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Ulmer Akademie

11.11.2016

Bewegte Schauspiel-Geschichte in Ulm

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4 Bilder
Die Akademie für darstellende Kunst ist im Fort Unterer Kuhberg untergebracht.
Bild: Alexander Kaya

Die Akademie für darstellende Kunst in Ulm wird 20 Jahre alt. Sie wurde einst wegen der Insolvenz einer anderen Einrichtung gegründet – und musste zuletzt selbst Probleme bewältigen

Die Studenten stehen vor einem der roten Backsteingebäude, unterhalten sich und lachen – ein ganz normales Bild. Das Besondere: Diese jungen Leute machen ihr Ausbildung nicht an einer Hochschule oder Universität, sondern an einer Schauspielschule. Sie besuchen die Akademie für darstellende Kunst (AdK) in Ulm. Vor ihnen haben dort schon viele Generationen gelernt: Dieses Jahr feiert die Akademie ihr 20-jähriges Bestehen.

Die Schulspielschule in ihrer heutigen Form gebe es nur, weil die ehemalige Schauspielschule „Spielstatt“ Insolvenz anmelden musste, erzählt Akademieleiter Ralf Rainer Reimann: „Der Anfang war also ein Ende.“ Er selber hat vor über 20 Jahren die Spielstatt Ulm verlassen und hat gemeinsam mit anderen Dozenten das Akademietheater gegründet. Als zwei Jahre später die Spielstatt zumachen musste, saßen die Schauspielschüler sozusagen auf der Straße: eine Katastrophe. „Da haben wir beschlossen, dass wir die laufende Ausbildung fertigmachen“, sagt Reimann. Mehr sollte es nicht sein – nur die Rettung der Ausbildung der damaligen Schüler. Doch dann kam alles anders.

Die Akademie wurde sofort ein staatlich anerkanntes Berufskolleg

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„Die Bewerbungen haben einfach nicht aufgehört, die Lehrpläne waren in mühsamer Arbeit erstellt worden und die Infrastruktur im Blauhaus war ausgebaut“, sagt Reimann. Was spricht also dagegen, auf Dauer eine Schauspielschule zu gründen? „Deswegen haben wir also weitergemacht“, erzählt Reimann. Die Akademie für darstellende Kunst wurde gegründet. „Der Name sollte zum Akademietheater passen – er kam mir unter der Dusche“, erzählt Reimann. Die AdK habe sofort die staatliche Anerkennung bekommen – das sei sehr selten. Das war vor 20 Jahren. Seitdem ist die AdK ein staatlich anerkanntes Berufskolleg für Theaterberufe.

Seit dem Jahr 2000 beherbergen die roten Backsteingebäude am Fort Unterer Kuhberg sowohl das Akademietheater als auch die Schauspielschule. Die Studenten haben beim Renovieren selber mit angepackt. Das zugehörige Akademietheater stand Ende 2013 kurz vor der Insolvenz. Hauptgrund waren die Sanierungskosten für das marode Theaterhaus. Diese Krise ist laut Reimann überwunden, Theater und AdK schreiben schwarze Zahlen.

Mit der Krise wurde auch die AdK ein wenig umstrukturiert. Statt 60 Schülern machen dort seitdem nur noch 32 ihre Ausbildung in einem der vier angebotenen Studiengänge: Schauspiel, Regie, Dramaturgie oder Theaterpädagogik. Es gebe aber auch weniger Bewerbungen als früher. „Der Beruf ist finanziell und sozial schon etwas unsicher“, sagt Reimann.

Die Schauspielschule nimmt als einzige in Deutschland Körperbehinderte auf

„Das Besondere an der Akademie ist, dass wir auch Leute aufnehmen, die mehrfach begabt sind und sich ihre Zukunft nicht zwingend am Theater vorstellen“, erzählt Reimann. Oder Studenten, die noch nicht wüssten, in welche Richtung sie ihre Ausbildung machen möchten. Diese dauert vier Jahre. Im ersten Jahr machen alle Studenten eine Grundausbildung im Schauspiel. Die anderen drei Jahre werden sie in einer der gewählten Fachrichtungen ausgebildet. Doch auch ein Jahr später darf noch gewechselt werden.

Das Besondere an der AdK ist, dass die Studenten in ihrer Ausbildung eigene Projekte realisieren dürfen – „sie dürfen alles ausprobieren, was sie wollen“, sagt Reimann. Ein soziales Projekt für die Studenten sei zudem das integrative Lernen. Die AdK ist laut Reimann die einzige Schauspielschule, die körperlich Behinderte und Migranten aufnimmt. Aktuell seien drei Syrer und ein Iraker da – eine sprachliche Herausforderung. Doch die Schule wolle Begabungen fördern, egal wie kompliziert die Umstände seien.

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