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Holzheim

24.07.2020

Bürgerbus in Holzheim vorerst ausgebremst

Braucht Holzheim ein zusätzliches Verkehrsangebot in Form eines Bürgerbusses? Eine Mehrheit des Gemeinderates findet: nein.
Bild: Willi Baur

Plus Eine Mehrheit im Gemeinderat Holzheim zweifelt am Bedarf eines solchen Angebots, das ein Verein ehrenamtlich betreiben würde. Ganz vom Tisch ist die Idee aber noch nicht.

Tagsüber Senioren zum Einkaufen nach Senden, abends junge Leute nach Ulm in die Neue Mitte und am Samstag vielleicht Nachwuchskicker in die Nachbarorte fahren: Möglich wäre das mit einem sogenannten Bürgerbus, den ein ehrenamtlich betriebener Verein anbieten könnte. So schwebt es Ratsmitglied Jörg Jehle ( Freie Wähler) vor, der das Projekt am Mittwoch dem Gemeinderat vorgestellt hat. Das Gremium hat das Vorhaben indes erst einmal ausgebremst.

Nur seine Fraktionskollegen Karl Junginger und Michael Kraus unterstützten Jehles Antrag, bis Ende September staatliche Fördermittel zu beantragen. Ein neunsitziger Kleinbus mit einem Kaufpreis von 20.000 Euro könnte damit zur Hälfte finanziert werden. In Verbindung mit einem Rollstuhlplatz wären sogar 30.000 Euro förderfähig. Hinzu kämen eine jährliche Organisationspauschale von 2000 Euro und respektable Zuschüsse zum Erwerb des Personenbeförderungsscheins seitens interessierter Ehrenamtlicher.

Holzheim: Bürgerbus soll keine Konkurrenz zum ÖPNV sein

„Der Bürgerbus ist nicht als Konkurrenz zum öffentlichen Personennahverkehr gedacht“, sagte Jehle. Vielmehr sollen damit nur „Lücken im bestehenden ÖPNV-Angebot geschlossen werden“. Organisation, Rekrutierung des Fahrpersonals und Abrechnung müsste ein noch zu gründender Verein unterstützt von der Gemeinde übernehmen, so der Antragsteller weiter, der das Projekt unter dem Motto sieht: „Ehrenamtliche Leistungen von Bürgern für Bürger.“

Am Ratstisch indes wurden nicht nur Zweifel am Bedarf laut. „Im Vergleich mit vielen anderen Kommunen ist Holzheim verkehrsmäßig ganz gut angebunden“, befand Bürgermeister Thomas Hartmann. Die Linienbusse verkehren aus seiner Sicht in ausreichendem Takt, zudem gebe es den „Pfiffibus“.

Holzheim: Manche Fragen zum Bürgerbus bleiben ungeklärt

Gemeinderätin Dagmar Sokol-Prötzel (Grüne) zufolge könnte sich der Bürgerbus sogar kontraproduktiv auswirken: „Damit nähmen wir den Landkreis aus der Pflicht zur Verbesserung des ÖPNV.“ Fraglich sei aus ihrer Sicht zudem, „ob es genügend Leute gibt, die sich das ehrenamtliche Fahren antun wollen“.

Ungeachtet einer intensiven Diskussion blieben weitere Fragen offen: Jene nach der finanziellen Beteiligung der Fahrgäste etwa, die der Dritte Bürgermeister Michael Kling ( CSU/DG) aufgeworfen hatte. Oder ob monatlich 200 Fahrgäste realistisch seien, wie es die Förderrichtlinien Liane Bieniasz (UWH) zufolge vorsehen.

Corona: Finanzielle Risiken für den Haushalt von Holzheim

Sie plädierte ebenso wie ihre Kollegen Martin Volk (UWH) und Armin Frank (CSU/DG) für Recherchen zu erfolgreichen Bürgerbus-Projekten in vergleichbaren Kommunen. „Sie könnten dann uns ihre Erfahrungen vorstellen.“ Wie Caroline Nähring (CSU/DG) fanden auch sie „die Idee grundsätzlich gut“, warnen indes vor einer überstürzten Umsetzung.

Dies nicht zuletzt vor dem Hintergrund finanzieller Risiken durch die Corona-Folgen. „In diesem Jahr kommen wir nach Aussage unserer Kämmerin beim Haushalt mit einem ‚blauen Auge’ davon, aber in den kommenden Jahren müssen wir mit größeren Problemen rechnen“, warnte der Bürgermeister und stellte daher fest: „Unter den Umständen kann ich dem Antrag nicht zustimmen.“

Ebenfalls heftige Bedenken äußerte Geschäftsleiter Konrad Müller: „Mit dem Antrag würde das Pferd von hinten aufgezäumt“, so der VG-Mann. Nach den Richtlinien müsse der Bus im Jahr mindestens 15.000 Kilometer fahren. „Das geht nicht so einfach und verursacht einen enormen Aufwand für die Organisation und Verwaltung.“ Die jährliche Pauschale dafür sei „eher ein Witz“.

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