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Ulm/Landkreis Neu-Ulm

27.03.2020

Corona-Tests in der Region laufen auf Hochtouren

In den Labors in der Region werden jeden Tag Hunderte Proben von Patienten mit Corona-Verdacht untersucht. Bis ein Ergebnis vorliegt, dauert es in der Regel ein bis zwei Tage.
Bild: Alexander Kaya (Symbolfoto)

Plus Jeden Tag werden in der Region Hunderte Bürger getestet, die erkrankt sein könnten. Die Zahl der Infizierten im Kreis Neu-Ulm steigt auf 100, doch es gibt auch Lichtblicke.

Die Kurve geht weiter nach oben, trotz der Ausgangsbeschränkungen, die die Ausbreitung des Coronavirus verlangsamen sollen. Im Landkreis Neu-Ulm gibt es mittlerweile 100 bestätigte Corona-Fälle, das sind sechs mehr als am Tag davor. In Ulm sind laut Gesundheitsamt 105 Menschen an Covid-19 erkrankt, im Alb-Donau-Kreis 197 (Stand jeweils vom Freitag). Doch wie viele Menschen werden eigentlich jeden Tag auf Sars-CoV-2 getestet und wie viele der Erkrankten sind inzwischen wieder genesen?

In Ulm und Ehingen gibt es mobile "Drive-in-Teststationen" für Corona-Verdachtsfälle

Wichtig ist: Wer befürchtet, sich mit dem Coronavirus angesteckt zu haben, weil er Symptome wie Fieber, Halsschmerzen oder Husten hat, sollte keinesfalls gleich in eine Arztpraxis oder ins Krankenhaus gehen, sondern zu Hause bleiben und umgehend den kassenärztlichen Bereitschaftsdienst unter der Telefonnummer 116117 oder seinen Hausarzt anrufen. Der entscheidet dann, ob man getestet wird oder nicht. Das ist in der Regel der Fall, wenn ein Patient typische Symptome aufweist, sich in den vergangenen 14 Tagen in einer Region mit Coronavirus-Fällen aufgehalten hat oder in den vergangenen 14 Tagen Kontakt zu einem bestätigten Corona-Patienten hatte. Für den Test entnimmt ein Arzt dem Patienten eine Probe aus den Atemwegen, beispielsweise durch einen Abstrich aus dem Rachen mit einem Wattestäbchen. Das passiert in der Praxis, in den Ambulanzen des Universitätsklinikums und des Bundeswehrkrankenhauses Ulm, bei den Leuten zu Hause oder in einer „Drive-in-Teststation“. Solche Einrichtungen gibt es unter anderem auf dem Ulmer Messegelände und in Ehingen.

Auf das abgesperrte Gelände dürfen nur Bürger, die einen Überweisungsschein von ihrem Hausarzt oder dem kassenärztlichen Bereitschaftsdienst bekommen haben, um sich testen zu lassen. Sie fahren mit ihrem Auto dort hin, Mediziner in Schutzkleidung machen bei ihnen einen Abstrich, dann geht es wieder nach Hause. Ein Sicherheitsdienst sorgt dafür, dass alles geregelt abläuft. An der Station arbeiten niedergelassene Ärzte aus der Region und Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), begleitet von dem Medizinnetzwerk „G’sundregion“ mit Sitz in Ehingen.

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In Ulm und im Alb-Donau-Kreis werden täglich 300 bis 500 Abstriche gemacht

„Die beiden Teststationen sind dauerhaft in Betrieb“, erklärte eine Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg. Das solle, wenn nötig, bis 30. Juni so bleiben. Täglich werden dort der Sprecherin zufolge 100 bis 200 Menschen getestet. In Ulm und im Alb-Donau-Kreis insgesamt würden 300 bis 500 Abstriche pro Tag durchgeführt.

Die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) kann die Zahl der Tests nicht auf den Landkreis Neu-Ulm herunterbrechen, sondern nennt diese nur für den gesamten Freistaat. Der stellvertretende Pressesprecher Axel Heise sagte, dass die KVB seit 2. März mehr als 32000 Proben genommen habe. Am Montag dieser Woche beispielsweise waren es 1907, nämlich 1258 via Hausbesuch und 649 in den Abstrichzentren. Eine mobile Teststation machte am Freitag vergangener Woche am Sendener Feuerwehrhaus halt. Nach Auskunft von Kreisbrandrat Bernhard Schmidt ließen sich dort innerhalb von vier Stunden 150 angemeldete Bürger prüfen. Wann eine solche Station wieder in den Landkreis kommt, ist derzeit noch offen. „Nach dem Willen der bayerischen Staatsregierung sollen in allen Landkreisen Drive-in- oder Drive-through-Stationen kommen“, sagte Heise auf Anfrage. „Da wir in Bayern 71 Landkreise haben, ist dafür noch einiges an Koordinierungsarbeit zu erledigen.“

Ausgewertet werden die Proben von privaten Labors, an der Uni Ulm und am Landesgesundheitsamt

Die Ergebnisse der Tests lägen nach etwa 24 bis 36 Stunden vor. Das sei im Moment aber auch von den Kapazitäten abhängig. „Die Labore arbeiten alle am Limit“, so Heise. Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg gibt es bei den Kapazitäten große Unterschiede: Die Uni Ulm könne etwa 100 Tests pro Tag auswerten, das Landesgesundheitsamt 150, das private Labor Schottdorf circa 2000.

Die Johns Hopkins University in den USA wertet Daten weltweit aus

Die Frage, wie viele der Infizierten wieder gesund sind, lässt sich nicht abschließend beantworten. „Denn die Menschen werden einfach wieder gesund, ohne sich dann noch mal bei irgendeiner Stelle zu melden“, so die Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung in Stuttgart. Die Johns-Hopkins-University in den USA, die Daten zu Corona-Erkrankungen weltweit auswertet, nennt auf ihrer Homepage Zahlen für ganz Deutschland: Demnach gab es bis Freitag bundesweit insgesamt 47373 gemeldete Corona-Fälle, 285 Menschen sind an Covid-19 gestorben, 5673 Patienten sind wieder genesen. Die amerikanischen Wissenschaftler stützen sich auf offizielle Stellen wie das Robert-Koch-Institut, aber beispielsweise auch auf Social Media und andere Quellen. Zahlen für einzelne Bundesländer oder Landkreise haben sie nicht.

Verfolgen Sie alle aktuellen Entwicklungen rund um das Coronavirus in unserem Live-Blog.

Das Landratsamt Neu-Ulm vermutet jedoch, dass auch ein Teil der Corona-Patienten aus dem Landkreis inzwischen wieder gesund ist. Experten gingen davon aus, dass Patienten im Durchschnitt circa 14 Tage nach Erkrankungsbeginn genesen seien, wenn es nicht zu schweren Krankheitsverläufen komme. „Demzufolge gäbe es rein rechnerisch heute fünf Personen im Landkreis Neu-Ulm, die wieder gesund sind“, teilte das Landratsamt am Donnerstag mit.

Polizei und Landratsamt sagen: Die meisten Bürger verhalten sich vorbildlich

Positiv ist aus Sicht der Kreisbehörde, wie die Bürger mit den Beschränkungen umgehen: „Nach unserem Kenntnisstand und der Rückmeldung der Polizei halten sich die meisten Menschen im Landkreis vorbildlich an die Allgemeinverfügung.“ Polizeipräsident Werner Strößner erklärte am Freitag: „Wir ziehen bisher eine positive Bilanz, was das Verhalten der Bürgerinnen und Bürger betrifft. Es werden in Relation zur Anzahl der Kontrollen tatsächlich nur wenige Personen angetroffen, die ohne triftige Gründe unterwegs sind.“ Bei 14552 Kontrollen wurden im Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West 440 Verstöße festgestellt.

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