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SerieNUZ

10.09.2014

Bio-Gemüse mit adeligen Wurzeln

Von Unkraut darf sich ein Bio-Landwirt wie René Schimming nicht aus der Bahn werfen lassen. Mittlerweile wissen den konsequent biologischen Anbau immer mehr Menschen zu schätzen. Das war aber nicht immer so.
Bild: Annika Gonnermann

Bei der Sommer-Reihe der

Wer nicht weiß, wo das Hofgut Neubronn liegt, wird es nur schwerlich ausmachen können. Geschützt von hohen Bäumen liegt das Gut zwischen Holzheim und Luippen direkt am Waldrand. Seit über 500 Jahren wird auf dem Gelände des Ulmer Patrizierschlösschens Landwirtschaft betrieben. Kaum ein Auto ist zu sehen, ab und zu kommt ein Radfahrer vorbei. „Ja, das ist schon etwas abseits hier“, stimmt Bio-Landwirt René Schimming zu und lacht. „Aber dafür führt direkt an meinen Feldern keine Straße vorbei.“

Dieses Detail ist für Schimming nicht unerheblich, denn der 46-Jährige legt bei seinem Gemüse höchste biologische Standards an. „Ich verzichte komplett auf synthetische Dünger und bei mir gibt es keine Spritzmittel, die nicht natürlich sind.“ Das zertifiziert ihm der Verein Bioland, der regelmäßig strenge Kontrollen durchführt, ob der Anbau von Gemüse auch mit seinen strengen Regeln vereinbar ist. So arbeitet Schimming beispielsweise mit sehr feinmaschigen Netzen, um Schädlinge oder auch Rehe und Hasen vom Salat und anderen Gemüsesorten fernzuhalten. „Das ist schon ein bisschen aufwendig, wenn man das Feld zum Harken immer aufdecken und danach wieder abdecken muss. Aber ich finde es so besser.“ Und als Bio-Landwirt dürfe man auch nicht gleich Panik bekommen, wenn das Unkraut mal überhandnehme.

Seit 1997 macht Schimming seine Arbeit schon so. Auf den Gedanken, sein Gemüse konventionell anzubauen, sei er noch nie gekommen. „Schon an der Uni war ich in einer Umwelt-Gruppe“, erklärt der studierte Diplom-Chemiker, der nach eigener Aussage „alles, bis auf Stangensellerie anbaut“.

Den Landwirt in sich entdeckte Schimming erst nach dem Studium – und der Zufall spielte dabei eine große Rolle. „Ich bin mit einer Freundin zwei Wochen auf einen Bauernhof ins Allgäu gefahren und das hat mir so gut gefallen, dass ich gleich eine Lehre drangehängt habe“, erinnert sich der gebürtige Dresdener. Zum Hofgut Neubronn brachte ihn schließlich seine damaligen, geografischen Wissenslücken. „Eigentlich wollte ich etwas, das näher am Allgäu liegt. Aber als ich mich hier beworben habe, kannte ich mich in der Gegend noch nicht so aus.“ Auch der Gemüseanbau war so nicht geplant. Ursprünglich wollten er und seine Freundin einen Milchviehbetrieb aufmachen. Dafür fehlte ihnen jedoch das nötige Geld und die Bank wollte ihnen keinen Kredit geben, sodass sie es als Übergangslösung mit dem kostengünstigeren Gemüseanbau versuchten.

Im Nachhinein ist Schimming froh, dass sich die Banken gegen seine Idee entschieden haben. Denn mit seinem Bio-Gemüse ist er mittlerweile im Landkreis sehr gefragt – nicht nur auf dem Neu-Ulmer Wochenmarkt. Auf seinen 20 Hektar wächst das Gemüse, das auch im Bio-Supermarkt „Erdapfel“ in Söflingen und in den beiden „Alnatura“-Filialen in Ulm verkauft wird. Auch da sei er „so reingerutscht. Wir haben einfach angerufen und gefragt, ob die unser Gemüse wollten.“ Sie wollten.

Dabei war gerade der Anfang als Bio-Landwirt in der Region Neu-Ulm alles andere als einfach. „Das war schon zäh“, erinnert sich Schimming. „Bio hat die Leute eher abgeschreckt, wir mussten sie über die Jahre erst von der Qualität überzeugen.“ Heute hat sich das geändert. Zu Schimmings Stand auf dem Neu-Ulmer Wochenmarkt neben dem Eingang zur Tiefgarage kommen mittwochs wie samstags viele Kunden, die bewusst Wert auf biologischen Anbau legen würden.

Eine Entwicklung falle ihm in letzter Zeit jedoch auf: Viele Mütter würden bei ihm für ihre Kinder Bio-Gemüse kaufen, für sich selbst aber auf konventionelles Gemüse zurückgreifen. „Wenn die Kinder dann aus der Allergie-Phase raus sind, steigen sie wieder um“, sagt Schimming.

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