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Neu-Ulm

14.01.2015

Das LEW-Gebäude lebt

Das LEW-Gebäude wird zum Künstlerhaus.
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Das LEW-Gebäude wird zum Künstlerhaus.

In den maroden Nachkriegsbau ziehen derzeit Künstler aus der Region ein. Sie finden dort günstige Ateliers – und sollen nicht nur den Heiner-Metzger-Platz beleben.

Rund 20 Räume in dem über 60 Jahre alten Gebäudes sind seit Dezember an Künstler aus der Region vermietet. Eine Zwischenlösung: Schon seit Längerem beschäftigt sich die Stadt als Eigentümerin mit einem Abriss des sanierungsbedürftigen Hauses. Doch bis es so weit ist, können sich die Kreativen austoben. Von mindestens zwei Jahren ist von Seiten der Verwaltung die Rede. Platz für die Künstler ist im ersten und Teilen des zweiten Stocks, wo bis 2013 das Amtsgericht seine Büros hatte. Auch die Stadt selbst belegt Flächen: mit der Geschichtsbibliothek sowie Teilen des Stadtarchivs.

Bezahlbare Ateliers sind in Neu-Ulm und Ulm Mangelware: Die alte Lebkuchenfabrik, früher subkultureller Brennpunkt, hat schicken Eigentumswohnungen Platz machen müssen, andere Zwischennutzungen wie die des TFU-Gebäudes an der Ulmer Schillerstraße sind ausgelaufen. Die Nachfrage nach den Räumen war groß: „Wir sind quasi ausgebucht“, berichtet Kulturdezernent Seiffert. Nicht alle Wünsche konnten erfüllt werden. „Wir haben aber versucht, die Flächen fair zu verteilen.“ Neu-Ulmer Künstler hätten dabei Vorrang genossen. Die Miete ist günstig: Lediglich ein Euro pro Quadratmeter Atelierfläche ist im Monat fällig, dazu die Nebenkosten.

Von außen muss man noch genau hinsehen, um zu erkennen, dass sich etwas geändert hat am Heiner-Metzger-Platz. Innen haben die ersten Künstler schon ihren Platz schon erobert. Im Eingangsbereich hat der Künstlerverein „Kunstbauraum“ seine Flyer ausgelegt, Plakate und sogar einige Bilder zieren die Wände auf den Gängen, etliche der neuen Mieter haben auch schon Zettel auf den Türen der Ateliers angebracht. Durchaus bekannte Namen sind darauf zu lesen: Die Künstlerinnen Dorothea Grathwohl und Dorothee Herrmann sind dabei, der Verein Film Kunst Ulm – und Angustias Fernández García, die erst am Wochenende eingezogen ist.

Die Künstlerin und angehende Kunsttherapeutin ist froh über die Chance, ihr „Kunstlabor“ in das LEW-Gebäude zu verlegen. Dabei ging es ihr wie vielen: „Ich wusste gar nicht, dass das Haus leer stand“, so Fernández García, Mitglied beim „Kunstbauraum“ und ehemalige Mieterin im TFU-Gebäude. Mineralien und Gewürze, die sie für ihre kunsttherapeutische Arbeit benötigt, stehen schon auf den einfachen Tischen, ein paar leere Leinwände liegen bereit. „Ich bin voll zufrieden mit den Räumen“, sagt sie. „Die Heizung funktioniert, die Toiletten funktionieren, nur das Wasser in meinem Atelier ist abgestellt.“ Doch das werde sich hoffentlich bald ändern.

Fernández García hofft vor allem auf einen regen Austausch in dem neuen Künstlerhaus. Mit ihren Atelier-Nachbarinnen sei sie schon ins Gespräch gekommen und habe auch schon ein paar Ideen entwickelt. Doch die müssten erst bei einer Versammlung der Mieter besprochen werden. „Wir würden hier gerne Veranstaltungen und Ausstellungen machen“, sagt Fernández García. Derzeit sei in dem Gebäude noch nicht allzu viel Trubel.

Was das betrifft, setzt die gebürtige Spanierin auf den Kubanisch-Deutschen Kulturverein „Cucuba“, der demnächst einen großen Raum im ersten Stock beziehen will. Im Gespräch mit der NUZ verriet dessen Vorsitzende Martha La Rosa Vaillant, dass der Einzug ihres derzeit heimatlosen Vereins Ende Januar vollzogen sein soll. „Wir sind begeistert“, sagt die Kubanerin und verspricht: „Wir wollen die Stadt ein bisschen schöner machen.“

Genau das hofft auch Kulturdezernent Seiffert, der von der neuen „Künstlerkolonie“ Impulse für ganz Neu-Ulm erhofft. „Ich glaube fest daran, dass Kultur und Subkultur einer Stadt Leben und Identifikation bringen können.“ Er erwartet von den Künstlern, ihre Arbeit auch nach außen sichtbar zu machen und damit den Platz zu beleben. Dass gleich nebenan demnächst mit der Glacis-Galerie ein Einkaufstempel eröffnet, sieht er dabei als Chance: „Das könnte durchaus den Blickwinkel der Konsumenten verändern“, sagt Seiffert. „Vielleicht wollen sich manche statt eines Posters auch mal ein Bild an die Wand hängen.“

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