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Landkreis Neu-Ulm/Ulm

27.01.2021

Corona-Zahlen im Kreis Neu-Ulm: Der Dezember war bisher der härteste Monat

Die Lockerungen über Weihnachten hatten Auswirkungen auf die Belegung der Intensivstationen, berichten Experten des Uniklinikums Ulm.
Foto: Ulrich Wagner (Symbolfoto)

Plus Täglich neue Zahlen zu Infektionen und Inzidenzen: Was bedeuten sie und wie macht sich Corona in den Kliniken bemerkbar? Ein Erklärungsversuch mit Zahlen und Grafiken.

Im Dezember stiegen die Zahlen der Corona-Infizierten im Landkreis nach und nach deutlich, die Sieben-Tage-Inzidenz lag zwischenzeitlich bei weit über 200. Seit dem Jahreswechsel schwankt dieser Wert zwischen knapp über und knapp unter 100. Nach Dreikönig wurden allerdings vorübergehend vergleichsweise viele neue Fälle gemeldet. Doch was bedeuten diese Zahlen überhaupt?

Zweifler kritisieren, dass mehr Tests zu mehr bekannten Infektionszahlen führen. Sie stellen infrage, ob die Zahl der Corona-Infizierten wirklich steigt. Ein Blick auf die Proben und Ergebnisse im ursprünglich in Senden eingerichteten und dann nach Weißenhorn umgezogenen Testzentrum des Landkreises zeigt: Die Zahl der Tests ist tatsächlich gestiegen (von 927 im Eröffnungsmonat September auf 1446 im Dezember) – die Quote der positiven Ergebnisse aber auch. Diese stieg von 0,54 Prozent im September über 2,28 Prozent im Oktober auf 2,85 Prozent im November.

Die Zahlen stammen aus Erhebungen des Landratsamts Neu-Ulm. Sprecherin Kerstin Weidner schränkt aber ein: „Eine Übersicht über alle gemachten Tests liegt uns leider nicht vor.“ Viele Tests würden unter anderem in Arztpraxen vorgenommen, dem Öffentlichen Gesundheitsdienst würden dann nur die bestätigten Fälle gemeldet, also positive Laborergebnisse.

Kreis Neu-Ulm Zahl der Coronatests und Anteil der positiven Ergebnisse stieg an

Im Dezember gab es im Testzentrum des Landkreises die meisten Tests, die Quote der positiven Ergebnisse sank auf 1,04 Prozent. Eine mögliche Erklärung: Vor Weihnachten ließen sich manche Bürgerinnen und Bürger auch ohne Symptome oder Risikokontakte vorsichtshalber testen, um bei den Treffen mit der Familie niemanden zu gefährden.

Wie tödlich ist Covid-19? Insgesamt 83 Corona-Tote sind seit Beginn der Pandemie beim Landratsamt Neu-Ulm erfasst. Auch hier war die Zahl im Dezember die höchste, 35 Todesopfer wurden gemeldet. Auch im April 2020 (20) und im Januar 2021 (19) war die Zahl zweistellig, der nächsthöchste Wert waren fünf Corona-Tote im Mai. Bei der Interpretation der Zahlen gilt aber Vorsicht, mahnt Kerstin Weidner aus dem Landratsamt: Sie fließen erst dann in die Statistik ein, wenn der Behörde eine offizielle Bescheinigung vorliegt. So könne es sein, dass Personen bereits im Vormonat gestorben sind, aber erst später in der Statistik erfasst werden.

Neu-Ulm: Viele Todesfälle wurden aus dem Seniorenheim in Ludwigsfeld gemeldet

Viele Todesfälle, die im Frühjahr in die Statistik einflossen, wurden Weidner zufolge aus dem Seniorenheim in Ludwigsfeld gemeldet. Auch viele der jüngsten Todesfälle seien aus Seniorenheimen gemeldet worden, in denen es zu Corona-Ausbrüchen kam. Ansonsten sei das Infektionsgeschehen die ganze Zeit über eigentlich eher diffus gewesen. Das heißt: Sogenannte Hotspots, die außergewöhnlich stark betroffen waren, gab es nicht.

Nicht nur die Sieben-Tage-Inzidenz und die Positivquote waren im Dezember am höchsten. Auch der Anteil der Corona-Infizierten unter den Intensivpatienten nahm zum Ende des Jahres 2020 zu. Im Cluster Ulm entfielen im Oktober 3,45 Prozent, im November 16,19 Prozent, im Dezember 22,37 Prozent aller Intensivbelegungstage auf Covid-19-Patienten, teilt Sprecherin Nina Schnürer vom Universitätsklinikum Ulm mit. Zum Cluster Ulm gehören die Kliniken in der Stadt Ulm und in den Landkreisen Alb-Donau, Biberach, Göppingen, Heidenheim, Ostalb und Ravensburg. Belegungstage anzugeben sei aussagekräftiger, betont die Klinikumssprecherin. Denn die Verweildauer der Patienten unterscheide sich und es gebe häufig Aufnahmen und Entlassungen.

Covid-19-Patienten belegten im Dezember viele Intensivbetten

Vergleichswerte aus dem Landkreis Neu-Ulm liegen nicht vor. Die Kreisspitalstiftung kann entsprechende Zahlen nach Angaben von Sprecherin Edeltraud Braunwarth wegen der hohen Arbeitsbelastung derzeit nicht ermitteln. Das Controlling der Kreiskliniken verweist auf bayernweite Zahlen aus dem Intensivregister der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi). Dort lässt sich die Belegungsquote für Landkreise tagesaktuell ablesen, ein Monatswert geht aus der Übersicht aber nicht hervor. Am 27. Januar waren 11,11 Prozent der Intensivbetten im Kreis Neu-Ulm durch Covid-19-Patienten belegt.

Aus dem Divi-Intensivregister geht unter anderem auch hervor, dass die Zahl der freien Beatmungsplätze im Freistaat ab dem Sommer sank und sich seit Dezember weitgehend konstant auf niedrigem Niveau bewegt. Die Zahl der Covid-19-Intensivpatienten erreichte am 2. Januar 2021 ihren Höhepunkt, als 912 Menschen in Bayern intensivmedizinisch behandelt wurden. Seitdem sinkt die Zahl wieder.

Uniklinikum Ulm erwartet keinen plötzlichen Anstieg der Infektionszahlen

Was ist im Januar noch zu beobachten? Die Zahl der Tests ist wieder gesunken, mit Stand vom 25. des Monats liegt sie im Testzentrum des Kreises Neu-Ulm bei 658, die Quote positiver Ergebnisse aus dem Labor beträgt 1,52 Prozent. Ist die Entwicklung also positiv? Eine grundlegende Änderung der Zahlen erwarten die Experten des Universitätsklinikums aus heutiger Sicht nicht, so Sprecherin Nina Schnürer. Sprich: Die Zahlen dürften also auch nicht plötzlich in die Höhe schießen. Also alles gut?

Nein. Der Verlauf der Neuinfektionen zwischen dem 28. Dezember 2020 und dem Dreikönigstag 2021 habe der Erwartung der Fallzahlentwicklungen nach den Erfahrungen des ersten Lockdowns entsprochen, so Schnürer. Dann aber seien die Zahlen zwischenzeitlich wieder gestiegen – das sei wohl in erster Linie den sozialen Kontakten und den religiösen Feierlichkeiten zu Weihnachten zuzuschreiben gewesen. Die Lockerungen zu dieser Zeit hätten die Wirksamkeit des Lockdowns um etwa zehn bis zwölf Tage verzögert.

Ulm/Neu-Ulm: Experten beobachten negativen Effekt der Lockerungen über Weihnachten

Für die Belegung der Intensivstation ist nach Angaben des Uniklinikums Ulm vor allem die Entwicklung der Fallzahlen bei den 60- bis 79-Jährigen und bei den über 80-Jährigen ausschlaggebend. Gerade bei ihnen habe man einen deutlichen Anstieg ab dem 7. Januar festgestellt. Ohne die Weihnachtsfeiertage wäre die Belastung der Intensivstationen Mitte/Ende Januar wahrscheinlich um fast 20 Prozent niedriger, schildert Schnürer. „Drei Tage Lockerung der Kontaktbeschränkungen haben zu einer deutlich erhöhten Belastung der Intensivstationen über etwa drei Wochen geführt, auch wenn eine steigende Belastung ausgeblieben ist“, fasst die Sprecherin zusammen. Das mache deutlich, dass die Einhaltung der Kontaktbeschränkungen und der AHA+L-Regelungen (Abstand, Hygiene, Alltagsmasken und Lüften) weiterhin wichtig sei.

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