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Wahlkampf

01.08.2012

CSU-Nominierung wird zur US-Party

Die Kreis-CSU mit ihrem Vorsitzenden Thorsten Freudenberger hat Beate Merk und Katrin Albsteiger (Mitte) als Kandidaten für die Landtagswahl im kommenden Jahr nominiert.
Bild: Roland Furthmair

Neuer Stil bei den Christsozialen. Beate Merk und Katrin Albsteiger kandidieren im Stimmkreis für den Landtag. Eine Inszenierung der etwas anderen Art

Landkreis Die CSU hat am Montag erwartungsgemäß Beate Merk als Direktkandidatin und Katrin Albsteiger als Listenbewerberin für die Landtagswahl 2013 nominiert. Was zunächst nach reiner Formsache aussieht, wird für die Mehrzahl der 93 Delegierten zur Überraschung: Die Nominierungsversammlung gerät zu einer auf amerikanisch getrimmten Party. Diese Inszenierung der etwas anderen Art sorgt bei nicht wenigen Delegierten für Irritationen. Ganz und gar amerikanisch wird es zum Schluss, als die beiden Kandidatinnen im weißen Mercedes-Cabriolet stehend durch die Passage der Oldtimerfabrik kutschiert und anschließend hundert Luftballons mit den Konterfeis der beiden Frauen in den Abendhimmel geschickt werden.

Schon der Versammlungsort ist für die CSU atypisch: Die CSU-Wahlmänner und Frauen tagen in der Oldtimerfabrik in Neu-Ulm. „Ich sehe Oldtimer“, sagt der CSU-Kreisvorsitzende Thorsten Freudenberger und beeilt sich jedoch zu betonen, dass er nicht die vereinzelt betagten Gesichter der Delegierten, sondern die automobilen Raritäten im Tagungsort meint. Dort stellt der CSU-Kreisverband als erste Partei im Landkreis am Montag die personellen Weichen für die Landtagswahl.

Das Ergebnis der Abstimmung über Merks Nominierung fällt für Beate Merk wenig schmeichelhaft aus, wie einer der Delegierten im Anschluss feststellt. Die seit heute 55 Jahre alte Ministerin für Justiz und Verbraucherschutz bekommt in geheimer Abstimmung nur 82 von 93 möglichen Stimmen. Katrin Albsteiger, die Senkrechtstarterin aus Elchingen, dagegen wird in offener Wahl einstimmig als Kandidatin für die Bezirksliste vorgeschlagen. Ob sie über die schwäbische Liste den Einzug ins Maximilianeum schaffen wird, ist fraglich und hängt entscheidend von ihrem Platz auf der CSU-Bezirksliste ab. Die Chancen, dass die Landesvorsitzende der Jungen Union den Spitzenplatz bekommt, stehen gut. Kaum einen Zweifel gibt es, dass Beate Merk als Direktkandidatin im Stimmkreis das Direktmandat holen und damit die Nachfolge von Peter Schmid aus Schwaighofen antreten wird.

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Merk und Albsteiger wollen alles dafür tun, dass der Stimmkreis Neu-Ulm auch künftig mit zwei Abgeordneten im Maximilianeum vertreten ist. Das Ziel bei der Wahl in mehr als einem Jahr formulierte Peter Schmid klar, als er Bilanz zieht über die Zeit seiner Wiederwahl vor vier Jahren: „Wir müssen den verspielten Kredit wieder zurückholen.“ Soll heißen: Die CSU strebt wieder die Alleinherrschaft in Bayern an. Beifall brandet auf, als Schmid den Landesfinanzausgleich geißelt, weil der die „Untätigen belohnt und die Fleißigen bestraft“. Schmid spricht den Delegierten aus der schwarzen Seele, wenn er Bayern in den höchsten Tönen lobt und die bevorstehende Landtagswahl als entscheidend für die Zukunft des Landes bezeichnet.

Mit einem neuen, betont jungen und auf amerikanisch getrimmten Stil überrascht Beate Merk nicht nur Wahlleiter Herbert Pressl, sondern auch die überwiegend älteren Delegierten, die eher skeptisch dreinblicken, als ihnen zunächst Videobotschaften mehr oder weniger prominenter Landkreisbürger vorgeführt werden. Da präsentieren sich neben Ex-Kreisbrandrat Alfred Raible, Hochschulpräsidentin Uta Feser und dem Roggenburger Klosterherren Pater Gilbert auch Neu-Ulms Augus-Theater-Chef Heinz Koch, eine Pädagogin der Emil-Schmid-Schule und der Emershofer Landwirt Sebastian Knaur als Wahlkampfhelfer. Dazwischen greift der Pfaffenhofener Bürgermeister Josef Walz zur Gitarre und schmachtet einen Wahlkampfsong ins Mikrofon. Trotz mehrfacher Aufforderung will keiner den Refrain „Beate Merk, das ist unsere Wahl, drum stimmen wir für sie alle im Saal“ mitträllern.

Erst dann kommt die Ministerin zu Wort, spricht viel von Heimat, Herzensangelegenheit und Geborgenheit, nennt ihre sieben, politischen Schwerpunkte. Die Sicherheitspolitik, die Wirtschafts-und Arbeitsmarktpolitik, die Förderung der Kultur, den Schutz von Natur und Landschaft, die Finanzpolitik und eine moderne Politik für alle Generationen. Und sie will weiter dafür sorgen, dass Neu-Ulmer Belange in München wie bisher Gehör finden, verspricht die Ministerin, bevor noch ein Filmchen eingespielt wird. „Momente von Daheim“, heißt das Video, das blühende Landschaften, Kirchen, Rathäuser, Städte und Flüsse im Landkreis zeigt.

An Merks Seite wird Katrin Albsteiger aus Elchingen als Kandidatin auf der schwäbischen Bezirksliste in den Landtagswahlkampf ziehen. Die 28-Jährige hat eine steile innerparteiliche Karriere hinter sich, steht als erste Frau an der Spitze der 30000 Mitglieder zählenden jungen Union, und in der Vergangenheit nach Aussage von Thorsten Freudenberger bewiesen hat, dass sie eine mutige Frau ist, die niemandem nach dem Mund redet und sich mit ihren Ansichten auch mal gegen Ministerpräsident Seehofer und das Parteiestablishment stemmt.

Weggefährten wie Frank Hübner aus der Münchner CSU-Geschäftsstelle attestieren der Elchinger Kreis- und Gemeinderätin Mut, klaren Willen und einen Hang zum Perfektionismus. Die 28-Jährige, die Volkswirtschaftslehre und Politikwissenschaft studiert hat, arbeitete zwei Jahre lang in der CSU-Landesleitung und kam über den Energiekonzern Eon jetzt zu den Stadtwerken Ulm/Neu-Ulm (SWU). Ob sie den Einzug ins Maximilianeum schafft, hängt entscheidend vom Gesamtergebnis der CSU ab. Die Neu-Ulmer Christsozialen wollen alles dafür tun, dass die JU-Landeschefin den Spitzenplatz auf der CSU-Bezirksliste bekommt.

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