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Ulmer Zelt

30.05.2015

Briten, Bier und ein bisschen Beatles

Young Rebel Set ist eine britische Band aus Stockton-on-Tees. Im Vordergrund: Sänger Matty Chipchase mit einer akustischen Gitarre. Links Mark Evans, dessen Bruder in der Band Schlagzeug spielt. Auch die zwei anderen Bandmitglieder – Andrew und Chris Parmley – sind Brüder.
Bild: Martina Dach

Young Rebel Set überzeugen bei ihren Auftritt mit Rocknummern und melancholischen Balladen – und bleiben zur Freude der Fans ihren Wurzeln immer treu

Lektion eins aller britischen Bands beherrschen die jungen Rebellen perfekt: Ja nicht lächeln beim betreten der Bühne und dem Publikum sofort klar machen worum es geht: Musik. Und nicht um Show. Auch mit Lektion zwei aller britischen Bands haben weder die zwei Brüderpaare noch Leadsänger Matty Chipchase Berührungsängste: Biertrinken. Und zwar nicht zu knapp.

Lektion drei aller britischen Bands nehmen sich die fünf aus Stockton-on-Tees im Nordosten Englands nicht zu Herzen: Die seit den längst vergangenen Oasis-Zeiten von Kapellen wie den Kooks oder Arctic Monkeys noch immer zur Schau getragene Arroganz bleibt an diesem Abend im mit 300 Besuchern mittelmäßig gefüllten Zelt außen vor. Zum Glück. Regelrecht zur Plaudertasche wird Chipchase und spricht in breitestem nordostenglischen Idiom von einer Bullenhitze im Zelt und dem perfekten Gegenmittel: Ehinger Bier – „It‘s brilliant.“

Klar ist dem Publikum zu diesem Zeitpunkt längst, dass Young Rebel Set auch die wichtigste Lektion aller britischen Bands beherrschen: Sei besonders, aber bleibe deinen Wurzeln treu. Wo diese liegen, wird bereits beim Intro klar. Vom Band läuft „Being for the Benefit of Mr. Kite“, von „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club“, dem epochalem Album der Beatles. Es ist durchaus ein Zeichen von Selbstbewusstsein, die Besucher mit dem vielleicht vielschichtigsten Werk der Gottväter des Britpop anzuheizen. Aber es funktioniert, auch wenn das Quintett entgegen seines Namens keine musikalische Revolution anstrebt. Der Opener „Lion’s Mouth“ ist ein klassischer, treibender Rocksong in den Matty Chipchase die ganze Wut eines Kriegsheimkehrers packt, der bei der Rückkehr feststellen muss, dass ihn seine Frau betrügt. Britisch, rotzig, rockig mit einem brillantem Mark Evans an der Lead-Gitarre. Die Engländer kennen die großen Bühnen, für die Songs wie „Lion’s Mouth“ wie gemacht scheinen. Sie spielten beim Hurricane- und Southside-Festival und erlangten in ihrem Heimatland mit ihrer ersten Single „If I Was“ eine gewisse Berühmtheit. Der ganz große Durchbruch, den ohnehin nur ganz wenige Bands aus dem Genre schaffen, ist jedoch bislang ausgeblieben. Umso besser für Zeltbesucher, die so Auge in Auge mit den Brüderpaaren Mark und Luke Evans sowie Andrew und Chris Parmley die Fingerakrobatik verfolgen können.

Young Rebel Set können laut und leise: Bei „Unforgiven“ erinnert Matty Chipchase an den jungen Bob Dylan, nur von einer akustischen Gitarre begleitet. Gänsehaut. „Red Bricks“ etwa, ein Song der es auf einem Sampler der Lieblingslieder von Ex-Fußballer Mehmet Scholl schaffte, ist wie geschaffen für einen bierseligen Abend in einem Backstein-Pub im Nordosten Englands: breiter britischer Akzent, schunkelnder Rhythmus und Refrain zum Mitsingen. Passend zu Lektion Nummer zwei aller britischen Bands, die Young Rebel Set offenbar besonders gerne pflegen.

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