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Ulm/Neu-Ulm/Senden

19.12.2019

Boom des Onlinehandels wird sichtbar: Die Leerstände häufen sich

In allerbester Lage an der Ecke Hirschstraße/Münsterplatz steht der Ex-Gerry-Weber leer. Hier dürften sich nach Expertenmeinung genug Interessenten finden. Problematischer sind die schlechteren Lagen.
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In allerbester Lage an der Ecke Hirschstraße/Münsterplatz steht der Ex-Gerry-Weber leer. Hier dürften sich nach Expertenmeinung genug Interessenten finden. Problematischer sind die schlechteren Lagen.

Plus Die Gründe für unbenutzte Immobilien rund um Ulm wie den Ex-Abt oder kleine Boutiquen sind völlig unterschiedlich. Doch einen Hintergrund haben alle: Umbruch.

Zwei Leerstände fallen derzeit beim Bummel rund um den Münsterplatz ins Auge: Das Eckhaus am Übergang zur Hirschstraße sowie der Ex-Abt. Beides 1-A-Lage, an Interessenten dürfte es hier nicht mangeln. Für satte 10.000 Euro Miete pro Monat werden die 238 Quadratmeter im Internet angeboten. Dennoch ist sich Josef Röll, der Einzelhandelsexperte der Ulmer Industrie- und Handelskammer (IHK) sicher, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis sich die ehemalige Fläche des in Schwierigkeiten geratenen Modekonzerns Gerry Weber mit Leben füllt. „Keine Neugründungen erwünscht“ teilt der Vermieter des Ladengeschäfts mit der 15-Meter-Schaufensterfront mit. Da heißt: Die Inhaber wissen sehr wohl, dass ein Standort mit 10.000 Euro Miete pro Monat nur mit einem etablierten Konzept eines etablierten Filialisten zu stemmen ist.

Der zweite große Leerstand in Ulm, das Gebäude an der Ecke Münsterplatz/Platzgasse, ist ebenfalls nicht durch mangelndes Interesse entstanden: Das Gebäude ist Teil des großen Immobilienbestands des Konzerns um den Ulmer Drogerieunternehmers Erwin Müller. „Kein Kommentar“ heißt es auf Nachfrage zur Zukunft des Gebäudes. Wie berichtet, wurden Abriss und Neubau bereits grundsätzlich mit der Stadtverwaltung durchgesprochen. Aufgrund der städtebaulichen „sensiblen Ecke“ hatte die Ulmer Bauverwaltung Müller empfohlen, Entwürfe mehrerer Architekten einzuholen. Doch auch eine Kernsanierung ist offenbar nicht vom Tisch.

So oder so, eine derart große Fläche in allerbester Lage in einer prosperierenden Stadt wie Ulm ist gefragt. Unter Druck stehen die kleinen, inhabergeführten Läden. Röll spricht von einer grassierenden „Perspektivlosigkeit“ der kleinen Händler. Die eigenen Kinder hätten sich oft anders orientiert, sodass mir Erreichen des Rentenalters die Läden schlichtweg dicht gemacht werden. Und Neugründungen im stationären Einzelhandel gebe es so gut wie nicht mehr.

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Leerstände wie offene Wunden

Wie offene Wunden ziehen sich die Leerstände durch die B-Lagen der ganzen Stadt: In der Breiten Gasse gab „Schuhraum 5“ auf, in der Platzgasse der Kinderschuhladen „Bambini“, in der Hafengasse „Sons and Daugthers“ sowie „Steiff“. Die Liste lässt sich weiter führen: Leerstände gibt es auch in der Pfauengasse, Wengengasse, Kramgasse und der Frauenstraße. Dass sich deutsche Modehandel in einer der größten Umbrüche seit Jahrzehnten befindet ist nicht nur in Ulm zu beobachten. Und das betrifft nicht nur inhabergeführte Geschäfte, auch große und kleine Ketten dünnen ihr Filialnetz aus: Wie berichtet, schließt in der Neu-Ulmer Glacis-Galerie S.Oliver und in Senden Modehaus Joos

Leer ist die Ulmer Innenstadt dennoch nicht: Laut einer Untersuchungen vom Handelsverband Deutschland (HDE) kaufen die Deutschen noch immer etwa neun von zehn Produkten in stationären Geschäften. Handelsexperten wie Ex-Abt-Chef Herrmann Hutter, der auch Vizepräsident des HDE ist, sehen die Zukunft In einer Verbindung von Online- und Offline-Geschäft. Das aktuelle Ladensortiment könne etwa online einsehbar sein und so den Kunden unnötige Wege ersparen.

„Click&Collect“ – also Online aussuchen, im Laden abholen, gibt es ohnehin schon in vielen Geschäften. Der Aufwand von „Multi-Channeling“, wie sich sich das auf Händler-Deutsch nennt, gilt aber als beträchtlich. Der kleine inhabergeführte Laden könne sich die Digitalisierung kaum leisten. Viele große Ketten hingegen schon.

In Ex-Ratter kommen Brautkleider

Ganz analog hat die Ulmer Innenstadt einen prominenten Leerstand weniger: In der Neuen Straße im ehemaligen Schuhhaus Ratter kehrt Anfang Januar wieder Leben ein. Nachdem Aus Ende 2017 für das Fachgeschäft von Daniel Unger, dem Triathlon-Weltmeister und mehrfachen Deutsche Meister, hat die Inhaberfamilie Ratter wieder einen Nachmieter: Hafiz und Nilay Zor eröffnen hier ein Geschäft für Brautmoden und Abendkleidung. „Die Lage ist hier viel besser“, sagt Hafiz Zor, der bisher in der Neuen Straße 8 alles für glamouröse Hochzeit oder Abschlussbälle anbietet. Zor setzt auf Beratung im Kampf gegen den Onlinehandel. Aber zwei von zehn Kunden, so schätzt, Zor, würden bei ihm die Waren anprobieren und dann im Internet bestellen.

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