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Ulmer Zelt II

26.06.2017

Brillante Brillenträger

Sänger, Gitarrist und Klangtüftler: Markus Acher.
Bild: Andreas Brücken

Ein Highlight der Saison: Die oberbayerischen Indie-Pioniere The Notwist scheren sich nicht um Genregrenzen

Es ist schon eine Stunde Konzert vorbei, da macht Markus Acher einen Rock-Hopser. Einen von der Sorte, die meist mit In-die-Saiten-Dreschen einhergeht – und zum Standardkatalog eines Rock-Gitarristen gehört. Vielleicht hat er ihn sich aufgespart, vielleicht ist er ihm auch ausgekommen. Denn Standard oder gar Standard-Rock ist gar nichts, wenn Acher, ein Realschullehrertyp mit Brille und Karohemd, zusammen mit seiner Band The Notwist auf der Bühne steht. Das wissen die rund 700 Zuschauer im Ulmer Zelt.

Die im oberbayerischen Weilheim gegründeten The Notwist sind die wohl einflussreichste Indie-Band, die Deutschland je hervorgebracht hat, und so etwas wie der Stolz der bayerischen Szene. Denn irgendwie können diese Acher-Brüder (Gitarrist/Sänger Markus und Bassist Micha) nichts falsch machen. Sie haben auch fast alles ausprobiert: Jazz mit dem Tied & Tickled Trio, Hip-Hop mit 13&God, sogar Dixie in der Combo ihres Vaters – von Soundtracks, Solo- und weiteren Nebenprojekten ganz zu schweigen. Aber bei den 1989 gegründeten The Notwist fließt alles zusammen.

Vor allem live: Denn statt Rock-Hopser und andere Show-Sperenzien zu zelebrieren, wird bei diesen Freigeistern einfach atemberaubend musiziert. Auf Tour sind The Notwist zu sechst, neben den Achers noch Andi Haberl (Drums), Max Punktezahl (Gitarre/Keyboard), Karl Ivar Refseth (Vibrafon) und Cico Beck (Elektronik). Letzterer, bekannt für sein Projekt Joasihno, kam 2014 für Martin Gretschmann (alias Console) in die Band. Noch so ein Brillenträger, der es künstlerisch faustdick hinter den Ohren hat.

Irgendwie geht an diesem Abend alles: Da wird aus dem entspannten „This Room“ am Ende entfesselter Free Jazz, bei dem die ganze Band durchdreht. Da geht es mit „One Dark Love Poem“ satte 27 Jahre zurück in der Bandgeschichte. Da wird „Pilot“, einer der Hits des Meilenstein-Albums „Neon Golden“ (2002), vom Popsong zum verhallten Dub-Jam und dann zum ekstatischen Techno-Track. Auch wenn es keine neuen Stücke gibt an diesem Abend: Diese Band ist jedes Mal ein Erlebnis. Ein kleiner Hopser für Markus Acher und die Band, ein großer Satz für das Zelt. (mgo)

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