Schock noch tief. Schließlich habe auch sie den 37-Jährigen immer mal wieder getroffen. Von seiner Kickbox-Karriere habe sie aber nichts gewusst.

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Mann in Neu-Ulm erschossen: Blumen und Kerzen erinnern an den Toten
Bild: Alexander Kaya

Die wird im untersten Teil des Hauses deutlich: Dort hat Musalaev seine vielen Siegespokale aufbewahrt. „Wir haben öfter mal geredet und gescherzt“, sagt ein 59-Jähriger, der sein Kellerabteil direkt neben dem des 37-Jährigen hat. „Er war ja offensichtlich ganz erfolgreich.“ Wie dem Wikipedia-Eintrag des Ex-Kickbox-Weltmeisters zu entnehmen ist, hat er seine Karriere 2012 an den Nagel gehängt. Seit 2013 lebte der gebürtige Russe in Deutschland.

Warum brach er in Russland seine Zelte ab? Was hatte er mit dem Täter zu tun? Gab es zuvor einen Streit? Oder wurde er vom Täter überrascht? Noch sind viele Fragen offen. Und die Polizei hält sich weiter bedeckt, bestätigt aber: Das Opfer habe mit einer Frau und drei Kindern in einer Wohnung des Hochhauses in der Breslauer Straße gewohnt.

Spurensicherer haben den Tatort entsprechend markiert.
Bild: Alexander Kaya

"Abends muss mein Mann jetzt immer mit dem Hund raus gehen"

Dort sind auch am Montag noch Mitarbeiter des Landeskriminalamts zu Gange, die noch einige Spuren sichern. Immer mit dem Tatort konfrontiert zu sein, erzeugt bei einigen Bewohner ein ungutes Gefühl: „Man öffnet die Tür, biegt ums Eck und dann sieht man da gleich die Markierungen am Boden“, sagt die 50-jährige Bewohnerin aus dem neunten Stock. „Abends muss mein Mann jetzt immer mit dem Hund raus gehen.“

Kontakt: Das Hinweistelefon der Polizei ist rund um die Uhr unter 0731/8013281 erreichbar.

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