Newsticker
RKI meldet 29.426 Neuinfektionen und 294 neue Todesfälle - Inzidenz liegt bei 160
  1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Besondere Büros und der Eingang zu einem neuen Viertel

Ulm

28.11.2020

Besondere Büros und der Eingang zu einem neuen Viertel

Am Safranberg entstehen derzeit die Bloom Offices, als Hauptmieter wird die Softwarefirma Transporeon einziehen.
Foto: Bloom Offices (Visualisierung)

Plus Die Ulmer Software-Firma Transporeon zieht als Mieter in einen modernen Neubau, den zwei Ex-Chefs errichten lassen. Besonders ist das Vorhaben nicht nur darum.

Sechs Etagen über der Erde, raumhohe Fenster, begrünte Fassaden: So soll der neue Firmensitz des Ulmer Unternehmens Transporeon aussehen. Doch das Gebäude, das laut Plan im Frühjahr 2022 fertiggestellt ist, soll viel mehr sein als ein Bürogebäude. Baubürgermeister Tim von Winning bezeichnet es gar als „neuen Stadteingang“. Eine Beschreibung, die sich die Bloom Offices mit den Sedelhöfen teilen.

Während das im Sommer eröffnete Einkaufsquartier nahe dem Hauptbahnhof den Eingang zur Innenstadt markiert, ist das neue Bürogebäude in der Ulmer Oststadt so etwas wie das Tor zu einem neuen Stadtteil. 450 Wohnungen entstehen auf dem Areal der Alten Chirurgie am Safranberg. 120 Eigentumswohnungen im mehr als 100 Jahre alten früheren Klinikgebäude selbst sind schon bezogen. Das neu entstehende Bürogebäude an der Ecke Heidenheimer Straße/Leimgrubenweg soll gleichzeitig zum neuen Viertel passen und für sich alleine stehen. Aus Sicht Tim von Winnings, der voll des Lobes für das Projekt ist, ist dieser Plan voll aufgegangen. Der Entwurf des Münchner Architekturbüros Allmann Sattler Wappner zeigt aus seiner Sicht höchste Qualität.

Vorne die Baustelle für die Bloom Offices, dahinter die vom Klinikgebäude zum Wohnhaus umgebaute Alte Chirurgie. In der Umgebung entstehen zudem 450 Wohnungen.

Oberbürgermeister Gunter Czisch teilt die Vorfreude mit dem Baubürgermeister und den Unternehmern. „Toller Standort, tolle Idee“, sagt Czisch. Dass eine international tätige und wachsende Ulmer Firma in Ulm bleiben wolle, sei gut für die Stadt. Dass sie sich einen Standort so nah im Zentrum gesucht habe, sei ebenso erfreulich. Die Stadtspitze verspricht sich eine neue, belebte Ecke Ulms: durch die Büros tagsüber, durch das Wohnviertel abends und am Wochenende.

Bauherren der Bloom Offices sind Marc-Oliver Simon und Martin Mack. Beide waren Gründer und Geschäftsführer des Software-Riesen Transporeon, der seit knapp zwei Jahren mehrheitlich dem Finanzinvestor Hg Capital gehört – die Londoner Gesellschaft ist nach Riverside und TPG Capital das bereits dritte Unternehmen, das mit dem Wachstum von Transporeon Geld verdienen will.

450 Wohnungen entstehen rund um die Alte Chirurgie in Ulm

Mit dem Einstieg von Hg hatten sich Simon und Mack aus dem operativen Geschäft zurückgezogen. Sie gehören nun dem Beirat an und halten weiter Anteile an Transporeon. Die vor 20 Jahren von vier Ulmer Studenten gegründete Softwarefirma hat Standorte in Europa, Asien und Nordamerika, sie ist auf die Logistikbranche spezialisiert. 1000 Beschäftigte arbeiten weltweit für Transporeon, zuletzt hat das Unternehmen im August eine niederländische Firma übernommen. Die derzeit 370 Mitarbeiter am Hauptsitz Ulm sind noch auf fünf Gebäuden rund um das Stadtregal in Söflingen verteilt untergebracht. Künftig sollen alle im Neubau nahe der Alten Chirurgie Platz finden – und Platz ist dort auch schon für weitere Angestellte eingeplant.

Bloom ist das englische Wort für blühen, der Name Bloom Offices soll ein Wohlfühlkonzept symbolisieren. Die Büros, so das Versprechen der Bauherren und von Transporeon, sollen eine neue Art des Arbeitens ermöglichen und Firmen wie Beschäftigte gewissermaßen aufblühen lassen. Geplant sind eine Gastronomie im Erdgeschoss sowie auf der Dachterrasse, auch ein Fitnessbereich soll dazukommen. Die Büros selbst sollen die Transporeon-Teams selbst gestalten dürfen, einschließlich der Wandfarben, Bilder und Büromöbel. „Da ist relativ viel möglich“, sagt Firmenchef Stephan Sieber. Feste Schreibtische werde es nicht geben, sondern Orte für bestimmte Arbeiten – zum Beispiel für konzentrierte Tätigkeiten alleine, kreative Prozesse oder gemeinsame Besprechungen.

Ulm: Neuer Firmensitz für Transporeon in der Oststadt

Zwei Drittel der Büroräume will Transporeon nutzen, das Unternehmen wird also Hauptmieter seiner Gründer Marc-Oliver Simon und Martin Mack. Verhandlungen mit anderen Mietern haben Simon zufolge noch nicht begonnen, erste Anfragen und Gespräche habe es aber schon gegeben. Dass die beiden als Bauherren fungieren wollen, sei schon vor dem Einstieg von Investor Hg klar gewesen, sagt Transporeon-Boss Sieber. Es sei immer klar gewesen, dass das Unternehmen selbst keine Immobilie bauen oder kaufen wolle – das sehe man nicht als Kernkompetenz von Transporeon.

In dieser Woche haben Martin Mack sowie Michael Stiegeler und Markus Steck vom Bau-Generalunternehmen Züblin den symbolischen Grundstein für das Gebäude gelegt, das auf 11300 Quadratmetern Mietfläche Arbeitsplätze für bis zu 750 Menschen bieten soll. Zusätzlich zu den sechs Etagen gibt es drei teils unterirdische Parkebenen. Bis zu 50 Prozent der 158 Stellplätze können den Bauherren zufolge mit Ladestationen für Elektroautos ausgerüstet werden, auch einen E-Bike-Verleih soll es geben.

Transporeon peilt Umsatz von 100 Millionen Euro an

Transporeon will am Fuß des Safranbergs weiterwachsen. Das neue Gebäude ist für Chef Stephan Sieber dabei nicht nur wegen des Platzes entscheidend: „Wir sind ein Unternehmen, das außer Menschen nichts hat.“ Den Menschen, also den Mitarbeitern, wolle man die bestmöglichen Bedingungen bieten. Die jetzigen Bauherren hatten schon 2014 noch als Mitglieder der Transporeon-Geschäftsführung mit der Suche nach einer Immobilie begonnen, die diese Bedingungen bietet. „Aber das gab es so nicht“, erinnert sich Marc-Oliver Simon. Also habe man entschieden, selbst zu bauen.

Finanziert werden die Bloom Offices über die Kreissparkasse Göppingen und die Sparkasse Ulm. Wie viel Geld Simon und Mack für das Bauprojekt investieren, verraten die beiden nicht. Auch Transporeon behält genaue Zahlen für sich. Stephan Sieber verrät nur, dass die Firma beim Umsatz in diesem Jahr die 100-Millionen-Euro-Marke anpeilt: „Wir arbeiten hart daran, dass wir dreistellig werden. Es sieht gut aus.“

Lesen Sie auch:

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren