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Landkreis

21.03.2020

Corona: Kirchen im Landkreis Neu-Ulm müssen neue Wege gehen

Zwei Jugendliche in Senden organisieren für die Gemeindemitglieder einen Livestream aus der Auferstehungskirche.
Bild: Angela Häusler

Plus Das Coronavirus und die damit verbundenen Kontaktbeschränkungen stellen die Seelsorger im Landkreis Neu-Ulm vor Herausforderungen. Wie die Kirchen diese angehen.

Es sei eine Zwickmühle, in der er sich gerade befinde, sagt Karl Klein. Er ist katholischer Pfarrer in Neu-Ulm. In Krisenzeiten sei sein erster Impuls eigentlich, mehr Gottesdienste zu veranstalten, den Menschen mehr Angebote zu machen, um gemeinsam zu beten und die schwere Zeit gemeinsam durchzustehen. „Gerade jetzt ist die Sehnsucht der Menschen groß, sich gegenseitig zu stärken, auch im Gebet“, sagt der Priester.

Doch dem gegenüber steht die Notwendigkeit, die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. So appelliert er an die Gläubigen, zu Hause zu bleiben und keine unnötigen Infektionsrisiken einzugehen. Die Gottesdienste in der Pfarrei Neu-Ulm finden, wie auch in allen anderen Gemeinden, bis auf Weiteres ohne Besucher statt. „Die Priester feiern die Messen dann allein“, sagt Klein. Doch das bedeute keinesfalls, dass man die Gläubigen vergisst: Alle werden ins Gebet miteingeschlossen, verspricht er.

Wer in diesen Tagen mit Pfarrer Klein oder anderen Geistlichen spricht, merkt schnell, wie schwer es ihnen fällt, nicht in dem Umfang für die Gläubigen da sein zu können, wie sie es gerne wären. Kleins Pfarrei ist auch für die katholische Seelsorge in der Donauklinik und einer Reihe von Seniorenheimen zuständig. Die Besuchsdienste, die von ehrenamtlichen Helfern übernommen werden, müssen derzeit entfallen. Klein darf aber beispielsweise das Krankenhaus in Ausnahmefällen betreten, wenn ein Schwerkranker oder im Sterben Liegender einen Priester für die Krankensalbung verlangt. So ist bisher die Vereinbarung mit der Klinikleitung. Er hofft, dass die Schutzmaßnahmen nicht so weit verschärft werden müssen, dass das nicht mehr möglich ist.

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Menschen können den Pfarrer per Telefon erreichen

In der Pfarreiengemeinschaft (PG) Altenstadt hat Pfarrer Thomas Kleinle eine Telefonnummer eingerichtet, unter der er auch außerhalb seiner üblichen Bürozeiten für seelsorgerische Anliegen erreichbar ist. Wer über seine Sorgen oder Ängste sprechen möchte, kann ihn unter der 08337/9005321 erreichen. Pfarrer Kleinle sucht weitere Wege, mit den Gläubigen in Kontakt zu bleiben. „Wir sind derzeit auf alle Fälle am Ausprobieren.“ Wenn technisch alles klappt, wird die Messe am Sonntag, die er allein zelebriert, live im Internet auf der Homepage (pg-altenstadt.de) zu sehen sein. Auch Palmbuschen und Osterkerzen soll es heuer trotz Corona für die Gläubigen geben. Sie werden am Palmsonntag vor der Kirche liegen. Im Falle einer Ausgangssperre wolle er versuchen, die Buschen vor Lebensmittelläden zu legen, sagt Kleinle.

Die Sonntagsmesse in der eigenen Wohnung mitfeiern – das können evangelische Christen aus Senden bereits seit vergangenem Sonntag: Aus der Auferstehungskirche wird der Gottesdienst ins Internet übertragen. Möglich machen das zwei Jugendliche aus der Gemeinde. „Wir hatten die Idee schon länger, aber durch die jetzige Situation haben wir gesagt: Jetzt wird es Zeit“, berichtet der 17-jährige Christoph Rüd, der mit seinem 18-jährigen Mitstreiter Richard Mehr die Übertragung der Gottesdienste technisch bewerkstelligt. Wichtig war den beiden Jugendlichen, dass die Gottesdienste online ohne große Vorkenntnisse erreichbar sind. „Wir hoffen, damit auch ältere Leute zu erreichen“, sagt Rüd.

Die Übertragung ist jeden Sonntag um zehn Uhr zum einen auf der Homepage der Kirchengemeinde (auferstehungskirche-senden.de) zu sehen und über die Plattform Twitch. Nutzer brauchen, abgesehen von einem Gerät mit Internetverbindung, keine weiteren technischen Voraussetzungen und müssen sich auch nirgends anmelden, um die Messen gucken zu können.

In Senden können Menschen den Gottesdienst digital verfolgen

Einen leistungsstarken Computer mit Internetanschluss, Webcam, Mikrofon – viel mehr brauchte es nicht, um die Gottesdienste aufzunehmen. Die Kenntnisse haben sich die Jungs selbst erarbeitet – und die Geräte zum Teil selbst mitgebracht. Vorhanden war ein Beamer, der schon zuvor die Liedtexte an die Kirchenwand projizierte. Mithilfe eines speziellen Geräts blenden die zwei Techniker die Worte in ihre Aufnahme ein, sodass die Zuschauer zu Hause die Kirchenlieder mitsingen können. „In der Spitze hatten wir 61 Geräte, von denen aus zugeschaut wurde“, sagt Rüd über den ersten Testlauf. Viel mehr als erwartet, „wir hatten gedacht, wenn es zehn werden, sind wir für den Anfang zufrieden“.

Hinter einigen der zugeschalteten Computer oder Handys dürften mehrere Zuschauer gesessen haben. „Wir hatten einige Rückmeldungen – es kam sehr gut an“, berichtet Pfarrerin Bohe, die sich über die Initiative der beiden Jugendlichen sehr freut. Zumal sie weiß, dass viele Gläubige gerade wegen der verunsichernden Situation rund um die Pandemie geistlichen Beistand suchen. Anders als bei großen Fernsehgottesdiensten können die Gemeindemitglieder so die gewohnten Pfarrer bei der Andacht verfolgen. „Das ist natürlich keine perfekte Inszenierung bei uns, sondern halt so, wie wir es immer machen“, sagt Bohe. Doch vielleicht helfe gerade das Vertraute dabei, die Menschen zu stützen. Diese Live-Streams aus der Kirche wollen die Jugendlichen übrigens längerfristig organisieren, auch unabhängig von der Corona-Krise. Und in den umliegenden Kirchengemeinden haben sie schon Mitstreiter: Unter anderem hat man nun in der Klosterkirche Roggenburg begonnen, Messen ins Internet zu übertragen.

Illertissen und Vöhringen gehen neue Wege

Auch Illertissens Stadtpfarrer Andreas Specker versucht, die Gläubigen auf digitalem Weg zu erreichen. „Wir wollen einen lokalen und persönlichen Zug in diese ganze Sache bringen und versuchen deswegen, ab Sonntag den Gottesdienst aus Illertissen live ins Internet zu bringen.“ Zu erreichen ist der Gottesdienst aus Illertissen online. Stadtpfarrer Specker: „Natürlich kann das Ergebnis nicht so professionell sein wie bei anderen Angeboten, dennoch würden wir uns freuen, wenn viele Menschen dieses Angebot unterstützen.“ Geplant ist, über diesen Weg immer sonntags um 10.30 Uhr einen Gottesdienst zu übertragen, so lange keine öffentlichen stattfinden.

In Vöhringen sollen die Glocken, die während der Messe zur gewohnten Zeit geläutet werden, den Menschen als Zeichen der Verbundenheit und Hoffnung dienen, erklärt Dekan Martin Straub. Wer ein Gebetsanliegen hat, kann dies der Kirche per E–Mail (pg.voehringen@bistum-augsburg.de) übermitteln. „Wir werden besonders dafür beten“, verspricht der Dekan. Jochen Teuffel, evangelischer Pfarrer in Vöhringen, schickt jeden Morgen um 6 Uhr einen biblischen Tagesimpuls, der entweder online eingesehen oder per E-Mail abonniert werden kann. (mit ub)

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