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Ulm

05.07.2013

Bewegungsspiele zwischen Traum und Wirklichkeit

Zwischen Liebe und Passion: das Kevin O’Day Ballett.
Bild: Roland Mayer

 „Ulm moves!“ startet mit ausverkaufter Gala im Ulmer Zelt

Ulm Einfach zuschauen und verinnerlichen: Dieser Herzenswunsch von Ulms Kulturbürgermeisterin Iris Mann fiel im ausverkauften Ulmer Zelt auf fruchtbaren Boden. Denn bei der Eröffnungsveranstaltung des Tanzfestivals „Ulm moves!“ konnten sich drei der renommiertesten Kompagnien Baden-Württembergs Hand in Hand in finalen Publikumsovationen sonnen. Mit zeitgenössischer Vielfalt enterte eine Kunstsparte die Bühne des alten Viermasters. Kontrastreiche Bewegungsbildern verliehen der am Samstag ausklingenden 27. Zelt-Saison die besondere Würze.

Martialische Rituale von Nanine Linning

Sphärischer Raumklang, die Lichtbatterie über dem Haupteingang wirft Schatten auf die Bühne. Zwei Hände zucken, beschwören einen Tumult herauf. Aus der Finsternis schält sich eine Amazone, die über Dämonen herrscht und die Liebe mit raffinierter Schlängel-Hexerei verbiegt. In schwarzen Gaze-Masken und hautengem Netzdress umkreist das Geschwader der Adlaten ein martialisches Szenario, wenn die zu Erdbebenstärke hochgedimmten Sounds plötzlich von spröden Pianointervallen abgefangen werden:

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Die Meisterin des Rollenspiels von Zucker und Peitsche lockt ihren Lover, springt ihm auf den Rücken, schlägt im auf den Kopf, streichelt und bezirzt ihn, benebelt ihm die Sinne, macht ihn zur willenlosen Figur und immer wieder leblosen Gestalt. Die Rituale dieser ausdruckstänzerischen Performance hat die 36-jährige Amsterdamer Choreografin Nanine Linning ausgeheckt, die mit ihrer Heidelberger Dance Company im martialischen Bewegungsdesign von Meisterin und Marionette, Traum und Wirklichkeit das qualmende Finish zum mythologischen Spuk verdreht.

Nach dieser vom Publikum eher verhalten aufgenommenen „Stimme“ kommt mit Mannheims Kevin O’Day Ballett in den quirligen „Chanson“-Episoden von Dominique Dumais schnell Leben in die Sitzreihen. 20.30 Uhr. Nach Linnings magischem Styling wirken jetzt moderne Humoresken mit folkloristischen Untertönen als szenische Muntermacher: der Streit um einen Stuhl, Geschnatter, Pirouetten, die Pas-de-Deux-Romanze eines schelmischen Hallelujas, aus dessen Lebensgefühl sie aussteigt, während er mit gesenktem Kopf die Hand nach ihr ausstreckt. Eine weitere Liebesballade pendelt zwischen Parodie und Passion. „Oh mon amour“, jetzt schmachtet sie, will ihn an seinen Haaren festhalten, doch, sie kann es nicht fassen, er haut ab. Dann diese zwei Tänzer, schlaksig und biegsam, eine moderne Alltagsgeschichte, die in einer Umarmung mündet.

Mit pantomimischer Virtuosität läuten die Impressionen aus dem Repertoire des international erfolgreichen Ensembles Gauthier Dance vom Stuttgarter Theaterhaus nach der Pause die Endrunde ein. Die wieselflinke, von Limericks getränkte Napoleon-Posse zweier weißgeschminkter Tanz-Mimen erntet Begeisterungsstürme. Flutscht Eric Gauthiers geschmeidiges Solo alsbald beseelt bis in die Fingerspitzen, halten mit einer clownesken Zweiernummer noch frische Zirkuslüftchen Einzug: Modernes Tanztheater in Ulm, das könnte Zukunft haben – wenn es, wie im Zelt, Publikum mobilisiert.

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