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13.06.2009

Brandopfer klagt an: "Ich bin der Leidtragende"

Neu-Ulm. Versicherungen sind so lang gut, solange sie man nicht braucht. Sagt der Volksmund. Wenn's ans Zahlen geht, sind die Assekuranzen meist nicht so offensiv wie zum Beispiel dann, wenn es um Neuabschlüsse geht. Diese leidvolle Erfahrung hat Gerhard Delsor gemacht, der als Opfer des Brandes in dem Mehrfamilienhaus an der Ecke Kasern-/Maximilianstraße seit mehr als einem Jahr seinem Geld hinterher rennt. Nun hat ihm eine in Württemberg ansässige Versicherung mitgeteilt, dass er wohl keinen Cent sehen wird und auf seinem Schaden von annähernd 27 000 Euro sitzen bleiben wird.

In der Nacht zum 6. Mai im vergangenen Jahr hatte nach Überzeugung der Kriminalpolizei ein Unbekannter in dem Eckgebäude in der Neu-Ulmer Innenstadt Feuer gelegt. Dies war damals der Beginn einer unheimlichen Serie von Bränden in Ulm und Neu-Ulm.

Das Feuer hatte auch auf den Dachstuhl des benachbarten Gebäudes in der Maximilianstraße übergegriffen, weshalb die Feuerwehr dort auch mit nicht unerheblichen Wassermengen die Flammen bekämpfen musste. Unmengen von Wasser tropften anschließend durch die Decke und genau in die Wohnung von Gerhard Delsor, der im dritten Stick wohnt. In der Folge saugten sich Tapeten voll und fielen von der Wand. Der erst vor einem halben Jahr verlegte Laminatboden saugte sich ebenfalls voll, quoll auf und wurde damit unbrauchbar. Auch am Mobiliar sind bleibende Schäden entstanden. Ein von Gerhard Delsor eingeschalteter Gutachter schätzte den Schaden damals auf annähernd 27 000 Euro.

Der Feuerwehr will und kann Delsor keinen Vorwurf machen. "Die mussten schließlich löschen, sonst wäre das ganze Viertel abgebrannt". Seinen Schaden müsse ja wohl die Brandversicherung übernehmen vom Besitzer des Hauses, in dem das Feuer ausgebrochen ist. Denkste!

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Dessen Versicherung weigert sich beharrlich, auch nur einen Cent locker zu machen. Nach einem monatelangen Briefwechsel hat Delsor am Montag ein Schreiben bekommen, in dem die Assekuranz ihre Haltung untermauert. Weil Brandstiftung durch Dritte nicht ausgeschlossen werden könne, "können wir in die Regulierung des Schadens nicht eintreten", steht in dem Brief geschrieben. "Das ist doch eine Sauerei", wettert Delsor angesichts der Tatsache, dass er möglicherweise auf den Kosten zur Behebung des Schadens sitzen bleibt und keinen Cent sieht. "Ich kann doch nichts für den Schaden und bin nun der Leidtragende" klagt er.

Die Mieter in dem Haus, in dem das Feuer gelegt worden ist und der Besitzer des Gebäudes dagegen hätten Unterstützung "von allen möglichen Seiten bekommen - ich habe keinen Cent gesehen".

Das will Delsor nicht in den Kopf. Auch er ist als Halbtags-Beschäftigter bei der Stadt Neu-Ulm knapp bei Kasse und konnte aus diesem Grund bisher nur das Allernotwendigste in seiner Wohnung reparieren. Am Mobilar sind noch überall die Spuren des Wasserschadens zu sehen.

Er hat längst einen Rechtsanwalt eingeschaltet. Der soll bei der Versicherung Geld locker machen. Auch das ist ein Wagnis. Bekommt Delosor, der als Hausmeister im Nuißl-Heim arbeitet, vor Gericht nicht recht, beleibt er auch auf den Gerichts- und Anwaltskosten sitzen. Er ist dennoch zur Klage entschlossen, weil er das Recht auf seiner Seite sieht. Delsor: "Ich kann doch nicht der Dumme an einer Sache sein, für die ich gar nichts kann".

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