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22.07.2010

Biogas-Pläne: Umweltschützer fürchten "ökologisch tote Mais-Wüste"

Biogas-Pläne: Umweltschützer fürchten "ökologisch tote Mais-Wüste"

Neu-Ulm Der Bund Naturschutz schlägt Alarm: Sollten die Pläne für zwei große Biogasanlagen in Neu-Ulm Wirklichkeit werden, dann drohe schweres Unheil für die heimische Tier- und Pflanzenwelt. "Aus unserer Sicht sind die Projekte abzulehnen", sagt Kreisgeschäftsführer Bernd Kurus-Nägele.

Wie berichtet plant ein Investor im Steinhäule eine Anlage mit einer Leistung von drei Megawatt, im Stadtteil Steinheim soll ein Kraftwerk mit einem Megawatt gebaut werden. Bisherige Anlagen im Landkreis leisten meist deutlich unter einem Megawatt. Für den Betrieb der geplanten Neubauten würden zusätzlich riesige Mengen an Mais benötigt, Maisfelder aber seien "ökologisch tote Fläche", warnt Naturschützer Kurus-Nägele. Beim Maisanbau würden viel Kunstdünger und chemische Pflanzenschutzmittel eingesetzt, "da lebt dann nichts mehr". Wenn Mais dann nicht mehr als Futterpflanze, sondern als reiner Energieträger gesehen werde, sei zu befürchten, "dass alle Hemmungen fallen, was den Einsatz von Chemie oder gentechnisch verändertem Saatgut betrifft". Zudem, fürchtet der Biologe, werde der explodierende Bedarf an Mais dazu führen, dass immer mehr Wiesen umbrochen würden. Wiesen, die laut Kurus-Nägele ökologisch wertvoll sind, Nahrung für Bienen und andere Insekten bieten, die wiederum Vögel und Fledermäuse anlocken. Wiesenbrüter wie die Feldlerche seien ohnehin stark gefährdet. Auch Störche fänden in der Region dann nicht mehr genügend Nahrung, glaubt der Umweltschützer.

Wenn statt Mais andere Pflanzen zu Biogas vergoren würden, sei dies ebenfalls problematisch: "Da sind Gewächse im Gespräch, die bei uns nicht heimisch sind, von denen keiner weiß, wie sie sich langfristig auf die Umwelt auswirken."

Andere Entwicklung

Das Geschäft mit dem Biogas, klagt Bernd Kurus-Nägele, habe sich gänzlich anders entwickelt als geplant. Vom ursprünglichen Gedanken, mit kleineren Anlagen, die höchstens ein Drittel Mais verwenden, ein Zubrot für die Landwirte zu schaffen, sei nichts mehr übrig. "Was da geplant ist, das bewegt sich in industriellen Größenordnungen, mit bäuerlicher Landwirtschaft hat das nichts mehr zu tun." Durch steigende Pachtpreise werde auch Druck auf Bauern entstehen, die mit ihren Flächen schonend umgingen. "Wir können nur hoffen, dass die Behörden sich die Pläne sehr genau ansehen", sagt Kurus-Nägele. Für die Natur, glaubt er, sei es am besten, wenn die beiden Kraftwerke nie gebaut würden. (bju)

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