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Ulm

30.12.2020

Coronavirus: Opfer des Blutskandals fordern Impf-Priorisierung

Michael Diederich ist Vorstandsvorsitzender im Verband der Opfer des Blutskandals.
Bild: Oliver Helmstädter

Plus Bluter infizierten sich in den 80ern mit HIV und Hepatitis C. Der Ulmer Michael Diederich und andere Betroffene sehen sich durch Corona besonders bedroht.

Durch verunreinigte Blutprodukte sind in den 80er-Jahren Menschen mit dem Aids verursachenden HI-Virus und/oder mit Hepatitis-C-Viren infiziert worden. Nun fordert der Verband der Opfer des Blutskandals (VOB) für die Betroffenen eine Priorisierung bei der Impfung gegen das Coronavirus. Es handelt sich um Menschen mit Blutgerinnungsstörungen und um solche, die bei medizinischen Eingriffen mit Spenderblut versorgt wurden. Das Leben der Opfer des Blutskandals sei gleich in mehrfacher Hinsicht bedroht, warnt eine Sprecherin des Verbands.

Nach Angaben des VOB leben derzeit in Deutschland noch 534 Opfer des Blutskandals. Einer von ihnen ist der Ulmer Michael Diederich, der sich bei der Aidshilfe Ulm/ Neu-Ulm/Alb-Donau engagiert und Vorstandsvorsitzender des VOB ist. Im Alter von acht Jahren wurde er als Bluter durch ein verunreinigtes Blutpräparat mit HIV und Hepatitis C infiziert.

Jens Spahn soll Opfer des Blutskandals als Risikogruppe einstufen

Der VOB mahnt vehement, die Opfer des Blutskandals als Risikogruppe einzustufen, um ihnen schnellstmöglich Impfungen zu ermöglichen. Es sei unverständlich, kritisiert Diederich, dass Gesundheitsminister Jens Spahn sie nicht schon längst auf die Prioritätenliste gesetzt habe. Schließlich wisse Spahn als vormaliger Vorsitzender der Stiftung „Humanitäre Hilfe für durch Blutprodukte HIV-infizierte Personen“ um deren Problematik.

Als Spätfolge der Hepatitis-C-Infektion leiden viele Opfer des Blutskandals laut VOB unter beginnender oder akuter Leberzirrhose. Dies erhöhe nach neuesten medizinischen Erkenntnissen das Risiko für einen schweren Verlauf bei einer Sars-CoV-2-Infektion.

Coronavirus: Betroffene bei Covid-19-Erkrankung besonders bedroht

Zudem beeinflusse die Krankheit die Blutgerinnung. Je mehr Erkrankungen es mit dem neuen Coronavirus gebe, umso deutlicher werde, dass im fortgeschrittenen Stadium einer Infektion gehäuft Gerinnungsstörungen auftreten. Besonders bei schweren Verläufen treten dem VOB zufolge Gerinnselbildungen auf, die zu Embolien in Lunge, Niere und anderen Organen führen können. Dies stelle für Hämophile, also für Bluter, eine große Gefahr dar.

Darüber hinaus seien die Herausforderungen für medizinisches Personal enorm. Erkranke ein Mensch mit Hämophilie an Covid 19, werde eine prophylaktische Therapie empfohlen. Schwerer Husten und Niesen könnten Blutungsereignisse in der Lunge auslösen und so zu einem erhöhten Blutdruck im Gehirn führen. Das wiederum könne eine Hirnblutung auslösen. Um dies zu verhindern, müssten die Patienten nach Angabe des Verbands mit mehr Gerinnungspräparaten versorgt werden als üblich. Das stelle die oftmals ohnehin schon an der Belastungsgrenze arbeitenden, medizinischen Kräfte vor extrem schwierigen Aufgaben. „Ob ihnen Zeit bleibt, sich von einem Hämophiliezentrum beraten zu lassen, darf angesichts der dramatischen Lage in den Krankenhäusern, bezweifelt werden“, gibt eine Verbandssprecherin zu Bedenken.

Michael Diederich kann dank medizinischer Versorgung ein normales Leben führen. HIV kann in seinem Körper nicht mehr nachgewiesen werden. Vor etwa zwei Jahren kam Diederichs Tochter zur Welt – sie trägt das Virus nicht in sich. Dennoch hatte der Ulmer Ende November im Gespräch mit unserer Redaktion berichtet, er nehme sich vor einer Corona-Infektion in Acht und halte alle Schutzmaßnahmen sorgsam ein. „Ich möchte nicht zusätzlich noch ein Virus haben“, hatte er gesagt.

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