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Ulm/Neu-Ulm

04.01.2021

Corona-Kampagne von Ding: Warum Hellmut Hattler mit Maske Gesicht zeigte

Hellmut Hattler auf einem Plakat, das Unbekannte mit dem Wort „Schafe“ beschmiert haben.
Bild: Ding

Plus Musiker Hellmut Hattler sieht für sich ein besonderes Risiko durch Corona und denkt auch an andere. Seine Partnerin Siyou hat schlimme persönliche Erfahrungen gemacht.

Die Gospelsängerin Isabelle Ngnoubamdjum – alias Siyou – ist ein bekanntes Gesicht auf Plakaten. Ihr Lebensgefährte Hellmut Hattler dagegen zeigte sein Gesicht bislang nicht auf City-Postern. Dass er es in einer aktuellen Kampagne „Helden erkennst du schon an der Maske“ doch tat, hat besondere Gründe.

Hellmut Hattler hat eine Leukämie-Erkrankung hinter sich.
Bild: Alexander Kaya (Archivfoto)

Der Verkehrsverbund Ding wollte in der Stadt Ulm und in den Landkreisen Neu-Ulm, Alb-Donau und Biberach im Dezember eine positive Grundeinstellung von Menschen zur Maskenpflicht vermitteln. Seit dem Jahreswechsel läuft eine neue Aktion mit einer ähnlichen Botschaft. Dass Hattler sich beteiligte, hat besondere Gründe. Der Bassist zeigte Gesicht mit Maske, weil er Menschen schützen will und weil er geschützt werden will. Nach einer Stammzellentransplantation, die nach der Diagnose einer Leukämie-Erkrankung 2017/18 sein Leben rettete, ist Hattler in der Pandemie ganz besonders auf das Verantwortungsbewusstsein anderer angewiesen. Überlebenswichtig ist es für ihn, dass andere ihre Verantwortung des Schutzes wahrnehmen, sagt Isabelle Ngnoubamdjum über ihren Partner.

Martin Ngnoubamdjum, der Vater der Sängerin Siyou, starb an Corona

Die Lebenssituation des in Aufheim wohnenden Paares hat beide bereits ganz zu Anfang der Corona-Epidemie zu einer inneren Auseinandersetzung mit der Krankheit gezwungen. Wie gut sein Immunsystem nach der Transplantation funktioniert, weiß Hellmut Hattler nicht. „Ich passe sehr auf. Aber es wäre Wahnsinn, würde ich jetzt mein Leben aufs Spiel setzen, nach den Kosten der Transplantation und dem Kampf, nach allem, was getan wurde, um mein Leben zu retten. Dann wäre alles für die Katz’ gewesen.“

Isabelle Ngnoubamdjums Vater war der erste Corona-Tote in Pforzheim. Der evangelische Seelsorger Martin Ngnoubamdjum fiel der damals erst kurz in Deutschland aufgetretenen Krankheit am 30. März 2020 zum Opfer – 74-jährig und bis unmittelbar vor seinem Tod im Dienst der Kirche unterwegs. „Ein paar Tage, bevor er erkrankte, war er auf einer Trauerfeier“, erzählt seine Tochter.

Corona-Aktion in Ulm und Neu-Ulm: Viel Lob für Hellmut Hattler

Sängerin Siyou verlor ihren Vater durch Covid-19.
Bild: Andreas Brücken (Archivfoto)

Viel Zuspruch hat Hellmut Hattler in den sozialen Medien erfahren dafür, dass er Position pro Maskentragen und pro Verantwortung bezieht. Aber er wurde auch angegriffen – ein früherer Fan des Musikers schrieb beleidigende Posts und kündigte an, er werde alle seine Hattler-Tonträger wegen Hattlers Teilnahme an dieser Kampagne vernichten. Dass sein Poster – wie das anderer Teilnehmer – mit „Schafe“ überschmiert wurde, das tue schon weh, sagt Hattler. „Das ist eine Hysterie. Eine Ideologie mit fast religiösen Zügen. Die Querdenker sagen, dass sie die Zusammenhänge sehen – dass die Menschen überwacht und manipuliert werden sollen. Aber das ist Quatsch. Sehen die nicht, dass alle Staaten der Erde synchron unter der Pandemie leiden? Da kommen Leute aus der Deckung, die unter Aufmerksamkeitsdefizit leiden“, sagt Hattler. „Ich fühle mich geschützt, weil Masken getragen werden.“ Erst vor Tagen habe seine Partnerin in einem Supermarkt eine Frau ohne Maske angesprochen. Die Antwort? Corona sei eine „natürliche Auslese“.

Er selbst ist in einem Haushalt aufgewachsen, wo gern Globuli eingesetzt wurden. „Da muss man als Kind durch“, erzählt Hellmut Hattler schmunzelnd. „Aber sobald etwas ideologisch wird, ist es scheiße, egal um welche Ideologie es sich handelt.“ Das Wort „Verantwortung“ taucht immer wieder auf, wenn Hellmut Hattler und Isabelle Ngnoubamdjum über ihre Einstellung in der Pandemie sprechen. „Es macht mich traurig, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der Menschen nicht bereit sind, Verantwortung für andere zu übernehmen“, sagt die Sängerin. Sprachlos sei sie oft, fassungslos, wenn sie Leserbriefe an Medien lese, die eine Abschaffung der Maskenpflicht fordern. „Ich kann nicht verstehen, was für ein Wirbel gemacht wird um das kleine Ding Mund-Nasen-Schutz.“

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