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Ulm

25.01.2020

Bundeswehr will hochkarätige Redner nach Ulm holen

Generalleutnant Jürgen Knappe spricht vor vielen Gästen im Kornhaus. Künftig sollen dort hochkarätige Gastredner auftreten.
Foto: Gerrit-R. Ranft

Generalleutnant Knappe kündigt im Kornhaus in Ulm ein neues Format für die sicherheitspolitische Veranstaltung an – und wirbt für das Miteinander.

Die Tradition der seit Jahrzehnten im Ulmer Kornhaus zu Jahresbeginn gehaltenen sicherheitspolitischen Veranstaltungen werde auch in Zukunft Bestand haben, versicherte Generalleutnant Jürgen Knappe am Donnerstagabend in seiner Jahresansprache. Allerdings werde er das Format ändern, indem ein „hochkarätiger Gastvortragender die Veranstaltung bereichern“ werde. Zugleich aber bat er seine zivilen wie auch militärischen Zuhörer, ihm bei dieser Neuausrichtung mit Anregungen zur Seite zu stehen.

Für die auf der Wilhelmsburg stationierten Dienststellen von Bundeswehr und Nato kündigte Knappe weitreichende Umstrukturierungen an. So werde das 2005 aufgestellte Multinationale Kommando Operative Führung neu ausgerichtet. Es wird seine ursprüngliche Aufgabe, auf Anforderung der Europäischen Union von Ulm aus militärische Auslandseinsätze zu koordinieren, verlieren. Die Schnellen Eingreifkräfte der Bundeswehr übernehmen diesen Part. Ulm, das dieses Hauptquartier bisher bereitgestellt habe, werde mit diesem Verlust nicht überflüssig. Vielmehr werde es die Aufstellung eines solchen Kommandos sicherstellen und die Ausbildung vornehmen.

Sicherheitspolitische Veranstaltung im Kornhaus in Ulm

Verstärkt vorangetrieben wird in der Wilhelmsburg-Kaserne der 2018 von den Verteidigungsministern der Nato-Staaten beschlossene Aufbau zweier operativer Kommandos im US-amerikanischen Norfolk und in Ulm, wo es den Namen Joint Support and Enabling Command (JSEC) trägt. Sie sollen laut Knappe „der Nato einen sicheren rückwärtigen Raum für strategische Aufmarschbewegungen sowie zur Unterstützung der Operationsführung zur Verfügung stellen“. Es gehe darum, die militärische Verteidigung Europas insgesamt „neu zu denken“. Während des „Kaltes Kriegs“, als sich zwei Machtblöcke in Europa gegenüberstanden, sei vieles einfacher gewesen. Die Fähigkeit, Verstärkungskräfte schnell an den Ort einer Krise führen zu können, sei dabei von entscheidender Bedeutung. Geübt werde ein solcher Einsatz noch in diesem Frühjahr mit der Übung Defender Europe 20. Dazu würden 20000 Soldaten der US-Army mit sämtlichem Gerät aus den USA nach Europa verlegt. Die Nato beteilige sich mit weiteren 17000 Mann. Sie sei dabei, ihre Fähigkeit zur Bündnisverteidigung erheblich zu verbessern. Das Ulmer Kommando werde sich beteiligen und voraussichtlich in der Nato-Übung Steadfast Defender 2021 seine volle Einsatzfähigkeit unter Beweis stellen.

„Wir bleiben eine verlässliche Größe in Ulm“, schloss der General seine Analyse. Zugleich rief er die Versammlung auf, seine Frauen und Männer, aber auch die multinationalen Mitarbeiter, und ihre Familien in Ulm und den Nachbargemeinden zu integrieren. Sie seien schließlich ihre Nachbarn mit ihren Kindern in den Kindergärten und Schulen, mit vielfältigem Engagement. „Und wenn die Ulm verlassen, weil das Soldatenleben solchen beruflichen Wechsel fordert, werden sie Botschafter der Ulmer Region sein und von ihren Erfahrungen erzählen.“ Dort traf sich Ulms Oberbürgermeister Gunther Czisch mit dem Befehlshaber von der Wilhelmsburg, als er im Grußwort die enge Verbundenheit zwischen den Ulmern und ihren Soldaten hervorhob. Die jährliche Frühjahrsveranstaltung im Kornhaus bezeichnete Czisch als eine schöne Tradition und begrüßte die Offenheit der Bundeswehr für alle: „Unsere Armee ist kein Staat in Staate und darf auch keiner sein.“ Dazu trage der offene demokratische Diskurs bei, den beide Seiten vor allem in Ulm pflegten.

Vor dem Eingang zum Kornhaus hatte sich zu Veranstaltungsbeginn eine kleine Schar aus der „Friedensbewegung Ulm“ eingestellt. Mit ihren farbenfrohen Pace-Fahnen und dem Text „Nie wieder Krieg“ bildeten sie einen friedfertigeren Protest. Eine Busladung mit militärischen und zivilen Besuchern wurde zurückhaltend mit leisen Pfiffen und ein paar Buh-Rufen begrüßt. Die Anwesenheit der „Mahnwache“ wurde zur Kenntnis genommen. Gespräche oder Auseinandersetzungen zwischen beiden Seiten fanden nicht statt.

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