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21.05.2014

Das Kreuz mit den Verwandten

Immer erreichbar: Gabriele Fischer als Ehefrau.
Bild: Teatrino

Teatrino zeigt neues Kabarett-Programm

Vor zehn Jahren hat sich Teatrino gegründet. Mit dabei waren Florian L. Arnold, sein Vater Siegfried Arnold und Sängerin Gabriele Fischer. 2014 präsentiert sich das Kleinkunstensemble als Quartett, denn der Münchner Klarinettist Johannes Berlinger begleitet die muntere Truppe seit dem vergangenen Jahr. Zum Zehnjährigen haben die Wortspieler sich selbst und das Publikum beschenkt mit ihrem neuen Programm „Wahn-Verwandtschaften“, das am Premierenwochenende in Schloss Dellmensingen und in der „Alten Bank“ in Ulm-Mähringen zweimal vor ausverkauftem Haus zu sehen war.

„Wahn-Verwandtschaften“ – das klingt wie Goethe, dessen „Wahl-Verwandtschaften“ einem einfallen. Sollen sie auch. Teatrino hat einen schmissigen Rundumschlag gegen die Spezies „Verwandte“ abgeliefert. Dr. Sperz – Florian L. Arnold mit deutlicher Freude am schwarzen Humor – kommt gerade vom Familientreffen und ist nervlich ruiniert. Seine Frau (großartig: Sängerin Gabriele Fischer) tröstet ihren Gatten, der einen „Verwandtenwahn“ hat und von seiner Oma immer noch in die Wangen gekniffen wird. Besonders glänzt Fischer bei den Liedern aus der Feder von Siegfried Arnold, der am Klavier die musikalischen Fäden in Händen hält. Da tritt sie zum Beispiel als swingende „U-Bahn-Mörderin“ in städtischem Auftrag auf oder man erlebt sie als wortverdrehende Gattin, die ihren Gemahl mit bissigen Pointen in den Wahnsinn treibt: „Ich wüsste schon, wen ich in einem Duett erschießen würde.“ Als „Neffe Gustl“ imponiert Johannes Berlinger mit komödiantischem Witz. Er darf die absurden Definitionen aus Arnolds Feder vortragen: „Eine Tante ist ein menschenähnlicher Apparat, der durch Geburt entsteht.“

Mit dem neuen Programm erweist sich Teatrino einmal mehr als unterhaltsame, erfindungsreiche und treffsichere Kabarett-Truppe. Und so manch ein Zuschauer denkt dabei: „Ja, das habe ich auch schon erlebt.“ Es stimmt: „Wahn-Verwandtschaften“ ist eine klug beobachtete Analyse zum Thema „Familie“, bei der jedes der vier Teatrino-Mitglieder seine eigene künstlerische Farbe einbringt. Ein Abend der scharfsinnigen Komik, für den es lang anhaltenden Applaus gibt. (az)

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