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Landkreis Neu-Ulm

06.04.2021

Corona: Intensivbetten im Kreis Neu-Ulm sind nahezu voll

Auf den Intensivstationen kämpfen Ärzte und Pflegekräfte seit einem Jahr um das Leben von an Covid 19 schwerst erkrankten Menschen. Derzeit werden die Bettenkapazitäten knapp.
Foto: Kay Nietfeld, dpa (Symbolbild)

Plus Bundesweit werden die Intensivbetten knapp, auch im Landkreis Neu-Ulm. Das hat auch etwas mit dem Alter der Corona-Patienten zu tun.

Die dritte Corona-Welle hat bundesweit die Betten in den Intensivstationen gefüllt. Mancherorts gehen die Kapazitäten zur Neige. Auch im Landkreis Neu-Ulm sind nach Angaben der Kreisspitalstiftung Weißenhorn zwischen 90 und 100 Prozent der Intensivbetten belegt. Dennoch versichert Stiftungssprecherin Edeltraud Braunwarth auf Nachfrage unserer Redaktion: Wir können alle behandeln. Wie ist die Lage?

Exakte Zahlen sind für den Landkreis schwer zu bekommen. Eine Anfrage unserer Redaktion, die noch vor Ostern gestellt wurde, beantwortete Verwaltungsdirektor Jörg Priesing in einer am Dienstag von der Stiftung verschickten Pressemitteilung folgendermaßen: Es seien 90 bis 100 Prozent der freien intensivbetten belegt, wie im gesamten Bereich der Integrierten Leitstelle Donau-Iller in Krumbach. Das gelte auch für die vergangenen Tage. Allerdings hat Priesing diese Äußerung bereits am Gründonnerstag getätigt, wie der Mitteilung zu entnehmen ist. Seine Bestandsaufnahme deckt sich in etwa mit den Zahlen aus dem sogenannten Intensivregister der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI). Das liefert einen deutschlandweiten tagesaktuellen Überblick darüber, wie viele Intensivbetten noch frei sind.

Fünf Covid-Patienten liegen auf der Intensivstation

Für den Landkreis Neu-Ulm meldet das Register, Stand Dienstag, 6. April, 12.15 Uhr, dass hier aktuelle fünf Covid-19 Patientinnen und Patienten behandelt werden. Von insgesamt 17 Intensivbetten seien derzeit noch zwei frei. Das entspricht zwölf Prozent und ist etwas weniger als in den Kreisen Kreis Günzburg (15 Prozent), Unterallgäu (14 Prozent), Alb-Donau (21 Prozent) und der Stadt Ulm (14 Prozent). Bayernweit beläuft sich der Anteil der freien Intensivbetten laut DIVI-Register auf 13,1 Prozent.

Im Vergleich zu den ersten beiden Corona-Wellen sei eine Zunahme von stationären Patienten im Alter zwischen 35 und 80 Jahren festzustellen. Wie Priesing erklärt, waren die meisten stationär behandelten Covid-Betroffenen der der ersten zwei Wellen zwischen 80 und 90 Jahren alt. Es habe hier eine deutliche Verlagerung stattgefunden. Das wiederum bleibt nicht ohne Folgen für die Versorgungskapazitäten.

Jüngere Covid-Patienten liegen länger im Krankenhaus

Nach den Worten von Stiftungssprecherin Edeltraud Braunwarth liegen jüngere Menschen mit schweren Krankheitsverläufen deutlich länger auf der Intensivstation. Patienten jenseits der 80 seien eher früher als später ihrer Erkrankung erlegen. Die jüngeren Betroffenen haben deutlich bessere Überlebenschancen, doch dafür müssen länger in der Klinik bleiben. Braunwarth versicherte, es gebe für alle Covid-Patienten Platz: "Wir schicken niemanden weg." Die entsprechenden Kapazitäten würden nach den Bedürfnissen angepasst. Das heißt: Es müssen dann eben Eingriffe, bei denen zu erwarten steht, dass die Patienten anschließend eine Intensiv-Behandlung benötigen, verschoben werden.

Behandelt werden in den Kreiskliniken auch Covid-Patienten, die eine künstliche Beatmung brauchen. Davon betroffen ist nach Darstellung des DIVI-Registers derzeit im Landkreis eine Person. Allerdings werden Menschen, die eine sogenannte ECMO-Behandlung bekommen, an die Uniklinik nach Ulm verlegt. Bei der sogenannten "extrakorporalen Membran-Oxygenierung (ECMO)" wird das venöse Blut außerhalb des Körpers in einer Maschine mit Sauerstoff angereichert und dann ins arterielle Blutgefäßsystem zurückgeleitet. Das Verfahren funktioniert also wie eine Lunge außerhalb des Körpers. Es ist die "höchste Form der Beatmung", wie es Edeltraud Braunwarth nennt.

Das Pflegepersonal im Landkreis Neu-Ulm ist knapp

Sollte die Pandemie noch eine Zeitlang andauern und sich die Erkrankungszahlen exponentiell nach oben entwickeln, könnte dies nach Einschätzung von Verwaltungsdirektor Priesing für viele Kliniken zum Problem werden, da nicht nur Beatmungsplätze fehlen, sondern auch das nötige Pflegepersonal. Doch das sei ja schon seit langer Zeit ein Problem im Gesundheitswesen, insbesondere im Intensivbereich. Er versichert: "Wir sind darauf vorbereitet, um auf die kommenden Entwicklungen, im Rahmen unserer Möglichkeiten, bestmöglich und vor allem zeitnah reagieren zu können. Dies hat unser Personal seit über einem Jahr mehrmals unter Beweis gestellt und wir sind auch weiterhin von der Qualität und Einsatzbereitschaft unserer Mitarbeiter überzeugt."

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