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Neu-Ulm

18.12.2016

Chillen mit dem Pandamann

Cro in der Ratiopharm-Arena.
Bild: Martina Dach

Rapper Cro lässt es bei seinem Auftritt in der Arena gewohnt „easy“ angehen – diesmal allerdings in Begleitung eines Orchesters. Aber unaufgeregt heißt bei ihm nicht unaufregend.

„Never grow up“, zu Deutsch: Niemals erwachsen werden, rappt Cro in einem seiner Songs am Freitagabend. Ganz nach diesem Motto scheint der 26-Jährige auch zu leben. Bei seinem Konzert in der Ratiopharm-Arena performt der Stuttgarter in einem samtartigen, schlafanzugähnlichen Outfit – natürlich nicht ohne seine berühmte Panda-Maske im Gesicht. Doch es ist kein normales Cro-Konzert, sondern Teil der tourenden Zugabe für die „MTV Unplugged“-Session: Bei dieser Reihe kommen klassische Instrumente statt elektronischen Sounds zum Einsatz. Akustisch und ungeschönt soll diese besondere Art von Konzerten sein.

Nicht gerade ideale Voraussetzungen für ein Hip-Hop-Konzert, lebt das Genre doch zu einem guten Teil von dicken Beats und mächtigen Bässen. Mächtig ist allerdings auch das, was der Panda-Mann an Personal auf die Bühne in der mit 5000 Fans gefüllten Arena bringt: Cro, der seine Musik selbst als eine Mischung aus Rap und Pop-Musik bezeichnet, interpretiert mithilfe eines 19-köpfigen Orchesters Songs aus seinen beiden Nummer-eins-Alben neu. So wird der Panda-Rapper zu Texten wie „Alles was ich brauche ist meine Gang“ und „Ab jetzt wird alles easy, denn du bist mir egal“ von Geigen und Trompeten begleitet.

Neben vielen Anglizismen scheint der Stuttgarter vor allem eines zu lieben – das Chillen. Jedenfalls rappt er ständig davon, und man glaubt es ihm auch. Cro, dessen Gesicht dank Maske in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt ist, scheint kein Mann der großen Worte zu sein. Ab und an ein „Ulm, geht’s euch gut?“ und ein, zwei ankündigende Sätze vor jedem Song sind so ziemlich alles, was der Deutschrapper zwischen den Songs an Worten verliert. Im Gegensatz zu denen anderer Deutschrapper handeln Cros Texte so gut wie nie von Gewalt oder Sex, sondern von Liebe, Freundschaft und davon, das Leben möglichst entspannt anzugehen. Bei Konzerten in der Doppelstadt oft gehörte Nachfragen, ob man denn jetzt in Ulm oder Neu-Ulm sei und was heute Abend noch „so ginge“, kauft man dem 26-Jährigen deshalb glatt als ehrliches Interesse ab. Vielleicht ist diese, etwas verschlafene Zerstreutheit gerade das, was den Erfolg des Rappers in den letzten Jahren ausgemacht hat. Der Mitschnitt von „MTV unplugged“ kletterte nach Veröffentlichung direkt auf Platz eins der Albumcharts im deutschsprachigem Raum und auch die zugehörige Single „Bye Bye“ führte die Spitze der Charts an.

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Hysterische Kreisch-Anfälle halten sich in der Arena jedoch in Grenzen. Auch wenn das Publikum größtenteils aus Jugendlichen und jungen Erwachsenen besteht, von denen auch einige ihre Fanshirts und Panda-Masken herausgekramt hatten, unterscheidet sich das Unplugged-Konzert doch spürbar von regulären Cro-Auftritten. Ein bisschen leiser und ein bisschen weniger aufgeregt kommt einem die Orchester-Version der Hits entgegen.

Etwa Aufregung gibt es lediglich, als Cro gegen Mitte seines Konzerts eine unangekündigte Pause einlegt – sie dient dem Outfitwechsel und Bühnenumbau. Als er dann aber mit zwei anderen Rappern zurückkommt, von denen er einen als „Toni“ vorstellt und sich für eine Nummer sogar selbst ans Klavier setzt, ist bei seinen Fans bald alles schon wieder „easy“ – auch, dass es am Schluss keine Zugabe gibt, werden seine Fans dem sympathischen, etwas drollig daherkommenden Stuttgarter sicher verzeihen.

Entspannt dürften nach dem Konzert auch die Mitarbeiter der Arena sein: Der Auftritt markierte den Abschluss des Programms zum fünfjährigen Bestehen der Halle. Zu den vier Veranstaltungen – neben Cro noch die „Teddy Show“, Eros Ramazzotti und das Heimspiel der Ulmer Basketballer gegen Bamberg – kamen insgesamt 20000 Besucher.

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