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Theater Ulm

30.09.2017

Da sitzt nicht nur Mephisto gut

„Musikalisch war es toll, obwohl ich mir nicht sicher bin, ob man diese Oper noch aufführen muss.“So eine Walpurgisnacht ist eine teuflisch gute Party – findet Méphistophélès (Tomasz Kaluzny, Mitte). Anders als die Besucher kann er aber nur auf einer Bierbank Platz nehmen.
Bild: Jochen Klenk

Die neuen Sessel kommen bei den Premierenbesuchern von „Faust“ gut an, die Gounod-Oper selbst überzeugt aber nicht alle. Dafür gibt es Lob für die Solisten

Die erste Opernpremiere der Spielzeit, Matthias Kaisers Inszenierung der Gounod-Oper „Faust“, war für das Publikum die erste Gelegenheit am Theater Ulm, die neuen Sitze im Großen Haus auszuprobieren – und das gleich reichlich, wie Zuschauer angesichts einer Aufführungsdauer von dreieinhalb Stunden (inklusive Pause) witzelten. Fazit der Premiere von Bestuhlung und Oper: Die neuen Sessel kommen an. Kaisers Inszenierung nahmen die Zuschauer im Großen Haus mit großem Premierenbeifall, aber mit geteilten Urteilen an.

„Die Sitze sind gut und gefallen mir optisch auch. Das zu beurteilen hat man heute Abend wirklich genug Gelegenheit“, sagt Angela Patzelt aus Beimerstetten. „In der ersten Stunde war ich angetan, aber mit der Zeit fehlte die Nackenstütze der alten Sitze.“ Und „Faust“? „Die Musik ist sehr schön, und die meisten Solisten sind wirklich toll. Aber die Aufführung ist so starr und statisch, es tut sich wenig. In den Szenen, in denen der Chor auftritt, ist es lebendiger.“ Aber wahrscheinlich gebe der Gretchen-Stoff in der Gegenwart einfach nicht mehr her.

„Die Inszenierung ist gut und alles andere als provinziell“, wertet der Ulmer Michael Schiebe. „Das Orchester ist auf der Höhe, vor allem die Bläser, und die Stimmen sind toll. Was ich mich frage: Ob manche Elemente der Moderne wie das Radio wirklich in die Inszenierung müssen.“ Kwang-Keun Lee in der Rolle von Valentin habe ihm am Besten gefallen. „Aber das Bühnenbild einer Plattenbausiedlung war recht gewollt.“

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Der Ulmer Klaus Wagner genoss den Opernabend, auch wenn der sich für ihn sehr lange hingezogen habe. „Musikalisch war es toll, auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob man diese Oper noch aufführen muss. Mir gefielen Eric Laporte als Faust und vor allem Edith Lorans als Marguerite am besten. Hoffentlich bleibt Edith Lorans auch nach dem Intendantenwechsel! Sie hat sich großartig entwickelt über die Jahre.“ Gestört habe ihn einzig, dass es im Zuschauerraum im Lauf der Zeit heiß und stickig geworden sei.

„Von Goethe ist das schon ziemlich weit weg. Aber das ist nicht schlimm“, wertet der Ulmer Günther Bäumler. Die Aufführung habe ihm sehr gut gefallen. „Und die Sitze sind besser als die alten, wobei die so schlecht auch nicht waren.“

„Ich saß trotz meiner Größe gut auf meinem Sitz“, sagt Klaus Trucksäß aus Elchingen. „Aber mir hat sich das Stück nicht erschlossen. Es war gut gesungen, teilweise sogar sehr gut. Aber ich habe die Symbolik der Inszenierung nicht verstanden. Da taucht Papst Johannes Paul II. auf, und danach tragen alle einen Davidsstern, und die Französische Revolution spielt hinein. Was wollen all diese Anspielungen?“

„Wunderschön gesungen!“, urteilt Johanna Filbinger-Wagner. „Und es wurde trotz der Länge nicht langweilig.“ Am Ende sei der Stoff schon sehr tragisch. „Aber das weiß man ja vorher, und so schrecklich war das Ende der Inszenierung nicht, wie es im Schauspiel oft dargestellt wird. Ihr Favorit unter den Solisten: Eric Laporte. „Und auch Tomasz Kaluzny als Méphistophélès.“ "NUZ-Kritik Seite 20

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