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Neu-Ulm

17.04.2016

Buch als Kunst – Kunst im Buch

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Trashromane zu Kunstwerken: Die Connor Brothers nehmen alte Taschenbücher und bemalen sie mit neuen Motiven und markigen Sätzen.

Zum Auftakt der Literaturwoche Donau zeigt die Galerie im Venet-Haus plakative Arbeiten der Connor Brothers und Illustrationen von Einar Turkowski: eine Ausstellung der Widersprüche.

„Papier ist das neue Vinyl“: Mit diesem Satz bringt Florian L. Arnold die Idee hinter der „Literaturwoche Donau“ auf den Punkt. Denn die von ihm mitorganisierte Veranstaltungsreihe, die wieder deutlich länger als eine Woche dauert, ist eben nicht nur eine weitere Feier des Lesens, sondern eine des Kulturguts Buch, das viel mehr ist als nur ein Medium zur Übermittlung von Texten. Es ist ein Objekt der Begierde, im besten Fall ein optisches und haptisches Erlebnis – wie die Vinyl-Schallplatte, der am heutigen Samstag wieder weltweit mit dem „Record Store Day“ gehuldigt wird. Deswegen ist es nur konsequent, dass die Literaturwoche 2016 nicht mit einer Lesung, sondern mit einer Ausstellung begann: In der Neu-Ulmer Venet-Haus-Galerie treffen mit den Londoner Connor Brothers und dem Norddeutschen Einar Turkowski zwei grundverschiedene künstlerische Positionen aufeinander.

Hinter den beiden angeblichen Brüdern stecken zwei frühere Galeristen aus der englischen Metropole, die die Seiten gewechselt haben: Sie erklärten sich selbst zu Künstlern. Entsprechend kreist ihre Arbeit weniger ums Können als ums Machen: Sie kombinieren visuelle Versatzstücke aus barocker Malerei oder Schundromanen der 50er-Jahre mit in Versalien gedruckten Slogans. Ihr Medium sind dabei alte Taschenbücher, die nach oben genannter Art bearbeitet werden. Der Titel der Ausstellung, „This is a Lie“, und die Texte auf den Büchern spielen auf das Spannungsfeld zwischen Fiktion und Wahrheit an, in dem Kunst – egal ob Malerei oder Literatur – wirkt.

Wobei „anspielen“ wiederum selbst eine Lüge wäre: Bei den Connor Brothers wird alles direkt ausgesprochen, und nicht immer mit neuen Worten. Eine besondere Lüge haben sich die Briten speziell für die Ausstellung ausgedacht: „Einsteins Stein“, untergebracht in einer Vitrine. Diesen habe der große Ulmer, der mitgelieferten Legende nach, in seinen kreativsten Stunden in Händen gehalten.

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Weit subtiler sind da die Zeichnungen von Einar Turkowski. Der 1972 geborene Illustrator aus Schleswig-Holstein erhielt schon für sein (auch selbst geschriebenes) Erstlingswerk „Es war finster und merkwürdig still” den Grand Prix der Biennale der Illustrationen im slowakischen Bratislava. Unglaublich fein wirken die Originalblätter, die so ganz anders sind als marktübliche Kinderbuchillustrationen. Turkowski entwirft mit dem Zeichenstift detailreiche Welten auf dem schmalen Grat zwischen Wirklichkeit und Fantastik, in denen nichts verniedlicht oder simplifiziert wird.

Kurzum: Seine Publikationen sind nicht nur etwas fürs Kinderzimmer, sondern Bücher, die man besitzen und immer wieder betrachten will. Liebhaberstücke genau jener Sorte, um die es bei der Literaturwoche Donau geht.

„This is a Lie“ läuft bis 28. Mai. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag, jeweils 16 bis 19 Uhr. Die Literaturwoche Donau geht weiter: Am Dienstag, 19. April, 19.30 Uhr präsentiert die Literaturwissenschaftlerin Stefana Sabin ihr Buch „Shakespeare auf 100 Seiten“ in der Kulturbuchhandlung Jastram. Am Mittwoch, 20. April, 19.30 Uhr gastiert mit Nora Gomringer ein Ausnahmetalent unter den deutschsprachigen Dichtern in der Museumsgesellschaft Ulm an der Neuen Mitte. Sie wird begleitet von ihrem Verleger Leif Greinus und Musiker Ayhan Coskun.

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