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Landkreis Neu-Ulm

12.11.2019

Bringt das 365-Euro-Ticket wirklich nichts?

Müssen tatsächlich nur die Tickets billiger werden, damit mehr Menschen im Landkreis den öffentlichen Nahverkehr nutzen?
Bild: Archivbild: Alexander Kaya

Der Ding-Geschäftsführer bezweifelt, dass sich damit neue Kunden für den ÖPNV gewinnen lassen

Plant die bayerische Staatsregierung etwas Sinnloses? Vom nächsten Schuljahr an sollen zumindest Schüler und Auszubildende in den Ballungsräumen ein 365-Euro-Ticket bekommen können. Das bedeutet: Sie müssten für Fahrten im Nahverkehr pro Tag nur noch einen Euro bezahlen. Damit sollen junge Menschen früh für den ÖPNV begeistert werden.

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Keine wesentliche Verbesserung mit 365-Euro-Ticket

Ob das tatsächlich funktioniert, wird von Thomas Mügge bezweifelt. Der Geschäftsführer des Donau-Iller-Nahverkehrsverbunds Ding sagte im Wirtschafts– und Verkehrsausschuss des Landkreises, das werde für den Raum Ulm/Neu-Ulm vielleicht zwei Millionen Euro kosten, aber kaum zu einer Nachfragesteigerung führen. Solche Vergünstigungen „helfen nur in den Städten, wo der Nahverkehr gut ausgebaut ist“, aber im dünner versorgten ländlichen Raum eher nicht. Der Verkehrsverbund habe das Thema umfangreich untersucht, mit dem Ergebnis: Ein 365-Euro-Ticket bringe keine wesentliche Verkehrsverlagerung.

Was die Wiener mit dem 365-Euro-Ticket erreicht haben

Er berichtete den Ausschussmitgliedern von den Maßnahmen der Stadt Wien. Die hatte 1993 damit begonnen, den Nahverkehr massiv auszubauen. Damit sei es gelungen, den Anteil des ÖPNV an allen zurückgelegten Wegen von ursprünglich 29 auf mittlerweile 39 Prozent zu steigern. Zudem wurde vor einigen Jahren das 365-Euro-Ticket eingeführt. Das habe aber zu keiner signifikanten Steigerung geführt. Die bayerische Staatsregierung will das Sparticket nach Wiener Vorbild in den Verkehrsräumen von München, Augsburg, Regensburg, Ingolstadt und Würzburg einführen.

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Gratis-Nahverkehr am Samstag: Es fehlen Zahlen

Im Gegensatz zu Mügge hält der Grüne Franz Schmid das 365-Euro-Ticket dennoch für eine gute Sache. Es mache doch einen Unterschied, ob jemand zum Preis von 4,30 Euro von Weißenhorn nach Ulm fährt oder für lediglich einen Euro. Auch gegenüber dem herkömmlichen Jahresticket seien die verbilligten Karten ein Gewinn. Allerdings liegen zu diesem Thema noch nicht alle Zahlen im Ding-Gebiet vor. Die sollen in der nächsten Ausschusssitzung am 30. Januar auf den Tisch kommen. Und dann gibt es zum Thema ÖPNV ja noch einen Antrag der SPD. Die möchte, dass versuchsweise im gesamten Landkreis an Samstagen der Nahverkehr kostenfrei genutzt werden kann. Vorbild ist die Doppelstadt Ulm/Neu-Ulm. Dort sind seit April samstags die Fahrten mit Bussen und Straßenbahn gratis. Eine Entscheidung über den SPD-Vorschlag kann noch nicht gefällt werden. Wie Peter Dieling, Leiter des zuständigen Fachbereichs im Landratsamt erläuterte, müssten dazu noch „Zahlen und Fakten“ erhoben werden. Die SPD wollte den Gratistag zunächst probeweise für 18 Monate einführen.

Landrat: Irgendwer muss das 365-Euro-Ticket zahlen

Letztlich geht es auch um die Frage, wer das Ganze zahlt, sagte Landrat Thorsten Freudenberger. Er meint, dass nicht nur die Ballungsräume wie München und Augsburg gefördert werden sollen: „Wir können Bund und Land nicht aus ihrer Pflicht entlassen.“ Ludwig Daikeler (SPD) sagte, der Vorstoß seiner Partei ziele auch darauf ab, auf Bund und Land Druck auszuüben. Freudenberger gab aber zu bedenken, dass mit einem Gratis-Samstagsticket nicht die Berufspendler erreicht werden, die verstärkt umsteigen sollen. Und dann gebe es ja noch die hiesigen Händler, die sich fragen: „Umsonst nach Neu-Ulm und Ulm – aber was ist mit uns?“


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