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Mobilität

17.12.2014

Car2go: Rückzug hat begonnen

Die kleinen, weiß-blauen Mietflitzer verschwinden von der regionalen Landkarte.
Bild: Oliver Helmstädter

Jeden Tag gibt es weniger Miet-Smarts auf den Straßen der Region. Neujahr ist Schluss

Von Oliver Helmstädter

Der Anfang vom Ende schickt seine Boten voraus: Die zuletzt noch 200 Miet-Smarts der Daimler-Carsharing-Firma Car2o werden derzeit nach und nach eingesammelt und auf Autotransporter verladen. Vermutlich bis zur Silvesternacht werde es dauern, bis die weiß-blauen Flitzer komplett aus dem Stadtbild verschwunden sind. Bis dahin könne jedes der Mietautos, das sich noch auf der Straße befindet,  benutzt werden, sagt Pressesprecher Andreas Leo. Die Flotte würde nicht auf einmal komplett aus dem Betrieb genommen, sondern Stück für Stück.

Aus Ulm, Neu-Ulm und Senden verabschiedet sich das Produkt regionalen Know-hows mit einer Erfolgsmeldung: Im italienischen Florenz begrüßten die Stuttgarter den millionsten Car2go-Nutzer. Damit sei der von Daimler in Ulm entwickelte Mobilitätsservice zum weltweit größten Carsharing-Unternehmen geworden.

Car2go: Rückzug hat begonnen

Insgesamt 12500 Car2gos sind in den aktuell 30 Standorten unterwegs – rund 1300 davon batterieelektrisch angetrieben. Mit den Fahrzeugen wurden mehr als 32 Millionen vollautomatische Mietvorgänge absolviert. Inzwischen beginnt alle 1,5 Sekunden eine Car2go Miete: rund 400000 je Woche. Innerhalb des vergangenen Jahres haben sich die Mietvorgänge verdreifacht. In der Region werden es seit Anfang des Jahres immer weniger. Doch als Daimler im Januar verkündete, dass nur noch 200 statt 300 der weiß-blauen Smarts durch die Gegend fahren, ahnte kaum jemand, dass es bis Ende Dezember kein einziger mehr sein wird. Mit Veränderungen in Preisstruktur und Flotte wurde vergeblich versucht, das eigentlich für Metropolregionen wie Berlin oder London entwickelte System in die Profitzone zu fahren. Ulm ist mit 31 Cent pro Minute die teuerste Car2go-Stadt in Deutschland, sonst werden 29 Cent verlangt. Hier war und ist für Daimler schlichtweg kein Geld zu verdienen. Da half es auch nichts, dass sich rund um Ulm die Zahl der Mieten seit dem Start im Frühjahr 2009 kontinuierlich gesteigert hatten und zeitweise bei über 7000 je Woche lag. Unter den 20000 registrierten Kunden waren zu viele „Karteileichen“, die sich bei dem System anmeldeten, als dies noch kostenlos war, aber nie Car2go nutzten. Wie der damalige Projektleiter Robert Henrich schon vor vier Jahren betonte, könne Car2go in Ulm „maximal eine schwarze Null“ erreichen. Ulm galt und gilt mit seinem Forschungszentrum immer noch als Spielwiese des Weltkonzerns in Sachen Mobilität. Die Ulmer Daimler-Tochter TISS entwickelte mit etwa 30 IT-Spezialisten die „Telematik“, das technische Herzstück von Car2go.

Die 200 Car2gos der Region werden bald auf dem Gebrauchtwarenmarkt zu finden sein: Auf Vordermann gebracht, ohne das Steuerungssystem Telematik und ohne Beklebung. Aber mit der Gewissheit, ein Teil der Automobilgeschichte zu sein.

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