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Schadensbilanz

24.05.2012

Biber nagen sich durch die Friedrichsau

In der Friedrichsau stehen gut 1300 größere Bäume, manche von ihnen über 300 Jahre alt. Durch den Biber ist der Bestand allerdings empfindlich dezimiert worden. „Ein großes Problem“, räumte Baubürgermeister Alexander Wetzig kürzlich ein. Mit Drahtzäunen, Gittern und Matten sollen Bäume in der Au vor dem Biberverbiss geschützt werden.
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In der Friedrichsau stehen gut 1300 größere Bäume, manche von ihnen über 300 Jahre alt. Durch den Biber ist der Bestand allerdings empfindlich dezimiert worden. „Ein großes Problem“, räumte Baubürgermeister Alexander Wetzig kürzlich ein. Mit Drahtzäunen, Gittern und Matten sollen Bäume in der Au vor dem Biberverbiss geschützt werden.
Bild: Andreas Brücken

Über 140 Bäume in Ulms Stadtpark gefällt oder stark beschädigt

Ulm Vor 150 Jahren war der Biber in Deutschland ausgerottet. Seit den 1960er Jahren wurde er in Bayern an der Donau wieder angesiedelt. In Ulm tauchten die ersten Exemplare vor elf Jahren auf. Seitdem hinterlassen die großen Nager, die streng geschützt sind, unübersehbar ihre Spuren. Welche Schäden sie verursachen und was die Stadt dagegen tun kann, darüber berichtete die Verwaltung im Bau- und Umweltausschuss des Gemeinderats.

Ein Gutachten zum Biberbestand in Ulm, das die Stadt in Auftrag gegeben hat, geht von bis zu 16 Revieren im Stadtkreis aus, wobei in der Regel eine Familie – das heißt ein Elternpaar und bis zu vier Jungtiere – ein Revier bewohnt. Vor allem in der Friedrichsau machen die Biber der Untersuchung zufolge der Pflanzenwelt zu schaffen. 112 Bäume wurden in den vergangenen Jahren durch die Tiere gefällt oder mussten wegen Biberfraßes aus Sicherheitsgründen gefällt werden. 35 Bäume sind laut Verwaltung so stark geschädigt, dass sie mittelfristig nicht erhalten werden können. Gut zehn Prozent des Bestands an größeren Bäumen sind den Aktivitäten des Bibers bereits zum Opfer gefallen. Geschätzter Schaden: fast 200000 Euro. Durch die gefällten Bäume sind Uferbereiche zum Teil schon sichtlich ausgedünnt.

Auch vor Raritäten wie dem Eisenholzbaum oder der Sumpfzypresse macht der Biber nicht halt. Gleiches gilt für Stauden und Sträucher. Dazu kommen Schäden am Oberen Ausee an der Böschung zum Spielplatz und am Weg zum neuen Bärengehege – dieser drohte einzubrechen und musste deshalb vorübergehend gesperrt werden.

Durch den Bau von Dämmen durch Biber und dem Aufstauen von Gewässern können landwirtschaftliche Flächen überflutet werden, ebenso Geh- und Radwege, außerdem kann Grundwasser in Keller eindringen. Solche Schäden hat die Verwaltung beispielsweise in Unterweiler und Wiblingen registriert, aber auch im Industriegebiet Donautal.

Was tun? Zu Leibe rücken dürfen Mitarbeiter der Stadt den geschützten Tieren nicht. Fürs Aussiedeln der Biber wäre eine Ausnahmegenehmigung notwendig – doch selbst wenn diese erteilt würde, würde das frei werdende Revier nach Einschätzung von Experten wohl bald wieder besetzt werden. Bleibt also nur: Die Existenz des Bibers akzeptieren und die Schäden möglichst in Grenzen halten.

Schutz mit Draht und „Ablenkfutter“

Bisher wurden beispielsweise 300 Bäume in der Friedrichsau mit Drahthosen und Drahtzäunen gesichert. Diese Maßnahmen sollen künftig auch auf Bereiche, die weiter vom Ufer entfernt sind, ausgeweitet werden. Entlang der Straßenbahnlinie wurde ein 120 Meter langer, provisorischer Zaun errichtet. Der Baubetriebshof hat an mehreren Stellen sogenanntes „Ablenkfutter“ in Form von Schnittgut den Bibern zum Fraß vorgeworfen. Als Reinfall hat sich hingegen ein spezieller Anstrich an Baumstämmen gegen Biberverbiss erwiesen – er zeigte kaum Wirkung.

Regelmäßige Kontrollen, Entfernen von geschädigten Bäumen, neue Pflanzen setzen, Treibholz aus den Gewässern fischen – allein die geplanten Maßnahmen in der Friedrichsau belaufen sich auf insgesamt 89000 Euro. In Unterweiler könnten langfristig sogar 120000 Euro fällig werden – wenn die provisorischen Drainagen am Fischbach zum Schutz des angrenzenden Radwegs nicht ausreichen und der Bach stattdessen verlegt wird.

„Wo der Biber sich ansiedelt, herrscht Dynamik“, schreiben die Gutachter in ihrer Schlussbemerkung. „Diese Dynamik gilt es zu erkennen und gegebenenfalls in Bahnen zu lenken, in denen Mensch und Biber gut nebeneinander existieren können.“

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