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Neu-Ulm

29.01.2020

Bischof Bertram Meier erinnert sich dankbar an Neu-Ulm

Bertram Meier war zuletzt Diözesanadministrator der Diözese Augsburg, am 21. März soll er im Augsburger Dom zum Bischof geweiht worden.
Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Plus Bertram Meier denkt gern an Neu-Ulm – und andere denken an sein Wirken als Kaplan, Pfarrer und Dekan im Landkreis und an gemeinsame Studientage.

Mit einem viertelstündigen Läuten sämtlicher Glocken in den katholischen Kirchen des Bistums Augsburg ist am Mittwochmittag die bevorstehende Ernennung des bisherigen Diözesanadministrators Bertram Meier zum neuen Augsburger Bischof verkündet worden. Auch Neu-Ulms Glocken waren lautstark beteiligt. Soweit überschaubar, hat kaum jemand den Grund des außergewöhnlichen Vorgangs bedacht – bis auf den Kindergarten St. Johann unmittelbar neben der Pfarrkirche St. Johann Baptist am Johannesplatz.

Bertram Meier mit Kindergartenkindern bei der Wiedereröffnung der Stadtpfarrkirche St. Johann Baptist.
Bild: G. Ranft

Tatsächlich war der Kindergarten auf dem neuesten Stand, hatte die Nachricht unmittelbar aus dem benachbarten Pfarramt erhalten. Die Kinder verbindet schließlich ein besonderes Band mit dem künftigen Bischof Bertram. Hatten sie ihm doch zur Wiederöffnung der Kirche nach dreijähriger Sanierung und Renovierung vor anderthalb Wochen erst ihr Selbstbewusstsein vermittelt. Noch ehe der Diözesanadministrator seine Gemeinde im überfüllten Kirchensaal begrüßen konnte, schmetterten ihm die Kleinen ihre Sicht der Dinge vor den Altar: „Wir sind die Kleinen in der Gemeinde“, ging der Text mit dem bedeutungsschweren Refrain „Ohne uns geht gar nichts, ohne uns geht’s schief“. Bertram Meier, der nun Konrad Zdarsa als Bischof von Augsburg nachfolgt, zeigte sich beeindruckt vom gelungenen Auftritt, der ihn an seine Dienstjahre in Neu-Ulm erinnerte. Schon seinerzeit, bekannte Meier in seiner Begrüßung, habe ihn der damalige Stadtpfarrer Eberle auf den pastoralen Boden der Gemeindewirklichkeit zurückgeholt, „als ich, in Rom frisch promoviert, in Ihre Gemeinde kam“.

Bischof Bertram Meier wirkte lang in Neu-Ulm

Bertram Meier wurde am 20. Juli 1960 in Buchloe im schwäbischen Landkreis Ostallgäu geboren. Philosophie und Theologie studierte er zunächst an der Universität Augsburg und der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom. Am Päpstlichen Kolleg Germanicum wurde er 1985 zum Priester geweiht und drei Jahre darauf mit einer Arbeit über den Regensburger Bischof Johann Michael Sailer zum Doktor der Theologie promoviert. Anschließend wurde er Kaplan in Neu-Ulm, wenig später aber bereits für weitere Ausbildung an der Päpstlichen Kirchlichen Akademie und für den diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls in Rom freigestellt. Anfang der neunziger Jahre kehrte Meier ins Bistum zurück, wurde Kaplan in Neuburg an der Donau und bald darauf Stadtpfarrer, Dekan und Regionaldekan in Neu-Ulm. An diese Jahre erinnerte Bertram Meier in seiner Ansprache zur Öffnung der Pfarrkirche St. Johann Baptist mit einiger Wehmut. „Der Platz, an dem ich jetzt stehe, hat für mich eine besondere Bedeutung“, trug der Prediger vor. „An diesem Ambo bin ich Mitte der neunziger Jahre gestanden, um zu predigen und das Wort Gottes auszulegen. Es waren die ersten seelsorgerlichen Sporen, die ich mir als junger Priester hier in Neu-Ulm verdienen durfte. Dafür bin ich heute dankbar. So ist es für mich Freude und Ehre zugleich, mit Ihnen diesen festlichen Gottesdienst zu feiern.“ In seiner Predigt stellte Diözesanadministrator Bertram Meier die Biografien Johannes des Täufers und Jesu Christi in ihren Parallelen gegenüber.

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Bertram Meier war Stadtpfarrer in Neu-Ulm – unser Bild stammt aus dieser Zeit.
Bild: G. Ranft

Das mittägliche Läuten hat tatsächlich kaum Aufmerksamkeit gefunden. Manch einer hielt es für das übliche Mittagsläuten. Ein halbes Dutzend von der Neu-Ulmer Zeitung befragte Passanten in Kirchennähe sahen keinerlei Verbindung zu einem besonderen kirchlichen Ereignis. Tatsächlich steht die eigentliche Amtshandlung, den derzeitigen Diözesanadministrator zum Bischof zu weihen, ja auch noch bevor. Amm Mittwoch wurde in Augsburg lediglich der Name bekanntgemacht. Zum Bischof geweiht wird Bertram Meier am 21. März im Augsburger Dom.

Die Pfarrer von Vöhringen und Buch erinnern sich an ihre gemeinsame Zeit mit Bertram Meier

Die Nachricht, dass das Bistum Augsburg nach rund fünf Monaten „bischofsloser“ Zeit das wieder eine offizielle Leitung bekommt, kam für den Illertisser Pfarrer Andreas Specker recht spontan. Er habe es erst am Mittwochmorgen erfahren, dass die Nachricht an diesem Tag verkündet werde, sagte Specker. Im abendlichen Gottesdienst wurde die Amtseinführung des Augsburger Bischofs in der Gemeinde gefeiert. Am Sonntag werde sie ebenfalls Thema in der Messe sein. In der Pfarreiengemeinschaft Vöhringen wurde die Nachricht laut Pfarrer Martin Straub „mit großer Freude“ vernommen. Für ihn ist Bertram Meier kein Unbekannter. Straub kennt den Bischof aus dessen Zeit als Stadtpfarrer in Neu-Ulm und findet gut, dass der Zdarsa-Nachfolger das Bistum bereits kennt. Der Vöhringer Geistliche sieht es als wichtige Aufgabe Meiers an, „den Glauben zu verkünden und die Kirche wieder missionarisch zu orientieren.“

Für Pfarrer Johann Wölfle aus Buch war die gestrige Nachricht eine große Überraschung, wie er mehrfach betont. Warum? „Bertram Meier wurde viel zu häufig genannt“, findet Wölfle. Er habe deswegen eher auf Weihbischof Wörner spekuliert, der sich sehr zurückhaltend verhielt. Gewünscht hätte sich Wölfle Hermann Josef Kugler, den Abt der Prämonstratenser-Klöster Windberg und Roggenburg. Kugler sei „neutral, unverbraucht und nicht einer Richtung zuzuordnen“. Aber auch mit der Wahl Bertram Meiers ist der Bucher Pfarrer zufrieden. Er kennt ihn sogar noch aus der gemeinsamen Studienzeit in Augsburg und hat ihn als „lustigen Mann“ in Erinnerung. „Das soll er bewahren“, wünscht Johann Wölfle.

„Ich bin froh und dankbar, dass unser neuer Bischof nicht konservativ ist“, sagt der Bucher Pfarrer und beschreibt Bertram Meiers Ausrichtung als „mitte-modern“. Dadurch hofft Wölfle auf neuen Wind und erwartet die eine oder andere Veränderung. „Bischof Meier soll viele in der Diözese wieder zusammenführen und Einheit stiften“, formuliert der Bucher Pfarrer sein zentrales Anliegen. Dafür wünsche er ihm eine glückliche Hand, Gelassenheit, Humor – „und natürlich Gottvertrauen.“

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