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Landkreis

23.03.2020

Coronavirus: Im Landkreis Neu-Ulm hilft man sich gegenseitig

Einkaufen, Gassi gehen, Kinder betreuen: Viele Menschen solidarisieren sich in Corona-Zeiten. Bei der Nachbarschaftshilfe sind jedoch auch Regeln zu beachten, um sich selbst zu schützen.
Bild: Roland Weihrauch, dpa

Viele Menschen wollen in Corona-Zeiten diejenigen unterstützen, die besonders gefährdet sind und Unterstützung brauchen. Auch in unserer Region solidarisieren sich zahlreiche Nachbarn und Gruppen.

Dagmar Müller ist keine Politikerin oder Verwaltungsmitarbeiterin, sondern eine Bürgerin, die offenbar mit offenen Augen durch ihre Umwelt läuft und sieht, wo Hilfe benötigt wird: Mal eine Erledigung für Bedürftige übernehmen, einem Mitmenschen etwas aus der Apotheke zu holen oder beim Einkauf an den Nachbarn denken, sei immer möglich, sagt sie. Die Idee der Nachbarschaftshilfe sei ihr schon lange vor der Coronawelle gekommen. Doch angesichts der aktuellen Umstände habe sie spontan die Initiative ergriffen und einen Aufruf über Flugblätter vor Geschäften in Nersingen gestartet. Von der Resonanz war Müller überwältigt: „Schon am ersten Tag haben sich etwa 70 hilfsbereite Mitmenschen bei mir gemeldet.“

Jetzt soll die Idee an die Menschen weitergegeben werden, die Hilfe benötigen. Gleichzeitig sieht Müller dringenden Handlungsbedarf, falls sich die Lage zu einer Ausgangssperre zuspitzen sollte: „Dann ist es wichtig, dass wir ein Netzwerk gespannt haben“, sagt sie und ergänzt, dass die Helfer sich nicht dauerhaft verpflichtet fühlen müssten. Vielmehr sei die unkomplizierte Bereitschaft gefragt, einzuspringen, wo Hilfe gebraucht wird. Zudem ist es Müller wichtig, dass bei aller Hilfsbereitschaft die notwendige räumliche Distanz aller Beteiligten bestehen bleibt. Um die Nachbarschaftshilfe zu koordinieren, steht Müller unter ihrer privaten Nummer 0172/1786138 zur Verfügung.

Spontane Nachbarschaftshilfen wie die in Nersingen formieren sich gerade vielerorts in der Region. In den sozialen Netzwerken poppen Hilfsangebote auf, zum Beispiel über die Hashtags #coronahilfe oder #coronachallenge. In Gemeinden und Städten schließen sich Freiwillige – ob Vereine oder private Gruppen – kurzerhand zusammen, um den eingeschränkten Alltag zumindest etwas zu erleichtern.

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Einkaufshilfen in Corona-Zeiten in Neu-Ulm

Der Malteser Hilfsdienst in Neu-Ulm bietet ab sofort Einkaufshilfen für Risikogruppen und immungeschwächte Senioren an. In einem Telefonat wird der Einkauf besprochen, dabei stellen die Malteser unter Berücksichtigung von Allergien eine Kiste mit frischem Obst und Gemüse, Milchprodukten und Hygieneartikel zusammen – abhängig davon, was im Supermarkt vorhanden ist. Die Kiste wird dann nach Absprache vor die Tür gestellt, das Geld in einem Briefumschlag ebenfalls vor die Tür gelegt. So soll jeder Kontakt vermieden werden. Zudem achten die Einkäufer auf verschiedene Hygienemaßnahmen. Hilfsbedürftige und interessierte Helfer melden sich bitte bei: Pia Eble, Malteser Hilfsdienst Neu-Ulm, 0178/ 9201511, pia.eble@malteser.org.

Ebenfalls in Neu-Ulm wurde „Gemeinsam für Neu-Ulm – Coronahilfe“ ins Leben gerufen. „Wir möchten das ganz praktisch erfahrbar machen. Deshalb ist unsere Hilfe kostenlos und auch sonst an keine Bedingungen geknüpft“, sagt Pastor Thomas Greiner von der Friedenskirche stellvertretend für die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK), die diese Initiative mitträgt. Für Alltagsaufgaben wie Einkaufen, Abholungen von der Apotheke oder Gassigehen werden Helfer gesucht. Anmeldungen sind unter Telefon 0731/40707070 oder über die Homepage coronahilfe-neu-ulm.de möglich.

In Roggenburg macht die Gemeindeverwaltung auf ihrer Internetseite und im Mitteilungsblatt auf ein Hilfsangebot aufmerksam. „Die jetzige Situation fordert unser aller Solidarität“, schreibt Bürgermeister Mathias Stölzle. Sein Appell: „Bitte helfen Sie in guter nachbarschaftlicher Zusammenarbeit bei der Betreuung von Schul- und Kindergartenkindern, bei Einkäufen und Besorgungen, bei Fahrten zum Arzt, zur Apotheke und den vielen Herausforderungen, die dieser veränderte Alltag mit sich bringt.“ Roggenburger, die Unterstützung benötigen, können sich an die Gemeindeverwaltung wenden. „Gemeinsam mit ehrenamtlichen Bürgern haben wir einen Hilfsdienst eingerichtet, der für Sie Einkäufe tätigt und sich um Sie kümmert“, so Stölzle. Man könne lediglich keine Kinderbetreuung anbieten. „Wenn Sie helfen möchten, freuen wir uns auf Ihren Anruf.“ Die Verwaltung ist unter Telefon 07300/9696-0 erreichbar.

Stadt Senden baut eine Plattform für Corona-Hilfe auf

Auch die Stadt Senden hat eine Plattform eingerichtet, auf der Helfer und Hilfesuchende rund um Corona zusammenkommen können. Wer sich bereit erklären möchte, für Personen, die zur Risikogruppe bei der Corona Erkrankung zählen, vorübergehend Einkäufe oder Erledigungen wie den Gang zur Apotheke zu übernehmen, kann sich bei der Stadt Senden unter der Rufnummer 07307/945-2190 melden. Ebenso dürfen sich unter der Nummer auch diejenigen Personen melden, die Bedarf an diesem Hilfsangebot haben.

Um Menschen in Quarantäne und Risikogruppen zu unterstützen, hat sich auch in Weißenhorn eine Gruppe aus privaten Freunden gegründet. Mittlerweile ist die „Corona-Hilfe Weißenhorn auf fast 50 Helfer angewachsen, wie Initiator Tim Räpple aus Weißenhorn erzählt. Die Gruppe hat in Weißenhorn auch schon Zettel verteilt, auf denen sie allen Menschen ihre Hilfe anbietet – egal, ob Älteren, Alleinerziehenden, oder anderen Bedürftigen. „Wir können zum Beispiel einkaufen gehen, den Hund Gassi führen, Entsorgungen machen oder Fahrdienste übernehmen“, sagt Räpple. Wer Unterstützung benötigt, kann sich einfach unter Telefon 0171/2111268 bei ihm melden. Und wer mag, kann sich der Gruppe auch als Helfer anschließen, sagt Räpple.

Auch die Handballabteilung des TSV Weißenhorn übernimmt kostenlos Einkäufe und Besorgungen für Bürger der Stadt und ihrer Stadtteile. Wer das Angebot in Anspruch nehmen möchte, kann sich zwischen 14 und 15.30 Uhr unter der Telefonnummer 07309/7711 melden.

In Vöhringen bietet Michaela Gabel als Privatperson ihre Hilfe an. "Ich würde gerne helfen, zum Beispiel für Bedürftige Besorgungen machen", schreibt sie unserer Zeitung. Wer Unterstützung braucht, kann sich unter der Telefonnummer 07306/952169 melden.

Für alle, die zur Risikogruppe gehören, oder sich in häuslicher Quarantäne befinden, hat der Kreisverband Neu-Ulm des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) ebenfalls einen kostenlosen Einkaufsservice gestartet. Interessenten bestellen werktags bis 13 Uhr ihre Ware. Das Rote Kreuz liefert spätestens am nächsten Werktag aus. Die Kosten legt das Rote Kreuz aus. Die Empfänger zahlen bei Lieferung in bar, per Karte oder PayPal. Bestellungen nimmt das BRK unter der Telefonnummer 0731/93 80 77 8-0 entgegen.

Die Neu-Ulmer Ehrenamtsbörse startet gemeinsam mit den Seniorenberatern der Stadt Neu-Ulm das Projekt „Miteinander – Füreinander“. Mit Stellwänden vor den Geschäften in der Glacis-Galerie, im Kaufland (Memminger Straße 54) und im Capmarkt (Krankenhausstraße 1) in Neu-Ulm möchten die beiden Einrichtungen vor allem die älteren Menschen erreichen. Vor Ort kann der Hilfebedarf aufgeschrieben werden und an die Stellwand gepinnt werden. Hilfsbereite Menschen können diesen Zettel mitnehmen, den Hilfebedürftigen telefonisch kontaktieren und den nächsten Einkauf übernehmen. Auch können die Helfer selbst einen Zettel aufhängen und ihre Unterstützung anbieten. Dabei steht die eigene Sicherheit an oberster Stelle. Hierfür wurden Handlungsempfehlungen entwickelt und ebenfalls ausgehängt. Auf der Homepage der Neu-Ulmer Ehrenamtsbörse www.neu-ulmer-ehrenamtsboerse.de sind zudem weitere Hilfsangebote in Neu-Ulm aufgelistet.

Bei der Gemeinde Nersingen sind in den vergangenen Tagen viele Anfragen von Hilfesuchenden, aber auch viele Angebote von ehrenamtlichen Helfern eingegangen. Ihre Hilfe angeboten haben bis jetzt folgende Organisationen und Einrichtungen: der FC Straß, die Fußballabteilung des SV Nersingen, Mitglieder der CAJ (Jugendhaus MP75 in Straß), die evangelische Kirchengemeinde Nersingen/Steinheim, der Seniorenarbeitskreis, das Rathaus-Café und das Reparatur-Café der Gemeinde Nersingen sowie diverse Privatpersonen. Nun müssen die Angebote und Nachfragen geordnet und koordiniert werden – und das übernimmt auf die Gemeinde. Unter der Telefonnummer 07308/814-64 stehen sie den Bürgern gerne zur Verfügung – und zwar zu folgenden Zeiten: Montag bis Donnerstag von 8 bis 12 Uhr und 14 bis 16 Uhr sowie am Freitag von 8 bis 12 Uhr. Zudem kann man auch eine E-Mail an beate.mueller@nersingen.de schreiben.

Der FC Straß bietet beispielsweise einen Liefer- und Entlastungsservice unter dem Motto „FC Straß gegen Corona“ an. Es gebe ein Netzwerk von über 40 Menschen, die ehrenamtlich Erledigungen für Menschen, die der Risikogruppe angehören, übernehmen würden. Das Angebot richtet sich aber auch an Eltern, die wegen der Schulschließungen zu Hause sind und keine Zeit haben oder an Menschen aus systemkritischen Berufen, die derzeit besonders eingespannt sind. Die Vereinsgaststätte Kupferdach bietet auch ein Tagesessen an. Erreichbar ist der Service des FC Straß unter Telefon 0151/50441979.

Auch die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Pfuhl-Burlafingen hat viele jüngere Freiwillige gefunden, die einen Einkaufsservice übernehmen. „Wir möchten dazu beitragen, dass Seniorinnen und Senioren nicht mehr einkaufen gehen und sich damit gefährden“, so Pfarrerin Katja Baumann. Interessierte in Pfuhl können sich im Pfarramt unter der Nummer 0731/719292 melden, im Gemeindeteil Burlafingen bei Pfarrerin Baumann unter 0731/710682. Da persönliche Besuche im Moment nicht möglich sind, werden auch telefonische Gespräche angeboten. Hierzu soll man auch unter den beiden Nummern Bescheid geben.

In der aktuellen Corona-Krise fühlen sich manche Menschen damit überfordert, daheim zu bleiben und auf Erlebnisse und Kontakte außerhalb der Wohnung zu verzichten. Die Gefahr, in eine psychische Krise zu stürzen, wird immer größer. Menschen, die aufgrund einer psychischen Erkrankung das sozial psychiatrische Hilfesystem genutzt haben, können die Angebote aufgrund der Ansteckungsgefahr nicht mehr nutzen. Und auch Menschen, die in sogenannten systemrelevanten Berufen arbeiten, wird in der wenigen freien Zeit, die sie haben, der Austausch und die Kontakte zu anderen Menschen fehlen, um wenigstens für kurze Zeit an etwas anderes denken zu können. Hier setzt die Selbsthilfeinitiative Rettungs-Ring für Ulm, Neu-Ulm und Umgebung an: Unter dem Motto „Betroffene helfen Betroffenen“ wurde innerhalb weniger Tage diese Internetseite erstellt. Hier wird es die Möglichkeit geben, sich mit Gleichgesinnten unter der Moderation von mit seelischen Krisen erfahrenen Menschen auszutauschen, sich beraten zu lassen oder seine Freizeit zu gestalten. Teilnehmen kann jeder, der sich momentan in einer psychischen Krise oder in einem psychischen Ausnahmezustand befindet. Jeder ist willkommen, egal ob eine psychische Erkrankung diagnostiziert ist oder nicht. Voraussetzung für die Teilnahme ist ein betriebsbereites Smartphone, ein Tablet, ein Notebook oder ein PC mit Mikrofon und Lautsprecher sowie ein funktionierender Internetzugang. Sinnvoll, aber nicht notwendig ist eine Webcam. Für Menschen, die keine moderne Technik nutzen wollen oder können ist auch eine Einwahltelefonnummer vorgesehen. Das Angebot ist bereits gestartet. Ab Montag, 30. März, finden jeweils montags, mittwochs und freitags zwei Gesprächs-Ringe statt. Die Termine können auf www.rettungs-ring.de eingesehen werden. Zudem werden Menschen gesucht, die sich aktiv an dem Projekt beteiligen wollen. Sie erhalten von Isabell Schick, die unter anderem Leiterin der Selbsthilfegruppe Seelische Gesundheit ist, und ihrem Team kurzfristig ein Training. Zudem kann man spenden (LVPEBW e. V., Verwendungszweck: Rettungs-Ring, Kreissparkasse Rottweil, IBAN: DE14 6425 0040 0000 8712 84, BIC: SOLADES1RWL). Weitere Informationen gibt es per Mail an kontakt@rettungs-ring.de oder auch bei Isabell Schick unter Telefon 0731/71889960 sowie per E-Mail an isabell.schick@rettungs-ring.de.

Pragmatische Hilfe bietet die Lebenshilfe Donau-Iller während der Corona-Krise an. Damit Personen mit erhöhtem Risiko während der Hochphase der Ansteckungsgefahr nicht unter Menschen gehen müssen, können sie ihre Einkäufe ab sofort von den blauen E-Smarts der Lebenshilfe nach Hause liefern lassen. „Wir möchten in dieser Krise für die Bevölkerung da sein“, erläutert Vorstandsvorsitzender Jürgen Heinz. „Für gefährdete Personen bedeutet das Einkaufen ein Infektionsrisiko.“ Deshalb können – so unkompliziert wie möglich – telefonisch unter 0731/ 92268-222 Lebensmittel aus den Cap-Märkten in Jungingen und Neu-Ulm bestellt werden. Sie führen das Sortiment von Edeka. Der Transport an die Haustür ist für ältere und vorerkrankte Menschen kostenfrei und erfolgt umweltschonend mit dem Elektroauto. In Neu-Ulm werden derzeit auch Räumlichkeiten umgestaltet, um 15 Kurzzeitpflege-Plätze einzurichten für Menschen mit Behinderung, deren Angehörige ins Krankenhaus kommen. Mehr Infos zur Kurzzeitbetreuung gibt es unter 0731/92268402.

Die Nachbarschaftshilfe „Füreinander“ der katholischen Pfarreiengemeinschaft in Holzheim bietet in Zusammenarbeit mit der Kommune einen Einkaufsservice an. Das Angebot richtet sich an alle, die ihre Erledigungen derzeit nicht selbst tätigen können, wie Risikogruppen oder Menschen in Quarantäne. Wer das Angebot wahrnehmen möchte, kann sich bei Elisabeth Ruess (Telefon 07302/4765), bei Dorle Grail (Telefon 07302/6948) oder im Rathaus Holzheim (Telefon 07302/6383) melden. Außerhalb der Öffnungszeiten des Rathauses (Montag bis Donnerstag von jeweils 9 bis 12 Uhr) kann man auf den Anrufbeantworter sprechen.

Michaela Gabel aus Vöhringen bietet an, in Vöhringen für Bedürftige einzukaufen oder Besorgungen zu machen. Wer Hilfe bracht, kann sich bei ihr melden, entweder per E-Mail an michaela.gabel@web.de oder per Telefon unter 07306/952169.

Die aktiven Sportler des FC Burlafingen wollen während der Corona-Krise anderen Menschen helfen. Sie bieten an, ehrenamtlich verschiedene Erledigungen wie beispielsweise Einkaufen oder zur Post zu gehen zu übernehmen. Wer das Hilfsangebot in Anspruch nehmen möchte, kann sich melden, entweder per Telefon unter 0173/681 91 24 oder per E-Mail an g.sarao@fc-burlafingen.

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