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Ulm

26.03.2019

Bodycams sollen Polizisten schützen

Wegen der wachsenden Gewalt gegen Polizisten wird Ulm ab Mai Videokameras („Bodycams“) an den Uniformen einsetzen. Unser Foto zeigt Polizisten mit Bodycam aus Rheinland-Pfalz.
Bild: Fredrik von Erichsen/dpa

„Kräftemessen“ wird zum Problem: Fast jeder zweite Beamte im Streifendienst musste bereits Angriffe erleiden. Ansonsten ist die Region so sicher wie schon lange nicht mehr.

Die Kriminalstatistik für den Bereich des Polizeipräsidiums Ulm verzeichnet zum dritten Mal in Folge einen Rückgang der Straftaten. Mit lediglich 4027 Delikten pro 100000 Einwohner liegt die Region auf dem tiefsten Stand der vergangenen zehn Jahre, wie Polizeipräsident Christian Nill am Montag ausführte. Eine Aufgabe der Polizei im laufenden Jahres sei es, diese statistisch nachweisbare niedrige Kriminalitätsbelastung mit einem verbreiteten „Bauchgefühl“, dass alles schlechter werde, in Einklang zu bringen. Nill: „Wir werden noch mehr Präsenz zeigen.“

Weniger Straftaten

Mit 36515 registrierten Straftaten ist die Kriminalitätslage im Polizeipräsidium Ulm nahezu identisch mit dem Vorjahr. Allerdings gibt es durchaus Punkte in der Statistik, die Nill Sorgenfalten auf die Stirn treiben. Gewalt gegen Polizeibeamte habe zugenommen: Bei 291 Fällen im vergangenen Jahr (2017:230) habe über den Daumen knapp jeder zweite im Streifendienst beschäftigte Beamte Gewalt erlebt. Gewalt als Konfliktlösungsstrategie habe in bestimmt Kreisen eine sehr hohe Akzeptanz. Und fast immer seien Alkohol und Drogen im Spiel. Nill berichtet von Auschreitungen vor Diskotheken, bei denen große Gruppen von Aggressoren es bewusst auf ein Kräftemessen mit der Polizei anlegen würden. Eine Entspannung der Thematik erhofft sich Nill von Kameras an der Uniform der Beamtem („Bodycams“), ohne die ab Mai kaum ein Ulmer Polizist mehr auf Streife gehen werde.

Generell ist aber laut den Zahlen des Polizeipräsidiums die Zahl der Gewalttaten erstmals seit 2015 wieder rückläufig. Ihre Zahl sank von 1320 auf jetzt 1248 Fälle. Eine schlüssige Erklärung, warum die Gewaltkriminalität im Bereich der Polizeiinspektion Neu-Ulm anstieg, während sie in Ulm sank, hat der Leiter der Ulmer Staatsanwaltschaft, Wolfgang Zieher, nicht.

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Häusliche Gewalt nimmt zu und Vergewaltigungen auch

Innerhalb dieser Deliktgruppe stieg allerdings auch rund um Ulm die Zahl der Fälle häuslicher Gewalt stark an: Um plus 142 Fälle auf 712 im Jahr 2018. Dabei handele es sich hauptsächlich um Körperverletzungen und Bedrohungen. Eine Zunahme gegenüber dem Vorjahr verzeichnen die Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung, deren Zahl um 81 auf jetzt 531 Fälle anstieg. Allein im Stadtkreis Ulm stiegen Vergewaltigungen und andere in diese Kategorie fallenden Straftaten von 100 auf 129. Nill spricht klare Worte: „Asylbewerber spielen hier eine große Rolle“, so Nill. Die meisten der Taten würden sich innerhalb der Wohnheime abspielen. In Fällen von Vergewaltigung, sexueller Nötigung und schwerer sexueller Übergriffe seien fast die Hälfte der Tatverdächtigen (47 Prozent) Nichtdeutsche.

Weniger Einbrüche

Erfolge konnte das Ulmer Polizeipräsidium beim Thema Einbruch verbuchen. Die Zahl der Einbrüche in Wohnungen sank um mehr als ein Viertel auf jetzt 429 Fälle (-169 Fälle). Der Rückgang sei in allen Landkreisen zu beobachten. Der Leiter der Ulmer Staatsanwaltschaft, Wolfgang Zieher, betonte, dass die Täter meistens osteuropäische Banden seien, die jedoch einen in der Region wohnhaften Landsmann als Informant nutzen. Doch Nill berichtet auch von einem in Söflingen wohnhaften Deutschen, der für 100 Einbrüche in der gesamten Region verantwortlich sein soll.

Bei Anruf Betrug

Deutlich angestiegen sind auch die Fälle von betrügerischen Anrufen. Nachdem „Enkeltrick“ in den vergangenen Jahren sei derzeit unter Gangstern der „falsche Polizeibeamte“ die Masche nach Wahl. Die Zahl der Fälle stieg eklatant von 193 im Jahr 2017 auf jetzt 505 Taten, also um das eineinhalbfache an. Zwar scheiterten die Betrüger in der überwiegenden Zahl der Fälle (96 Prozent). In den 19 Fällen, in denen sie erfolgreich waren, ergaunerten die Unbekannten aber knapp 400000 Euro. Nill: „Diese Betrüger bringen ihre Opfer, meist Senioren, um ihre Lebensleistung.“ Weil die Täter aus dem Ausland und sehr vorsichtig agierten sei die Aufklärung der Fälle nur sehr schwer möglich: Nur sieben Fälle klärte die Polizei im vergangenen Jahr auf. Dennoch zeige die hohe Zahl der Versuche, dass die Bürger in der Region sensibilisiert sind.

Mehr Drogen-Vergehen

Die Zahl der Drogendelikte stieg rund um Ulm stark an: Um fast ein Viertel auf jetzt 2683 Fälle. In der Stadt Ulm von 503 auf 668. Nill macht für diesen Anstieg einen gestiegenen Fahndungsdruck verantwortlich. Nicht zuletzt in der Ulmer Bahnhofstraße, wo es wie berichtet Klagen über eine offene Drogenszene gab, habe die Polizei deutlich mehr Kontrollen durchgeführt.

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