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Ulm

02.06.2020

Das Erwin-Müller-Hotel Motel-One kann nach Ulm kommen

Drei Giebel statt einem quer zum Münsterplatz stehenden Satteldach: So wie auf der Visualisierung auf dem Smartphone soll der Ex-Abt nach der Kernsanierung aussehen. Im Hintergrund das bestehende, derzeit leer stehende Gebäude.
Bild: Alexander Kaya

Plus Architekten überarbeiten im Auftrag von Erwin Müller die Pläne für Ex-Abt am Münsterplatz. Der Milliardär gibt sich beleidigt, die Stadtverwaltung hingegen freudig.

Der Weg für den Umbau des Ex-Abt-Gebäudes am Ulmer Münsterplatz ist so gut wie frei. Wie Ulms Baubürgermeister Tim von Winning auf Anfrage unserer Zeitung sagt, sei die Erteilung der Baugenehmigung nur eine reine Formsache und werde wohl in zwei bis drei Wochen über die Bühne gehen.

„Das ist ein gutes Vorhaben“, sagt von Winning über die im Rathaus vorliegenden Pläne des Milliardärs Erwin Müller. Der Ulmer Drogeriebaron habe sich glücklicherweise die Vorschläge des Gestaltungsbeirats der Stadt Ulm zu Herzen genommen. Das Expertengremium habe empfohlen, den Dachbereich des Gebäudes komplett neu zu gestalten.

Milliardär Müller folgt dem Gestaltungsbeirat

Drei Spitzgiebel werden sich demnach künftig in den von solchen „Ulmer Dächern“ geprägten Münsterplatz einfügen. Müller hätte den Vorschlägen nicht folgen müssen, sagt von Winning. Die Einwände des unabhängigen Gestaltungsbeirats sind unverbindlicher Natur. Umso glücklicher ist der Baubürgermeister, dass der als in Verhandlungen schwierig geltende Chef der Drogeriemarktkette sich auf die Vorschläge einließ.

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Die deutsche Hotelkette Motel-One wird wie berichtet Ankermieter in dem Gebäude sein. Eine Entwicklung, die von Winning ebenso sehr begrüßt. Die Kombination aus Geschäften und Gastronomie im Erdgeschoss plus einem Hotel sei sehr passend. „Es ist gut, wenn auf dem Münsterplatz nachts hinter Fenstern noch ein Licht brennt“, sagt von Winning über die soziale Kontrolle, die ein Hotel in der Innenstadt durch ein ganztägiges Kommen und Gehen automatisch ausübe. Müller hatte wie berichtet ursprünglich einen Neubau für eine Art Einkaufszentrum inklusive Tiefgarage bevorzugt. Aber nicht zuletzt die problematische Zufahrt über die enge Rebengasse machte diesen Plänen einen Strich durch die Rechnung.

Müller investiert eine zweistellige Millionensumme

Dennoch schätzt von Winning, dass Müller locker einen zweistelligen Millionenbetrag in die Kernsanierung des Nachkriegsgebäudes steckt. „Wir freuen uns, dass es an dieser Stelle weiter geht“, sagt der Baubürgermeister. Das galt nämlich lange Zeit als alles andere als selbstverständlich. Der Firmenpatriarch setzte in den vergangenen Monaten anscheinend weniger auf Dialog, sondern eher auf Druck in Richtung Stadtverwaltung „Wenn sie mich ärgern, dann lass ich alles so stehen“, so ließ sich der 87-Jährige in der Südwestpresse zitieren. Keinen Hehl machte Müller auch aus seiner Ablehnung der Architektur des gegenüberliegenden Stadthauses. Das Gebäude des Stararchitekten Richard Meier bezeichnete er als Elefantenklo. Trotz ganz offensichtlichen klimatischen Spannungen zwischen Müller und der Stadtverwaltung zieht in den unschönen Leerstand an einer der prominentesten Ecken der Stadt doch wieder Leben ein.

Nicht zuletzt, weil der Ulmer Innenstadt durch Sanierung statt Neubau Fahrten von hunderten an Lastwagen erspart werden, begrüßt der Baubürgermeister die Pläne. Ohne Belastungen könnte aber auch ein Umbau dieser Größenordnung nicht erfolgen: Auf dem Münsterplatz, der Platzgasse und auch in der Rebengasse müssten wohl Flächen für die Baustelleneinrichtung reserviert werden. Dies habe nicht nur Folgen für die Anlieger, sondern etwa auch für den Wochenmarkt. Ein genauer Bauablaufplan müsse dazu in nächster Zeit Details liefern.

Dass nach dem derzeit im Bau befindlichen „Me and All“-Hotel bei den Sedelhöfen nun noch ein weiterer Beherbergungsbetrieb mit 120 Zimmern entsteht, sieht von Winning nicht als problematisch an. „Dass ein Hotel an dieser Stelle funktioniert, das ist eindeutig.“ Eine Hotelkette von der Strahlkraft eines Motel-One werde zudem die Attraktivität der gesamten Stadt steigern. Motel-One sorge für ein Mehr an Qualität zu halbwegs bezahlbaren Preisen. Bestehende Hotels seien zunehmend gezwungen, diesen Qualitätswettbewerb anzunehmen.

Erwin Müller: Mit freundlichen Grüßen, der ’Sonnenkönig’

Von Erwin Müller war für unsere Zeitung keine Stellungnahme zu bekommen. Mit dem Verweis auf eine angebliche Denunzierung seiner Person forderte der Milliardär unsere Zeitung auf, künftig keine Anfragen mehr zu stellen. „Mit freundlichen Grüßen, der ’Sonnenkönig’“, hieß es in einer Email. Als Sonnenkönig bezeichnete unsere Zeitung Müller in einem Kommentar, weil er sich über geltende Corona-Verordnungen hinwegsetzte. In einem kritischen medialen Licht erschien Müller auch rund um die angekündigte Entlassung von 21 Abt-Mitarbeitern. Verdi Gewerkschafter Rainer Dacke bezeichnete die Entlassungen als asozial. Müller verweist dann gerne auf seine Wohltaten: 4700 in Ulm geschaffene Arbeitsplätze oder etwa 100 Millionen Euro Gewerbesteuerzahlungen pro Jahr.

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