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Ulm

01.12.2016

Citybahnhof: Nur die kleine Variante?

Der Ulmer Hauptbahnhof aus der Vogelperspektive: Der Steg am Bildrand links oben wurde 2011 gebaut. Dieser soll 2018 mit barrierefreien Zugängen zu den Gleisen erweitert werden.
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Der Ulmer Hauptbahnhof aus der Vogelperspektive: Der Steg am Bildrand links oben wurde 2011 gebaut. Dieser soll 2018 mit barrierefreien Zugängen zu den Gleisen erweitert werden.
Bild: Alexander Kaya

Die Bahn sicherte für 2018 den seit Jahren geforderten barrierefreien Zugang aller Gleise zu. Warum sich die Freude darüber im Stadtrat allerdings in Grenzen hält.

Ulm Nächstes Jahr kommt Bewegung in das Dauerthema Ulmer Hauptbahnhof: Wie Ulms Oberbürgermeister Gunter Czisch bei den Haushaltsberatungen für den Bereich Bau und Stadtentwicklung sagte, habe die Verwaltung die feste Zusage der Deutschen Bahn, dass kommendes Jahr ein barrierefreier Auf- und Abstieg zu sämtlichen Gleisen ausgeschrieben werde. Im Jahr 2018 sollen die neuen Zugänge per mehrerer neuer Aufzüge und Treppen über den im Sommer 2011 erbauten Steg fertig sein.

Was auf den ersten Blick wie eine gute Nachricht aussieht, könnte allerdings auch eine Schattenseite haben. So befürchten nicht wenige Gemeinderäte, dass sich die Bahn durch diese Zusage von der „großen Lösung“ verabschiede und den vorhandenen Bahnhof quasi nur neu weißelt. Gunter Czisch betonte zwar, dass Bahnchef Grube jüngst beim Durchstoß des Albabstiegstunnels gesagt habe, dass in Ulm ein „schöner, neuer Bahnhof“ gebaut werde. Doch auch das Stadtoberhaupt bemüht das Prinzip Hoffnung. Czisch sagte, dass zusätzlicher öffentlicher Druck aufgebaut werde, wenn die hochmoderne Neubaustrecke am doch ziemlich maroden Bahnhof in Ulm Halt mache.

Von „unmöglichen Zuständen“ am Hauptbahnhof sprach zuvor Dorothee Kühne, die Fraktionsvorsitzende der SPD. Nur durch den ehemaligen Gepäcktunnel gelangen Fahrgäste mit Rollstuhl derzeit zu den Gleisen. Er führt jedoch nicht bis zum Bahnsteig der Gleise 7 und 8, sodass diese nicht barrierefrei zu erreichen sind. Aufzüge gibt es nicht. Kühne: „Die Zeit der freundlichen Worte ist vorbei. Wir müssen Druck erzeugen.“

Denkbar ist in anbetracht dieser seit Jahren bemängelten Zustände, dass die Bahn die barrierefreien Auf- und Abgänge am Steg nur als Übergangslösung betrachtet bis der eigentlich versprochene „Citybahnhof“ steht. Doch wer weiß, wie lange Entscheidungsprozesse bei der Bahn oftmals dauern, dem wird klar, dass die vermeintliche Übergangslösung auch auf viele, viele Jahre angelegt sein könnte. Bei der zuständigen Pressestelle der Bahn gab es dazu gestern keine Auskunft. Der zuständige Experte für die betreffende Fachabteilung sei die ganze Woche nicht zu erreichen.

Erklärtes Ziel der Stadtverwaltung ist freilich jener neue Citybahnhof, der das Dichterviertel an der Schillerstraße und die Innenstadt mit dem Bahnhof verknüpft. Das Problem sind wie so oft die Kosten: Mit 40 Millionen Euro ist allein der Bau eines Tunnels von der Schillerstraße bis zum Bahnhofsplatz veranschlagt. Den Löwenanteil davon müsste die Bahn finanzieren, lediglich die Anbindung des Dichterviertels würde auf die Stadt Ulm zurückfallen, weil es hier um mehr geht als den bloßen Betrieb des Bahnhofs. Für die Modernisierung des restlichen Bahnhofs veranschlagte die Deutsche Bahn im Jahr 2015 130 Millionen Euro.

Ob mit oder ohne neues Bahnhofsgebäude: Stadtplaner erwarten durch die Eröffnung der Schnellbaustrecke einen Boom für sämtliche Wohnlagen rund um den Bahnhof.

Die Neubaustrecke soll 2021 in Betrieb genommen werden, zusammen mit Stuttgart 21, dem neuen Tiefbahnhof, mit dem der Bahnknoten in der Landeshauptstadt neu geordnet wird. Die Fahrt von Ulm nach Stuttgart soll sich künftig im Fernverkehr von etwa 55 Minuten auf eine halbe Stunde verkürzen.

Rund 1000 neue Wohnungen entstehen im Dichterviertel zwischen den Bahngleisen und der Bundesstraße B 10. Wohnungen die sehr begehrt sein werden, wenn von dort aus die Stuttgarter Innenstadt in weniger als 30 Minuten erreichbar sein wird. Dass das Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt haben wird, liegt auf der Hand. Die langjährig stillgelegte Industriebrache erwacht bereits zu neuem Leben. Der Startschuss ist wie berichtet mit dem erfolgten Spatenstich des Bauprojekts von „Pro Invest“ längst gefallen.

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