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Ulm

07.10.2014

Britax Römer streicht 100 Stellen

Der Ulmer Kindersitzhersteller Britax Römer streicht 100 Stellen. Das Traditionsunternehmen trennt sich von 34 Stammkräften plus 64 Leiharbeitern und Beschäftigten auf 450-Euro-Basis. Der Standort Ulm (hier das Firmengebäude auf der Rückseite der Blaubeurer Straße) soll aber nicht infrage gestellt werden.
Bild: Alexander Kaya

Warum der Ulmer Kindersitzhersteller unter Druck geraten ist

Ulm Ein Ulmer Traditions-Unternehmen setzt den Rotstift an: Der Kindersitzhersteller trennt sich von 34 Stammkräften plus 64 Mitarbeitern, die sich auf Leiharbeiter und Beschäftigte auf 450-Euro-Basis verteilen. „Wir wollen und müssen effizienter werden“, erklärte Pressesprecherin Isabell Unseld auf Anfrage. Insbesondere durch konkurrierende Hersteller aus China sei Britax Römer unter Druck geraten, denn dort könne günstiger produziert werden. Wobei Unseld betont, dass die Geschäfte bei Britax Römer nicht schlecht laufen. „Wir sind profitabel.“

Britax Römer verkauft seine Produkte insbesondere über das Argument Sicherheit im Premium-Segment. Allerdings haben Mitbewerber wie etwa Cybex aus Hong Kong inzwischen auch gelernt, worauf es bei Crash-Tests ankommt, sodass der Preis auch für sicherheitsbewusste Eltern nun dank einer asiatischen Aufholjagd wieder ein Kaufargument sein kann. Kindersitze aus China sind schlichtweg billiger, der Standort Ulm müsse deswegen profitabler werden. Der Arbeitsabbau sei Teil eines umfassenden Restruktuierungsprogramms.

Die Existenz des Standorts in Ulm werde aber nicht infrage gestellt, sondern die Münsterstadt bleibe Europazentrale der deutsch-britischen Firma, die seit 2011 der Investorengesellschaft „Nordic Capital“ gehört. Die Verbindungen auf die Insel sind historisch bedingt: Britax Römer entstand 1978 aus dem Zusammenschluss der Ulmer Firma Römer und der englischen Britax.

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Die Inhaber-Gesellschaft mit Sitz auf der Kanalinsel Jersey gibt den Umsatz mit 370 Millionen Euro an. Unseld betont, dass die Entscheidung über den Stellenabbau nicht der Investor getroffen habe, sondern dies sei vor Ort entschieden worden. 380 Vollzeitbeschäftigte arbeiten derzeit am Firmensitz in der Blaubeurer Straße, davon sind 250 direkt mit der Produktion befasst und stellen nach Firmenangaben jährlich etwa eine Million Kindersitze fürs Auto und Fahrrad her. Es ist keine zwei Wochen her, da berichtete Norbert Hermann, der europäische Personalchef von Britax Römer, bei einer Veranstaltung für Führungskräfte von den Schwierigkeiten des Unternehmens, geeignete Fachkräfte zu gewinnen. Mit keinem Wort erwähnte Hermann beim „Ulmer Kompetenzforum“ die geplanten Entlassungen, sondern sprach lieber von Wachstumskurs und dem jüngsten Zukauf der Firma: Die Kinderwagen Tochter des schwedischen Unternehmens Brio, das mit Spielzeugzügen weltweit bekannt wurde. Wann Britax Römer die 100 Mitarbeiter entlässt, steht nach Angaben von Isabell Unseld noch nicht fest. In Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat (der gestern für uns nicht zu erreichen war), solle der Schnitt per Sozialauswahl, Sozialplan und die Bildung einer Transfergesellschaft möglichst abgefedert werden.

Schlagzeilen in Großbritannien machte das Unternehmen wie berichtet, weil Prinz William und seine Frau Kate ihren Sprössling „Baby George“ in einem Römer-Kindersitz transportierten. Die britische Boulevard-Presse überschlug sich förmlich seit der Geburt vor Begeisterung, weil die Royals nicht den teuersten, sondern sichersten Sitz gewählt hätten. Den 100 vor der Entlassung stehenden Ulmer Mitarbeitern hat diese PR nicht mehr genützt.

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