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Ulm

20.08.2015

Damit das Auto aufs Wort gehorcht

Die Firma Nuance entwickelt Software für Spracherkennung, beispielsweise für Navis. In einem Testwagen am Standort Ulm programmieren Markus Buck und Timo Matheja das System so, dass störende Nebengeräusche herausgefiltert werden.
Bild: Alexander Kaya

Die Firma Nuance entwickelt Software für Spracherkennung in Bordcomputern. Am Standort Ulm sorgen Spezialisten dafür, dass Navis auch bei Lärm richtig funktionieren.

Im alten Röhrenwerk an der Söflinger Straße, wo früher die Firma AEG Teile für Fernsehgeräte baute, arbeiten seit einigen Jahren Ingenieure, Informatiker, Psychologen und Linguisten an Sprachtechnologie, die Autofahrern das Leben leichter machen soll – und sicherer, indem sie beim Fahren möglichst wenig abgelenkt werden. Die Spezialität des Standorts Ulm ist die sogenannte Signalvorverarbeitung.

Das heißt, die Mitarbeiter kümmern sich darum, dass Autofahrer auch dann mit ihrem Fahrzeug kommunizieren können, wenn es draußen besonders laut ist, beispielsweise neben einer Baustelle, oder wenn im Auto alle Insassen durcheinander quasseln. In einem Demofahrzeug mit zahlreichen Mikrofonen und einem angeschlossenen Laptop testen die Spezialisten den Einfluss störender Nebengeräusche und sorgen dafür, dass das Navi letztlich nur auf den Fahrer hört. Rauschunterdrückung und Echo-Kompensation sind die Fachausdrücke dafür. Für die Arbeit an den sensiblen Systemen steht im Keller des Gebäudes auch ein schalldichter Raum zur Verfügung.

Nach Angaben des Unternehmens ist Technologie von Nuance weltweit in sieben Milliarden Mobiltelefonen und 75 Millionen Fahrzeugen integriert. Zu den Kunden zählen praktisch alle großen Automobilhersteller sowie Zulieferer wie Bosch, Harman Becker oder Panasonic. Zu den großen Konkurrenten zählen IT-Riesen wie Apple, Microsoft und Google. Ihnen setzt Nuance eine große Bandbreite und langjährige Erfahrung in der Sprachtechnologie entgegen. Auf einem sogenannten Vorentwicklungsdemonstrator zeigt Senior User Interface Designer Patrick Langer eine Anwendung, die ein Kunde im Herbst auf der Automobilausstellung IAA präsentieren wird. „Es geht dabei um Personalisierung und Komfort als Schwerpunkte“, erläutert Langer. Die Software erkennt den Fahrer an der Stimme und lernt im Laufe der Zeit die persönlichen Vorlieben kennen, beispielsweise bestimmte Café-Ketten oder Tankstellen. Die empfiehlt sie dann bevorzugt, wenn man unterwegs nach einem Platz für eine Pause sucht. Vor allem aber sind die verschiedenen Bereiche wie „Musik“, „Telefon“ oder „Adressen“ nicht mehr voneinander getrennt, sondern lassen sich in einer Anwendung auf Zuruf steuern. Der Fahrer muss sich also nicht mehr durch das Menü hangeln, sondern hat sofort auf alle Funktionen Zugriff. „Fahr mich zum Ulmer Münster“ könnte beispielsweise ein Befehl lauten. Wobei die Software einem nur den Weg weist, fahren muss man schon noch selber. Nuance arbeitet aber auch mit dem Institut für Mess-, Regel- und Mikrotechnik an der Uni Ulm zusammen. Das forscht seit Jahren am selbstfahrenden Auto.

Bis zu zehn Millionen Begriffe werden in der nächsten Generation der Navis verarbeitet sein, um passgenaue Reaktionen auf die Ansagen des Fahrers zu bekommen. Der soll möglichst frei sprechen können und dabei trotzdem von dem Bordcomputer verstanden werden. In einigen Jahren soll die Vernetzung sogar so weit gehen, dass einem das Auto einen Abstecher zum nächsten Supermarkt empfiehlt, wenn daheim der Kühlschrank leer ist oder der Fahrer über den Bordcomputer schon mal die Heizung aufdrehen kann, bevor er nach Hause fährt. „Das Endziel ist das schlaue Auto“, sagt Stefan Hamerich vom Produktmanagement. „Der perfekte virtuelle Beifahrer.“

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