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Ulm/Schelklingen

08.04.2019

Brandstifter haben Tod dreier Menschen in Kauf genommen

Die Feuerwehr bewahrte in Schelklingen vor Schlimmerem.

Damals 16 und 17 Jahre alte Angeklagte sollen aus Frust ein Mehrfamilienhaus in Schelklingen angezündet haben. Dort wohnten die Jugendlichen angeblich in einem Heim.

Weil sie bei einem nächtlichen Einbruch in ein Mehrfamilienhaus in Schelklingen nicht die erhoffte Beute gefunden haben, zündeten zwei Jugendliche im Alter von 16 und 17 Jahren aus Wut und Enttäuschung laut Staatsanwaltschaft das Gebäude an. Weil sie den Tod von drei Bewohnern in Kauf nahmen, müssen sich die jungen Bewohner einer Jugendhilfeeinrichtung seit Montag vor der Großen Jugendkammer des Landgerichts unter anderem wegen versuchten Mordes in drei Fällen in Tateinheit mit schwerer Brandstiftung und schwerer Körperverletzung verantworten.

Weil es sich bei den Angeklagten um Minderjährige handelt, wurde von Beginn der Verhandlung an die Öffentlichkeit ausgeschlossen.

Eine Kriminalitätsserie im Herbst vergangenen Jahres hatte die Schelklinger Bevölkerung beunruhigt. Diese Verunsicherung erreichte in der Nacht zum 29. Oktober ihren Höhepunkt. Die Heranwachsenden brachen in ein Wohnhaus in der Schlossgasse ein, in dem drei Menschen schliefen. Laut Anklage sollen die beiden Täter in den Tagen Wochen zuvor mit diversen Diebstählen aus unverschlossen abgestellten Autos in und um Schelklingen und zahlreichen Sachbeschädigungen auf sich aufmerksam gemacht haben.

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Die beiden Jugendlichen, die jetzt in U-Haft sitzen, waren beide Bewohner des St. Konradi-Hauses

Auch das löste in der Bevölkerung erhebliche Verunsicherung aus und die Polizei tappte zunächst im Dunkeln. Zum Öffnen des Wohnhauses in der Nacht auf den 29. Oktober 2018 verwendete das Diebesduo einen Schlüssel, den sie bei einem früheren Einbruch mitgenommen hatten. Doch sie fanden in den inspizierten Wohnungen nichts Brauchbares und sollen aus Verärgerung mitgenommenes Benzin im Vorraum des Hauses reichlich verteilt und angezündet haben. Das Feuer breitete sich im Nu aus und griff auf die Garage über, durch den Brandmelder geweckt konnten die Bewohner das brennende Gebäude gerade noch rechtzeitig verlassen. Durch die entstandenen Rauchgase erlitt eine 92-jährige Hausbewohnerin leichte Vergiftungen, konnte aber von Feuerwehrkräften rechtzeitig aus dem brennenden Haus gerettet werden. Bei der Brandstiftung entstand ein Sachschaden in Höhe von 50 000 Euro.

Die beiden Jugendlichen, die jetzt in U-Haft sitzen, waren beide Bewohner des St. Konradi-Hauses, einer Jugendhilfeeinrichtung. Mit ihren 200 Mitarbeitern ist die Stiftung zweitgrößter Arbeitgeber in Schelklingen. Junge Menschen aus ganz Süddeutschland, speziell aus den Ballungsräumen Stuttgart und München, werden hier betreut und ausgebildet. Sie kommen aus schwierigen Lebensverhältnissen und absolvieren bei spezieller pädagogischer Betreuung ihre Schulabschlüsse oder Ausbildung. Die jetzt Angeklagten bestreiten von Anfang an ihre Beteiligung an der Tat. Die Staatsanwaltschaft geht aber von einem gemeinschaftlichen versuchten Mord mit gemeingefährlichen Mitteln aus niedrigen Beweggründen in drei Fällen und schwerer Brandstiftung aus. Wie der Direktor des Konradi-Hauses gleich nach der Festnahme der Jugendlichen berichtet hatte, hätte es in der Vergangenheit immer mal wieder Straftaten von betreuten Jugendlichen gegeben. „Aber keine so schwerwiegenden wie nun die mutmaßliche Brandstiftung.“ In einer Termininformation informiert der Pressesprecher des Landgerichts, dass die Öffentlichkeit über die Anträge der Staatsanwaltschaft und Verteidigung nach Abschluss der Beweisaufnahme sowie das spätere Urteil informiert werde.

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