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27.02.2015

Busfahrer lässt Roggenburg links liegen

Warten in Roggenburg: Abends können Reisende einen Bus bestellen, um von der Klostergemeinde aus in Richtung Weißenhorn zu fahren. Das funktioniert eigentlich ganz gut. Aber am Rosenmontag gab es Ärger.
Bild: Alexander Kaya

Trotz Vorbestellung warteten Reisende in der Klostergemeinde zuletzt vergeblich. Das Unternehmen spricht von einem „persönlichen Fehlverhalten“ eines Mitarbeiters.

Fröstelnd stehen sechs Menschen an der Bushaltestelle am Kloster. Es ist Rosenmontag, kurz vor 20.30 Uhr, minus vier Grad. Die Wartenden haben den Rufbus für halb neun bestellt. Verstohlene Blicke in die Dunkelheit. Ist der Motor in der Ferne schon zu hören? Fehlanzeige. Zur vereinbarten Zeit ist kein Bus da, die Minuten in der Kälte vergehen nur langsam. Um 21.10 Uhr haben die Reisenden das Warten satt und rufen sich zwei Taxis, um nach Weißenhorn zum Bahnhof zu fahren. „Wir waren ziemlich durchgefroren“, erinnert sich Achim Voss aus Ulm, einer der Fahrgäste. Die Panne kann er nicht nachvollziehen – immerhin hatte er den Fahrer noch wenige Stunden zuvor in der Fuggerstadt auf die bestellte Fahrt angesprochen. „Er hat sie bestätigt.“

Doch um 20.30 Uhr stehen Voss und fünf andere vergeblich an der Haltestelle. Richtig ärgerlich wird der Abend für Voss, als es kurz darauf am Bahnhof der Fuggerstadt zu einem weiteren Treffen kommt: Gegen 21.50 Uhr sieht der Ulmer dort den fraglichen Bus – mit insgesamt drei Fahrern. Auf die misslungene Abholung in Roggenburg angesprochen, habe einer mit einem „Lachanfall“ reagiert, beschwert sich Voss. „Ich war völlig sprachlos.“

Ähnlich geht es Josef Brandner, dem geschäftsführenden Gesellschafter der Firma BBS in Krumbach, die den Rufbus im Auftrag des Landkreises betreibt. „So etwas darf nicht passieren, das ärgert mich maßlos.“ Die Bestellung des Ulmers habe an jenem Tag durchaus vorgelegen. „Es war ein persönliches Fehlverhalten“, so Brandner, der den Wartenden die Taxirechnung bezahlt hat. Das Versäumnis kann sich der Chef nicht so Recht erklären. Es habe an dem Montagabend eine Schulungsfahrt mit mehreren Mitarbeitern stattgefunden. Brandner findet deutliche Worte: „Offenbar haben sie sich mehr mit sich als mit ihren Aufgaben beschäftigt.“ Das Unternehmen habe deshalb „personelle Konsequenzen“ gezogen und eine Abmahnung erteilt.

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Es handele sich um einen Einzelfall, verspricht Brandner. Der Rufbus sei ein Erfolgsmodell. Im vergangenen Jahr habe man im Bereich Weißenhorn, Buch, Pfaffenhofen und Roggenburg 20000 Fahrgäste auf Bestellung transportiert, „eine stolze Hausnummer“, sagt der BBS-Geschäftsführer. Die Firma und ihre Mitarbeiter arbeiteten mit Herzblut an dem Projekt. „Wir stehen voll dahinter.“ Im Rufbusverkehr hat BBS mit seinen insgesamt 200 Beschäftigen einige Erfahrung: 2009 startete das Konzept im Krumbacher Raum und wurde danach auf den Landkreis Günzburg ausgeweitet. 2014 nutzten dort 143000 Reisende das Angebot. Solche Pannen wie nun in Roggenburg habe es noch nicht gegeben. „Das ist unglaublich“, sagt Brandner. Man überlege sich nun, was getan werden kann, um solche Missgriffe künftig auszuschließen.

Alles in allem funktioniert das Rufbussystem in der Klostergemeinde. „Es ist der erste anderslautende Fall, der mir bekannt wurde“, sagt Bürgermeister Mathias Stölzle. Ob es eine „Dunkelziffer“ gibt, wisse er nicht. Für ihn ist klar: „Es ist ein tolles Angebot.“ Und das soll noch stärker beworben werden. Seit der Rückkehr des „Bähnles“ und dem darauf abgestimmten Busfahrplan sei Roggenburg besser angeschlossen. Täglich könne um 20.30, 21.30, 22.20 und 23.30 Uhr ein Bus gerufen werden, um nach Weißenhorn zu fahren. Eine Ausnahme – denn grundsätzlich sei abends nur Verkehr vom Bahnhof aus in die Dörfer vorgesehen. Zuvor habe Roggenburg keine solche Linie gehabt. „Das muss noch in die Köpfe“, glaubt Stölzle.

Das vergebliche Warten hat auch das Landratsamt Neu-Ulm beschäftigt. Die Firma muss ihren Vertrag ordnungsgemäß abwickeln, sagt Erich Sailer, zuständig für den Bereich Verkehr. „Wir haben keinen Grund, anzunehmen, dass das nicht funktioniert.“ Sailer sieht in dem Fall einen „Ausrutscher“.

Auch Voss findet das Rufbus-Angebot grundsätzlich gut – der Privatlehrer unterrichtet viel auf dem Land und besitzt kein Auto. „Mit Bus komme ich eigentlich überall hin.“ Auch wenn es „hier und da“ noch Optimierungsbedarf gebe.

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