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Neu-Ulm

03.02.2015

Blutiger Schwörmontag: Räuber müssen ins Gefängnis

Erst halfen sie einem Rentner in Neu-Ulm aus der Patsche, dann raubten sie ihn brutal aus. Jetzt sind zwei Drogensüchtige zu mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt worden.
Bild: Frank Rumpenhorst (dpa)

Erst halfen sie einem Rentner in Neu-Ulm aus der Patsche, dann raubten sie ihn brutal aus. Jetzt sind zwei Drogensüchtige zu mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt worden.

Es war ein seltenes Schlusswort, das gestern vor der Ersten Großen Strafkammer des Landgerichtes Memmingen zu hören war. „Ich bin froh, dass ich eingesperrt worden bin“, erklärte ein 34-jähriger Mann aus Neu-Ulm, der wegen Raubes und gefährlicher Körperverletzung gemeinsam mit einem ein Jahr älteren Kumpel angeklagt war und nun verurteilt wurde. Gemeinsam hatten sie im vergangenen Juli einem Rentner in Neu-Ulm-Ludwigsfeld zuerst aus einer hilflosen Lage geholfen, ihn dann aber wenige Tage danach brutal überfallen und zusammengeschlagen (wir berichteten). Nun wurden die „Schwörmontagsräuber“ zu acht beziehungsweise fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt und müssen dazu jeweils eine zweijährige Drogentherapie in einer geschlossenen Einrichtung absolvieren.

Täter waren drogensüchtig

Drogensucht hatte beide zu der Tat gebracht, das war schon am ersten Prozesstag deutlich geworden. Am gestrigen zweiten Verhandlungstag stellte sich nun aber auch heraus, dass die Behauptung der beiden, sie hätten wegen Drogen- und Alkoholkonsums keine Erinnerung mehr an die Tat, schlichtweg gelogen war, wie Vorsitzende Richterin Brigitte Grenzstein in der Urteilsbegründung bestätigte. Das hatten drei medizinische Sachverständige – der Gerichtsarzt, ein Chemiker und ein Psychiater – am Morgen eindeutig dargelegt.

Die Behauptung des Haupttäters, er habe vor der Tat „30 Diazepam“-Tabletten und eine Menge weiterer Drogen eingenommen, ist laut Diplomchemiker Dr. Andreas Alt von der Uni Ulm aus fachlicher Sicht unhaltbar. Beide Täter, so Prof. Dr. Nenad Vasic, stellvertretender Direktor der Forensischen Psychiatrie am Bezirkskrankenhaus Günzburg, seien weder in ihrer Steuerungs- noch in ihrer Schuldfähigkeit beeinträchtigt gewesen.

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Die Tritte gegen den Kopf des wehrlosen Rentners, so Landgerichtsarzt Dr. Horst Bock, seien lebensgefährlich gewesen. „Da muss man schon sehr kräftig treten“, beschrieb er die Tritte, die sogar zu einer Schädeldeckenfraktur und einem Bruch der Augenhöhle geführt hatten. Nur durch Zufall habe der 67-Jährige diese Verletzungen überlebt, die auch zu schweren Gehirnblutungen hätten führen können. Das Opfer ist seither sowohl psychisch als auch physisch stark geschädigt. Der Mann traut sich kaum noch aus dem Haus; der zuvor sportlich Aktive geht nun am Stock und klagt über den Verlust seines Geruchs- und Geschmackssinns.

Bitte um zweite Chance

Der jüngere der beiden Täter, der sich nach Überzeugung des Gerichts von seinem „Knastkumpel“ hatte hinreißen lassen, legte glaubhafte Einsicht an den Tag: Wenn man ihn nicht unmittelbar nach der Tat festgenommen hätte, wäre er vermutlich bald „an einer Überdosis gestorben“. Er bat deshalb um die Chance zur Therapie und hätte sich auch bei dem 67-Jährigen entschuldigen wollen, was dieser aber verweigert habe.

Der ältere Haupttäter dagegen, der großenteils wegen schwerer Gewaltdelikte bereits zwölf seiner bisher 35 Lebensjahre im Gefängnis verbracht hatte, zeigte sich unbeeindruckt. Mit lachenden Zwischenbemerkungen beim Plädoyer von Nebenklagevertreter Wolfgang Fischer brachte er das klar zum Ausdruck.

Die Verteidiger Thomas Borchert und Wolfgang Nübling plädierten jeweils auf fünf Jahre einschließlich einer zweijährigen Drogentherapie, die Staatsanwältin forderte neun beziehungsweise sechs Jahre und elf Monate Haft.

Der Haupttäter geht nun zunächst zwei Jahre in Strafhaft, macht dann eine zweijährige Entzugstherapie und, falls diese erfolglos ist, sitzt er den Rest seiner achtjährigen Strafe, also noch sechs Jahre, bis zum letzten Tag ab. Damit, so Richterin Grenzstein, sei die Gesellschaft nun lange Zeit vor ihm geschützt, und wenn er nach der Entlassung wieder straffällig werden sollte, gehe er unweigerlich in Sicherungsverwahrung.

Der zweite Angeklagte hat dagegen durchaus Chancen, in ein geordnetes Leben zurückzufinden. Er wird nach wenigen Monaten Haft ebenfalls eine zweijährige Therapie in einer geschlossenen Einrichtung absolvieren und kann bei deren Erfolg damit rechnen, den Strafrest zumindest teilweise auf Bewährung ausgesetzt zu bekommen.

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